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Lokales "Da kann man nicht meckern" - Einblicke in die Dresdner Flut-Notunterkunft
Dresden Lokales "Da kann man nicht meckern" - Einblicke in die Dresdner Flut-Notunterkunft
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17:52 09.09.2015
Einsatzleiter Ivo Kabbert vom Malteser-Hilfsdienst hat derzeit einiges zu organisieren. In der Turnhalle am Ersatzschulbau des Dresdner Erlweingynasiums in der Boxberger Straße befindet sich dss letzte verbliebene Notquartier für Flutgeschädigte. Quelle: Stephan Klingbeil

Dort sind derzeit noch 31 Evakuierte untergebracht. Behinderte, ältere Pflegebedürftige und Kranke sind bereits in den Tagen zuvor in mehrere Pflegeeinrichtungen verteilt worden.

Die Betreuung und Versorgung sei laut Rettungsdiensteinsatzleiter Ivo Kabbert gewährleistet. Die Essensversorgung im wohl noch bis Montag geöffneten Notquartier in der Turnhalle des Gymnasiums in der Boxberger Straße laut Malteserhilfsdienst gesichert.Momentan herrsche hierbei gar ein Überangebot. Die Hilfsbeteitschaft von Anwohnern sei überwältigend.

Helma Orosz und Sozialministerin Christine Clauß (CDU) machten sich am Freitag selbst ein Bild von der Situation vor Ort. Die in der Turnhalle einquartierten Dresdner sind zufrieden mit den Bedingungen vor Ort. "Da kann man nicht meckern", sagt Axel Steiner aus Laubegast. "Hier ist alles bestens organisiert." Der 59-Jährige war am Dienstag mit der Ehefrau aus seiner Wohnung in der Troppauer Straße von der Bundeswehr und dem THW evakuiert worden. "Obwohl alles sehr schnell gehen musste, waren wir jederzeit gut informiert über die Lage."

Eine blinde Frau aus seinem Mehrfamilienhaus sei von eigens geschulten Einsatzkräften aus dem Haus begleitet und in eine Pflegeeinrichtung gebracht worden. Die hygienischen Zustände in der Turnhalle seien in Ordnung, sagt der Frührentner. Krankheiten oder hygienische Missstände traten es dort bislang nicht auf. Christine Clauß erklärte, bisher seien noch keine Krankheitsfälle aufgrund der Hochwassersituation in Dresden wie in Sachsen bekannt. Es sei aber davon auszugehen, dass sich Gülle von gefluteten Felder und Inhalte von Kleinkläranlagen mit dem Hochwassermassen vermengen. Die Keimbelastung würde in den kommenden Tagen erhöhen, wenn die Flusspegel weiter zurückgingen.

Die Ministerin empfahl auch deshalb darauf zu achten, sich die Hände zu waschen vor und nach dem Essen und nach dem Toilettengang. Ferner sollen Betroffene ihren Impfschutz (Tetanus/Diphterie/Vierfach-Impfung) erneuern, dazu gegebenenfalls bei ihren Hausärzten anfragen. In dem Gymnasium in der Boxberger Straße sind die zwölf ehrenamtlichen Helfer vom Malteser-Hilfsdienst indes rund um die Uhr in zwei Schichten vor Ort.

Während ihre Wache in der Leipziger Straße abgesoffen ist und das Wasser im Erdgeschoss steht, stellen sie für die Einquartierten Lebensmittel bereit, unterstützen die Betroffenen. Zudem säubern und desinfizieren sie fortwährend Toiletten, Duschen und Badräume in dem Schulersatzbau des Erlweingymnasiums. Fachkräfte vom Kriseninterventionsteam vor Ort betreuten bei Bedarf Betroffene, die sich teils wieder an die Nöte beim Jahrhunderthochwasser 2002 erinnert hatten, psychisch belastet waren. Laut Malteser-Helferin Annetin Hilsberg waren nach Einrichtung des Quartiers in der Turnhalle auch zwei Kleinkinder mit ihrer Mutter untergebacht, die am Folgetag in ein Privatwohnung umziehen konnten. Viele der Betroffenen erkunden tagsüber die Umgebung, versuchen sich, über ihre evakuierten Wohnungen zu informieten oder gehen auf Arbeit.

Manche sind bereits zum Ortsamt gegangen, um sich das Nothandgeld von maximal 2000 Euro pro Haushalt abzuholen, das der Freistaat seit gestern Abend zunächst bis 25. Juni, aber laut Helma Orosz womöglich auch darüber hinaus, an Hochwassergeschädigte auszahlt.

Andere Einquartierte sitzen vor der maroden Schulturnhalle in der Sonne und versuchen sich mit Lesen von ihren Sorgen abzulenken. Auch ein Mann mit Hund war zeitweise hier, sagt Helferin Annetin Hilsberg. "Beide wollten aber partout nicht hier drinnen, sondern lieber draußen schlafen."

Seit Montag hätten in dem Notquartier bis zu 75 Leute übernachtet. Teils waren auch THW-Kräfte und rund 30 Helfer aus Bayern dort einquartiert. Ein Teil der Halle ist dabei noch immer wegen eines Wasserschadens vor der Flut gesperrt. Platz zum Schlafen gab es aber trotzdem genug. Der Unterricht für die meisten der rund 650 Schüler des Gymnasiums ging dort am Freitag wieder los, teilte Schulleiter Matthias Böhme mit. Einige Schüler seien ob der Flutsituation noch nicht zurück. Vereinzelt gab es von Schülern Fragen zum Notquartier und dem Hochwasser.

Stephan Klingbeil

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