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DVB lassen jede Straßenbahn nachts auf den Betriebshöfen reinigen

50 000 Euro Kosten in jedem Monat DVB lassen jede Straßenbahn nachts auf den Betriebshöfen reinigen

E“ für „Einrücker“ steht auf der Anzeige der Straßenbahn. „Die Straßenbahn geht jetzt schlafen“, sagt die Mutter, die ihr an der Haltestelle wartendes Kind darauf aufmerksam macht. Viel Ruhe hat die Bahn im Betriebshof allerdings nicht. Sie wird mit großem Aufwand gereinigt. Und das jede Nacht.

Lars Seifert sorgt jede Nacht für Sauberkeit in den Straßenbahnen der DVB.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  „E“ für „Einrücker“ steht auf der Anzeige der Straßenbahn. „Die Straßenbahn geht jetzt schlafen“, sagt die Mutter, die ihr an der Haltestelle wartendes Kind darauf aufmerksam macht. Da beide nicht mit „einrücken“ wollen, warten sie auf die nächste. Sie hätten sich auf eine ordentliche Überraschung gefasst machen können, hätten sie sich anders entschieden und wären mit bis zu einem der Betriebshöfe Trachenberge, Gorbitz oder Reick gefahren, wo die Straßenbahnen angeblich schlafen gehen. Dort herrscht nachts nämlich Hochbetrieb.

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Bahnputzen bei den DVB

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„Jede Bahn, die reinkommt, wird gereinigt“, sagt Andreas Schöne, Schienenfahrzeugservice-Leiter bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB). Und die Bahnen, die in der Nacht durchfahren, kommen dann eben die nächste Nacht dran. Für die Reinigungskräfte wie Lars Schulze bedeuten diese knappen Worte einen Knochenjob, der jeden Abend 19 Uhr beginnt und am nächsten Morgen, 6 Uhr endet. In dieser Zeit müssen in aller Regel jeweils 55 Bahnen in Gorbitz und Trachenberge gereinigt werden, 40 weitere in Reick. In Reick und Gorbitz werden die Bahnen für diese Arbeiten in Hallen abgestellt, auf dem Betriebshof Trachenberge stehen sie im Freien. Auch im Winter, wenn die Reinigungskräfte ohnehin schon mit in die Bahnen geschleppten Kies, Schotter und Streusalzflecken zu kämpfen haben.

„Wir sind ihnen sehr dankbar für diese Arbeit“, sagt Schöne über das Reinigungspersonal. Er weiß, wie schwierig die Arbeitsbedingungen, wie hoch die Ansprüche sind. Dabei handelt es sich nicht um eigene Angestellte. 50 000 Euro monatlich zahlen die DVB für die Reinigung an die Berliner Firma Sasse. Würden die Bahnen weniger schmutzig gemacht, könnte es weniger sein, meint Schöne. Die Reinigung zahlen alle Passagiere über die Fahrkartenpreise mit.

Konkret werden jede Nacht „alle Flächen, mit denen die Fahrgäste in Kontakt kommen“ gereinigt, wie Schöne sagt. Das meint Griffstangen und -schlaufen, Sitze und Fensterbänke. Der Boden wird gefegt und in aller Regel auch gewischt. Nur im Winter nicht, weil die Handvoll Reinigungskräfte, die nächstens etwa im Betriebshof Gorbitz durch die Bahnen wirbelt, mit der Beseitigung des eingeschleppten Schotters schon genug zu tun hat. Im Abstand von zwei Wochen werden auch noch sämtliche Scheiben geputzt, alle sechs Wochen ist Großreinigung angesagt. „Das ist so eine Art Frühjahrsputz, bei dem bis ins Detail gereinigt wird“, sagt Schöne. Alles nur, um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden: „Jede Bahn, die das Betriebsgelände verlässt, muss sauber sein“, sagt Schöne. Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit – damit wollen die DVB im Wettbewerb mit dem Auto punkten.

Etwa eine Stunde braucht der 31-jährige Schulze bei einer 45 Meter langen Straßenbahn für die tägliche Reinigung. Fünfeinhalb Stunden sind es für den „Frühjahrsputz“. Schulze, der seit fünf Jahren dabei ist, mag die nächtliche Arbeitszeit und ist mit den Bedingungen sehr zufrieden. Viele seiner Kollegen hielten es allerdings nur ein halbes oder ein Jahr aus, meint er. „Es ist schwere Arbeit“, sagt er knapp.

Umso ärgerlicher ist das, was anschließend mit der aufwendig gereinigten Bahn passiert. Manches ist unvermeidlich, etwa der Schotter, der gerade im Winter aus den Profilen der Winterstiefel der Passagiere auf den Fußboden rieselt. Anderes muss nicht sein. DVB-Sprecher Falk Lösch, der selbst gelegentlich als Straßenbahnfahrer im Einsatz ist, erinnert sich an eine Nachttour auf der Linie 3. Genau 31 leere Flaschen habe er am Endpunkt Coschütz aus der Bahn geholt und neben den Papierkorb gestellt, nachdem ihn deren Geklapper während der Fahrt fast wahnsinnig gemacht habe. Allesamt von Fahrgästen zurückgelassen, obwohl an jeder Haltestelle Papierkörbe stehen.

Und dann gibt es da noch die größeren Malheure, wie sie gelegentlich Fahrgästen passieren, die zu viel Alkohol getrunken haben. „Wenn der Fahrer es mitbekommt, holen wir die Bahn so schnell wir können herein“, sagt Schöne. Wobei man da Fingerspitzengefühl walten lassen muss. Der Fahrplan müsse eingehalten werden, auch könne man schlecht um 9 Uhr eine Reinigungskraft aus dem Bett klingeln, die bis 6 Uhr auf dem Betriebsgelände war. Jedes Malheur bedarf einer Einzelbehandlung.

Hochbetrieb herrscht vor allem gegen 1 und 2 Uhr, wenn fast alle Bahnen auf den Höfen sind. Gegen 3.30 Uhr rücken dann die ersten wieder aus. Da die Bahnen zudem noch jede Nacht gewartet werden, indem etwa der Bremssand aufgefüllt wird, stehen die meisten von ihnen tatsächlich nur kurze Zeit still da.

Von Uwe Hofmann

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