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Lokales Dana Frohwieser: „Wir kämpfen für das Gymnasium Dresden-Gorbitz“
Dresden Lokales Dana Frohwieser: „Wir kämpfen für das Gymnasium Dresden-Gorbitz“
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07:56 28.08.2017
Dana Frohwieser, Diplom-Pädagogin und Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum für Bildungs- und Hochschulforschung der Technischen Universität.  Quelle: PRi
Dresden

 Es wird ein heißer Herbst: Die Debatte um den Schulnetzplan ist mit dem Entwurf von Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) eröffnet. Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit sieht deutlichen Veränderungsbedarf. SPD-Stadträtin und Bildungspolitikerin Dana Frohwieser, Diplom-Pädagogin und Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum für Bildungs- und Hochschulforschung der Technischen Universität, erklärt im DNN-Interview die Knackpunkte des Entwurfs.

Frage: Der von Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) jetzt vorgelegte Entwurf unterscheidet sich vom Referentenentwurf, den Ihr Bürgermeister Peter Lames (SPD) im November vorgelegt hat. Was sind Ihre Hauptkritikpunkte am Plan von Vorjohann?

Dana Frohwieser: Es gibt sehr viele Kritikpunkte. Meine zentrale Kritik richtet sich gegen den unwürdigen Umgang mit Förderschülern und gegen die zweifelhaften Prognosen beim Wechsel von der Grundschule auf die Oberschule und das Gymnasium.

Das Schulverwaltungsamt bezeichnete die geplanten Umzüge der Förderschulen als unproblematisch. Was stört Sie?

Die Vorschläge sind zynisch. Die Ballung von Förderschulen in Pieschen halte ich für problematisch. Sollen jetzt Kinder mit Beeinträchtigungen für den Schulweg bald zwei Stunden im Auto sitzen? Ausgerechnet Schüler, die sehr auf ein vertrautes Umfeld angewiesen sind, sollen teilweise zwei Mal in kurzer Zeit umziehen. Diese Kinder haben keine große Lobby. Aber sie haben die gleichen Rechte. Deshalb werden wir uns die Vorschläge sehr genau ansehen und korrigierend eingreifen.

Arbeitet der Bildungsbürgermeister bei Oberschulen und Gymnasien mit falschen Zahlen?

Die Prognose ist aus meiner Sicht unseriös. Seit zehn Jahren haben wir annähernd gleiche Zugangsquoten zu Oberschulen und Gymnasien. 2016 gab es einen Ausreißer, da gingen die Zugänge ans Gymnasium leicht nach unten. Jetzt gibt es ein Plus von vier Prozent. Daraus einen Trend zu machen, halte ich nicht für legitim.

Was befürchten Sie?

Den Eltern wird eingeredet, dass für ihr Kind auf der Oberschule nicht mehr alle Lebenschancen offen sind. Das ist eine Fehleinschätzung. Dieses Land lebt von Facharbeitern. Der Bedarf wächst auch mit dem wachsenden Dienstleistungsbereich. Ein Oberschulabschluss ist nichts, womit man gesellschaftlich absteigt. Es bleiben alle Wege offen, auch der Übergang zur Universität.

An der 101. Oberschule und der 102. Grundschule in Johannstadt beträgt der Migrantenanteil 60 Prozent. Wer hat versagt?

Eine Grundschule mit über 60 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund entsteht, weil unter anderem der Dresdner Wohnungsmarkt segregierend wirkt. Und weil manche Eltern Vielfalt lieber meiden und auf andere Schulen ausweichen. Das erschwert Integration.

Wie wollen Sie diese Verhältnisse ändern?

Hier dürfen wir nicht länger zuschauen. Es gibt 16 Grundschulen mit 28 Vorbereitungsklassen in Dresden. Wir haben aber 69 Grundschulen. Mit dieser Unwucht verstärkt man sozialräumliche Segregationseffekte noch.

Kann die Universitätsschule die Probleme am Brennpunkt Johannstadt beheben?

