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Lokales DVB lassen junge Schwarzfahrer und Schmierfinken putzen
Dresden Lokales DVB lassen junge Schwarzfahrer und Schmierfinken putzen
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15:22 21.06.2018
Ein Kontrolleur notiert sich einen Schwarzfahrer (Symbolbild). Quelle: dpa
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Dresden

Schwarzfahren, Schmierereien und Scheiben einwerfen – jedes Jahr entstehen den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) so Schäden in Millionenhöhe. Nicht selten steckt dahinter jugendlicher Leichtsinn. Jetzt haben die Stadt und Verkehrsbetriebe ein neues Projekt gestartet. Künftig sollen junge Straftäter im Alter zwischen 14 und 20 Jahren die von ihnen angerichteten Schäden wieder gutmachen können: mit harter Arbeit.

Allein Schwarzfahrer verursachen je­des Jahr einen Schaden von eineinhalb bis zwei Millionen Euro, rechnet DVB-Vorstand Lars Seiffert vor. Geld, was den Verkehrsbetrieben fehlt und durch Steuerzahler und andere Fahrgäste aufgebracht werden muss. „Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, so Lars Seiffert. Den jungen Leuten sei nicht bewusst, „dass sie eigentlich auf Kosten der vielen ehrlichen Fahrgäste unterwegs sind, wenn sie keine gültige Fahrkarte ha­ben“, erklärt der DVB-Vorstand.

Zugleich kann Schwarzfahren für die jungen Menschen auch zu einem finanziellen Problem werden. 60 Euro werden fällig, wenn kein gültiger Fahrschein vorgezeigt werden kann. Und dabei bleibt es meist nicht, wie Dresdens Jugendbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) weiß. „Können sie die Strafe nicht zahlen, wachsen die Schulden durch ein Inkassoverfahren sehr schnell an“, sagt er. Erst recht, wenn sie mehrfach erwischt werden. Ein schlechter Start für einen jungen Menschen ins Leben, so der Bürgermeister.

DVB-Werkstattleiter Jürgen Gableske zeigt in einem Bus, wo er Schwarzfahrer neulich unter anderem auch Graffiti von Stühlen putzen ließ. Quelle: Dietrich Flechtner

Also haben sich die Verantwortlichen et­was einfallen lassen. Das Jugendamt und die Ver­kehrsbetriebe haben das Projekt „Staff“ aus der Taufe gehoben – ein Kürzel für „Schulden tilgen, Arbeitsausgleich für Fehlverhalten“. Und der Name ist Programm. Denn mit ihren Arbeitseinsätzen direkt bei den Verkehrsbetrieben können die betroffenen Jugendlichen und Heranwachsenden einerseits die offenen Forderungen der DVB begleichen. Außerdem winkt dadurch die Einstellung des zeitgleich laufenden Strafverfahrens.

Bereits seit Oktober des vergangenen Jahres läuft das Projekt in der Pilotphase. Vermittelt werden die Einsätze über die Jugendgerichtshilfe, die Beschuldigten in jedem gegen sie laufenden Verfahren ihre Unterstützung anbietet. Gut 300 jungen Schwarzfahrern sei das Projekt be­reits an­geboten wurden, sagt Rainer Mollik, Leiter der Jugendgerichtshilfe. Immerhin 45 von ihnen hätten das Projekt absolviert.

Bei Schwarzfahrern sind zumeist zehn Stunden Arbeit vorgesehen. „Oft sind das zwei Einsätze zu je fünf Stunden“, er­klärt Rainer Mollik. Viele Ticketsünder kommen dann in die Obhut von Jürgen Gableske, Leiter der Kraftfahrzeugwerkstatt. Die Schwarzfahrer müssen Busse und Bahnen putzen, entlang der DVB-Anlagen beim Grünschnitt und der Reinigung oder auch schon mal bei Lackier- oder Schrauberarbeiten anpacken, wie Jürgen Gableske erklärt. Und es wird nicht nur rangeklotzt: Denn zugleich lernen die Teilnehmer etwas über das Ticketsystem und über Strafverfahren und die möglichen Folgen.

Bisher hätten ausschließlich Schwarzfahrer teilgenommen, so Rainer Mollik. Das Projekt ist aber auch für Sprüher und andere Rowdys gedacht. Da sind die Schäden zwar ungleich größer. Eine zertrümmerte Bahnscheibe kostet 800 Euro und mehr, ein Graffiti bringt es je nach Größe auf einige Tausend Euro. „So kann aber wenigstens ein Teil der Summe wiedergutgemacht werden“, erklärt Rainer Mollik. Gut möglich, dass Sprayer dann selbst einen Wagen von Schmierereien befreien müssen. „Wir scheuen uns nicht, eine Graffiti-Fläche mit der Hand putzen zu lassen“, sagt Jürgen Gableske.

Inzwischen, so sagt der Chef der Ju­gend­gerichtshilfe, zeigen andere Städte bereits Interesse, die das Projekt nachahmen wollen. „Wir haben Anfragen aus Berlin, Wien und München“, erklärt Rainer Mollik stolz. Und: Das Projekt könne auch in Dresden weiter Schule machen – etwa bei der Drewag oder den Wohnungsgenossenschaften, die ebenfalls mit Vandalismus zu kämpfen haben.

Von Sebastian Kositz

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