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Lokales DVB müssen sich auf hohe Mitarbeiterverluste aus Altersgründen vorbereiten
Dresden Lokales DVB müssen sich auf hohe Mitarbeiterverluste aus Altersgründen vorbereiten
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07:22 20.10.2017
DVB-Personalchefin Kristin Grund hält jungen Nachwuchskräften die Tür auf – zum Beispiel für eine Ausbildung zum Straßenbahnfahrer. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Bei einem „DVB-Ausbildungstag“ wollen sich die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Personalchefin Kristin Grund spricht über die Herausforderung des Unternehmens bei der Personalentwicklung.

Was sind die Herausforderungen, die sich in den nächsten Jahren bei der personellen Entwicklung bei der DVB stellen?

Kristin Grund: Die DVB hat nach 1990 im Hinblick auf ihre Mitarbeiter eine recht typische Entwicklung vollzogen: die Abläufe im Unternehmen mussten rationalisiert werden und wir haben uns von vielen Mitarbeitern getrennt. Erst ab 2007 wurde wieder regelmäßig neues Personal eingestellt. Das hat dazu geführt, dass wir heute sehr viel mehr erfahrene Mitarbeiter als junge Kollegen an Bord haben.

Was wir nie aufgegeben haben, war die eigene Berufsausbildung. Allerdings konnten wir vielen Azubis über lange Zeit keine unbefristete Übernahme anbieten. Viele mussten wir gehen lassen, einfach weil keine Arbeitsplätze verfügbar waren. Unsere Berufsausbilder wissen genau, was im Unternehmen gebraucht wird und können unsere Azubis ganz gezielt auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereiten.

Also bildet die DVB inzwischen ihren Nachwuchs vor allem selbst aus?

Ja, wir bilden aus um unseren Fachkräftebedarf der Zukunft zu decken. Wir übernehmen unsere Azubis gern, weil diese jungen Menschen in die Abläufe in unserem Unternehmen dann schon sehr gut eingearbeitet sind. Extern suchen wir überwiegend Mitarbeiter mit Berufen, die wir nicht selbst ausbilden.

Sie sprachen von demografischen Faktoren. Kann es der DVB in den nächsten Jahren immer gelingen, das altersmäßige Ausscheiden von Mitarbeitern durch Ausbildung und Neueinstellung auszugleichen?

Ich möchte das am Beispiel des Fahrdienstes, unserer größten Beschäftigungsgruppe, erläutern. Wir haben dort aktuell 15 bis 20 planmäßige Abgänge im Jahr, die wir ersetzen müssen. Natürlich kommt dann immer noch eine Fluktuation dazu, weil der ein oder andere die Stadt wechselt. In zehn Jahren müssen wir aber 40 bis 50 Abgänge ersetzen. Da unsere Mitarbeiter jetzt flexibler entscheiden können, wann sie in Rente gehen wollen, können wir das aber nicht genau planen.

Im gewerblichen Bereich beginnt es schon 2021, dass ganz viele unserer erfahrenen Mitarbeiter in Rente gehen. In dieser Zeit müssen wir dort richtig nachlegen.

Inwieweit kann man da vorbauen?

Wir werden eine größere Ausbildungskapazität für verschiedene Wege des Berufseinstiegs aufbauen müssen. Aktuell haben wir 95 Azubis aller Ausbildungsjahre und schaffen es damit, einen Großteil unseres Personalbedarfs zu decken. Wer jetzt eine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb (FiF) oder zum Berufskraftfahrer beginnt, hat sehr gute Übernahmechancen. Nur wenn sich herausstellt, dass jemand nicht zu uns passt, entscheiden wir uns auch dagegen.

Seit einigen Jahren bilden wir neben der FiF-Ausbildung auch Quereinsteiger zum Straßenbahnfahrer aus. Voraussetzung ist, dass die Bewerberin oder der Bewerber einen Beruf gelernt hat, einen Pkw-Führerschein besitzt und gut mit Kunden umgehen kann. Die Straßenbahnfahrschule dauert dann nur etwa vier Monate. Nach einem halben Jahr fährt der neue Kollege dann selbstständig. Diese Quereinsteiger arbeiten grundsätzlich in Teilzeit. Es ist denkbar, dass diese Mitarbeiter später auch in Vollzeit arbeiten können.

Zusätzlich wird unsere Tochterfirma DVS nun auch im Busbereich Quereinsteiger ausbilden.

Gibt es Bereiche die besonders vom Generationswechsel betroffen sind?

Es gibt Bereiche, in denen wir viele junge Leute eingestellt haben und die heute eine ausgewogene Altersstruktur haben. In anderen Bereichen, wie zum Beispiel dem Fahrdienst und einigen Werkstattbereichen, müssen wir mehr tun., die sind schon ausgewogen besetzt.