Wir hoffen im konkreten Fall, dass die Universitätsschule dem unverdient schlechten Ruf der Schulen begegnet und so eine ausgewogene Mischung der Schülerschaft zurückkommt. Mein Wunsch wäre es, dass die drei Schulen zu einem großen Schulstandort zusammenwachsen.

Bürgermeister Vorjohann will, dass das Berufsschulzentrum für Wirtschaft am Leutewitzer Ring bleibt. Warum wollen Sie die Schule nach Prohlis umsiedeln?

Das Berufsschulzentrum ist in Gorbitz gut aufgehoben, wäre aber auch in Prohlis gut aufgehoben. Ich bin mir nicht sicher, wie weit wir die Standortfrage noch in der Hand haben, denn die Planungshoheit für die Berufsschulen liegt beim Land. Da habe ich die Befürchtung, dass die eine oder andere Kommune auf Dresden schaut und eine Berufsschule abbekommen will.

War das jetzt der Abgesang auf das Gymnasium Gorbitz?

Ich will mich nicht damit abfinden, dass Bildungschancen von der Postleitzahl abhängen. Wir kämpfen weiter für das Gymnasium Gorbitz.

Auch wenn es dafür keine Anmeldungen gibt und Eltern umgelenkt werden müssen?

Wer sagt das denn? Am Leutewitzer Ring lernen im Gymnasium Südwest mittlerweile 400 Schülerinnen und Schüler. Da gibt es keine Berührungsängste der Eltern, obwohl klar war, dass die Schule bis zu ihrem Umzug in die Bernhardstraße mehr als vier Jahre in Gorbitz bleibt. Wer sich in Gorbitz umschaut, wird schnell auf die Schulgebäude in der Ginsterstraße kommen, die im Moment leerstehen. Damit werden wir uns befassen.

In Prohlis steht an der Boxberger Straße ein großer Schulstandort leer. Was tun?

Da finden Sie im Entwurf von Herrn Vorjohann keine Antwort. Wir wollen sechs neue Schulen bauen, wissen aber nicht, aber leerstehenden Schulen wie in der Boxberger Straße ungenutzt lassen. Oder die Altenberger Straße und den Ginsterweg. Die politische Frage lautet, wie lange wir uns diesen Luxus leisten wollen.

Feiert das erfolglose Gymnasium Prohlis an der Boxberger Straße sein Comeback?

Diese Diskussion müssen wir führen. Auch das ist eine Option.

Wer erhält den lukrativen Neubaustandort Freiberger Straße: Ein dreizügiges Gymnasium mit dreizügiger Oberschule oder eine fünfzügige Oberschule?

Da möchte ich von den Baupolitikern erst einmal wissen, ob dort der Platz überhaupt ausreicht. Schon klar ist, kommt der Doppelstandort, gibt es keinen Raum für eine Erweiterung.

Wenn die 101. Oberschule in Johannstadt bleibt: Kann dann nicht auf der Cockerwiese ein Gymnasium neu gebaut werden, das eigentlich ins Gebäude der 101. Oberschule einziehen sollte?

Nicht noch ein Innenstadtgymnasium. Das ist sehr hypothetisch. Bei der Cockerwiese muss sich Herr Vorjohann mit dem Baubürgermeister auseinandersetzen, der dort einen Standort für ein Container-Rathaus sieht. Und mit der Sozialbürgermeisterin, die die Flächen gerne für den sozialen Wohnungsbau nutzen würde. Außerdem brauchen wir einen Bebauungsplan. Vor 2023 wird sich dort nichts bewegen.

Der Bildungsbürgermeister will den Schulnetzplan im November vom Stadtrat beschließen lassen. Ist das realistisch?

Nein. Diesem Zeitdruck setzen wir uns nicht aus. Das Schulverwaltungsamt hatte viel Zeit, den Entwurf zu überarbeiten. Jetzt nehmen wir uns die Zeit, diesen Plan grundsätzlich zu diskutieren.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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