Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales DVB greifen auf eiserne Reserve zurück – Wieder mehr Tatras im Einsatz
Dresden Lokales DVB greifen auf eiserne Reserve zurück – Wieder mehr Tatras im Einsatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:52 31.05.2018
Ein Bild, wie es auch Mitte der 1990er Jahre hätte entstehen können: Die Linie E3 hält in der Woche mehrmals täglich am Nürnberger Platz. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

 Fast genau acht Jahre ist es her, da haben die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) die Tatrabahnen mit großem Bahnhof in die Rente geschickt. Nun erleben die Straßenbahnen aus tschechischer Produktion noch einmal eine Blüte in der Stadt, deren Nahverkehr sie seit 1969 prägten. Von den 18 Trieb- und Triebbeiwagen, die die DVB im Depot im Betriebshof Trachenberge behalten haben, rücken die meisten inzwischen täglich wieder aus. „Zwar nicht im Linienverkehr“, wie Vorstand Lars Seiffert betont. „Alles, was im Zehn-Minuten-Takt unterwegs ist, ist ein Niederflurwagen“, bekräftigt er mit Verweis auf den inzwischen zur Norm gewordenen Komfort der Stadtbahnwagen mit niedrigem Einstig. Aber morgens und nachmittags, wenn besonders viele Fahrgäste zusteigen, werden die Tatras auf Verstärkerfahrten gebraucht – als E3, E7, E11 und E13.

Dresden nahm schon Abschied von der letzten Tatra-Bahn

Zugegeben: 18 Wagen sind gemessen an den 821 Trieb- und Beiwagen, die es Anfang 1996 noch in Dresden gab, keine große Nummer. Damals begannen die DVB mit dem Verkauf der altgedienten Tatras an Städte in Russland, Nordkorea, Rumänien, Ungarn und Kasachstan. Weil mehr und mehr der neuen Niederflurwagen aus dem Bautzener Bombardierwerk eintrafen, wurden die Bahnen aus Prag nicht mehr gebraucht. „Damals gab es überall dort, wo statt der Niederflurwagen die Tatras fuhren, Beschwerden von Fahrgästen“, erinnert sich Vorstand Seiffert.

Die Tatras sind gut in Schuss

Heute ist das anders. „Die Tatras umweht ein Hauch der Seltenheit“, formuliert das Seiffert. Man könnte auch von Nostalgie und Technikleidenschaft sprechen, die bei manchem Dresdner beim Anblick einer Tatra das Herz höher schlagen lässt. Womöglich auch ein Grund, warum man sich bei den DVB nicht so ganz getrennt hat. Als eiserne Reserve wurden eben 18 Tatras behalten, erhielten in den letzten zwei Jahren jeweils eine Hauptuntersuchung, die den Betrieb für weitere acht Jahre erlaubt. Etwa eine Viertelmillion Euro hat das gekostet. „Das war eine Investition, die sich heute lohnt“, sagt Seiffert.

Denn die eiserne Reserve wird im Stadtbild immer präsenter. „Geplant war zunächst nur der Einsatz auf der E3, alles andere hat uns überrascht“, sagt Seiffert. Neben der traditionellen Studenten-Verstärkerfahrt entwickelten sich in den letzten Monaten immer mehr E-Fahrten, was vor allem mit den steigenden Fahrgastzahlen und veränderten Bedarfen zu tun hat. Beispiel E13: Die Fahrt der drei gekoppelten Tatras beginnt als Linie 13. In der Neustadt nimmt die E13 vor allem Schüler des Gymnasiums Dreikönigsschule auf, die sie ab dem Sachsenplatz auf der Strecke der Linie 6 zum derzeitigen Auslagerungsstandort im zum Schulcampus ausgebauten früheren Betriebshof Tolkewitz transportiert.

Für die DVB ist das die praktikabelste Lösung. Zumal die Wagen trotz ihres Alters gut in Schuss sind und nach ihrer Modernisierung in den 1990er Jahren auch einigermaßen wirtschaftlich betrieben werden können. Großes Plus: von 1010 DVB-Mitarbeitern mit Bahnberechtigung können 646 Tatras fahren. Das minimiert Probleme bei der Dienstplanung, von Sonderwünschen mal abgesehen. Es gebe einige Fahrer, sagt Seiffert, sie sich inzwischen darum reißen, mal wieder eine Runde mit den Tatras zu drehen.

Das endgültige Tatra-Aus ist in Sichtweite

Zumal deren Tage nun wirklich gezählt sind. „Das ist nicht der Komfort, den wir unseren Fahrgästen bieten wollen“, sagt Seiffert. Vereinzelt gebe es schon Fragen wie „Waren die Stufen wirklich früher so hoch“, die das unterstreichen. „Auf Tatras sind die Menschen hier nicht mehr eingestellt. Wo früher selbstverständlich Fahrgäste beim Hinein- und Hinaustragen eines Kinderwagens geholfen haben, stehen Eltern heute oft allein auf weiter Flur“, sagt Seiffert. Außerdem seien Erstatzteile kaum noch zu beschaffen, zehrten Werkstätten vom Teileausbau aus verschrotteten Fahrzeugen. Manchmal werde ein teurer Nachbau von Einzelteilen nötig.

Deswegen läuten wohl die neuen Stadtbahnwagen, von denen in fünf Jahren die ersten durch Dresden rollen sollen, das endgültige Ende der hiesigen Tatratradition ein. Zwar sagt Vorstand Seiffert: „Wir wissen schon jetzt, dass wir dann angesichts des wachsenden Fahrgastaufkommens nicht für jeden neuen Stadtbahnwagen einen alten ausmustern können.“ Gemünzt sind diese Worte allerdings auf die Niederflurwagen der ersten Generation, von denen die ersten bereits ihre dritte Generaluntersuchung hinter sich haben.

So ganz gehen werden die Tatras dann aber nicht. So gibt es neben einigen Rangierfahrzeugen auf den Betriebshöfen noch Sonderfahrzeuge, die auch künftig im Stadtbild auftauchen werden. Dazu gehören Schienenschleifwagen, Schneeräumfahrzeuge und auch die Kinderstraßenbahn Lottchen. Und, na klar: Der erste Triebwagen aus Prag, der 1967 im Probebetrieb durch Dresden rollte, gehört heute zu den beliebtesten Exponaten des Straßenbahnmuseums.

Von Uwe Hofmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Sonntag lassen die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) eine schadhafte Weiche in der Kesselsdorfer Straße reparieren. Deshalb fahren Straßenbahnen der Linien 6, 7 und 12 von 8 bis 20 Uhr Umleitungen.

31.05.2018

Zwei Beachvolleyballfelder, eine Bar und mehrere Sonnenliegen warten an der Ballsportarena auf erste Gäste. Am Freitag öffnet der „Arenabeach“ seine Pforten und lädt bis Ende August zum Feierabend-Drink oder zu einem Volleyballmatch ein – und natürlich zum Public Viewing während der Fußballweltmeisterschaft 2018.

31.05.2018

Im Schnitt müssen Käufer heute ein Viertel mehr bezahlen als noch vor fünf Jahren. Experten warnen allerdings vor zu vielen Wohnungen in der Dresdner Innenstadt.

31.05.2018