Bei Flüchtlingen hat es erste Versuche gegeben, sie in das Unternehmen zu integrieren. Wie läuft das?

Wir haben zwei Plätze für Einstiegsqualifizierungen geschaffen, das ist ein einjähriges Praktikum. Die beiden jungen Männer, die wir ausgewählt haben, sind sehr engagiert. Die größte Schwierigkeit besteht darin, die deutsche Sprache mit den Fachbegriffen und unserer Umgangssprache zu erlernen.

Daneben haben wir ganz regulär einen syrischen Azubi eingestellt, auch das läuft gut.

Sehen Sie Potential, da mehr zu machen?

Wir sind seit zwei Jahren mit anderen städtischen Unternehmen am VAbA-Projekt (Vorbereitung junger Asylsuchender auf eine betriebliche Ausbildung) beteiligt, bei dem wir die Patenschaft für die Schüler von Vorbereitungsklassen des Berufsschulzentrums (BSZ) für Technik und des BSZ für Elektrotechnik übernommen haben. In diesem Projekt, das vom Staatsministerium für Kultus, der Bundesagentur für Arbeit und dem Dresdner Jobcenter unterstützt wird, sollen Flüchtlinge für die Berufsausbildung fit gemacht werden. Es geht unter anderem darum, in einem vertieften Fachunterricht Defizite in der naturwissenschaftlichen Vorbildung aufzuholen und die sprachlichen Kenntnisse zu vertiefen. Aus meiner Sicht hat dieses Vorgehen das Potential, für einen Einstieg in das Berufsleben und damit eine gute Integration zu sorgen.

Ich möchte den Fokus auf deutsche Schulabgänger lenken. Da heißt es inzwischen oft, dass den Betrieben geeignete Bewerber fehlen. Den DVB auch?

Was sind denn geeignete Bewerber? Aus Zeugnissen kann man nicht unbedingt herauslesen, was ein junger Mensch gut kann. Deswegen konzentrieren wir uns nicht nur auf die Zeugnisse, sondern laden zu einem Auswahlverfahren ein, bei dem es um Praktisches Geschick und Allgemeinwissen geht und auch darum, wie jemand im Team arbeitet. Auf diese Weise versuchen wir, den geeigneten Bewerber für jede Stelle zu finden – und das muss nicht derjenige mit dem besten Schulabschluss sein. Ich muss leider auch sagen, dass sich manche Bewerber gar kein Bild von den Berufen machen.

Wie äußert sich das?

Wenn jemand Fahrer werden möchte und dann staunt, dass er auch nachts und am Wochenende arbeiten muss, dann sagt mir das, dass er sich nicht wirklich mit dem Berufsbild auseinandergesetzt hat. Auch in der Werkstatt wird ganz viel nachts gearbeitet, weil die Fahrzeuge nur dann zur Verfügung stehen. Darüber sollten sich Bewerber im Vorfeld informieren, z.B. an unserem Ausbildungstag, auf verschiedenen Berufsmessen oder im Gespräch mit unseren Mitarbeitern.

Gibt es Berufe, bei denen die Nachwuchssuche besonders schwer ist?

Wir konnten bisher alle Stellen besetzen. Kaufmännische Berufe sind nicht nur bei den Mädchen, sondern auch bei den Jungs gefragt, die sich nicht mehr die Hände schmutzig machen wollen. Insgesamt geht die Zahl der Bewerber zurück, das merken wir schon. Viele junge Menschen wollen lieber studieren und wissen vielleicht gar nicht, wie anspruchsvoll die Berufe im dualen Ausbildungssystem sein können. Wir finden auch regelmäßig Wege, gute Facharbeiter bei ihrer Weiterbildung oder einem anschließenden Studium zu unterstützen und damit Karrieren zu ermöglichen.

Es gibt auch viele studentische Straßenbahnfahrer bei den DVB. Gewinnen Sie unter ihnen auch akademischen Nachwuchs?

Wir haben immer zwischen 50 und 60 studentische Fahrer. Gerade für Studenten im Verkehrswesen ist es ganz interessant, die Praxis zu erleben. Viele studentische Fahrer haben sich bereits auf andere Stellen beworben. Daneben bieten wir auch ganz regelmäßig Praktika an. Dabei können wir Studierende kennenlernen und uns als Arbeitgeber präsentieren. Wir sind nicht das Unternehmen, das die größten Gehälter zahlt, aber wir bieten spannende und sinnstiftende Aufgaben und man kann bei uns schnell Verantwortung übernehmen. Außerdem bieten wir berufliche Sicherheit.

Von Uwe Hofmann

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