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Lokales DNN-Kunstauktion nimmt einen Stollen unter den Hammer
Dresden Lokales DNN-Kunstauktion nimmt einen Stollen unter den Hammer
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13:23 24.11.2017
Noch nicht ganz fertig, aber schon zum Reinbeißen schön: Nadine Wölk zeigt in ihrem Friedrichstädter Atelier ihren Stollenbeitrag für die DNN-Kunstauktion 2017. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Sie denken, Sie wissen, was das ist? Nur weil es „The [kʀɪstˌʃtɔlən] Project “ heißt und auch noch wie ein Christstollen aussieht? Nichts da! Dieses Ding hat sein Geheimnis. Muss es haben, sonst wäre ja die Fantasie perdu. Die wird aber gebraucht, denn es geht um Kunst. Kunst kommt der Wahrheit zwar immer irgendwie nahe, aber eben nur nahe. Genau in diesem Nähern, diesem Ungefähren, Interpretierbaren liegt schließlich ihr großer Reiz. Im vorliegenden Fall grenzt der hart an den Touch des Verbotenen, der zum Beispiel das Rosinenpicken so attraktiv macht. Die Moral ruft noch „bäh“, wenn Genuss und Gier schon lange feiern.

Auweia: Dresdner Kulturgeschichte

Verwirrt? Dann herzlich willkommen bei Nadine Wölks diesjährigem Beitrag zur DNN-Kunstauktion. Im vergangenen Jahr hatte die Dresdner Malerin mit ihrer Grünkohldose („The Grünkohl Project“) kulinarische Akzente gesetzt, in diesem Sommer hat sie sich an ein Thema gewagt, das nicht nur manchem Bäcker sakrosankt erscheint: den Dresdner Christstollen. An etwas also, das ein eigens gegründeter Schutzverband wachsam vor Kopisten schützt, dessen sorgsam gehütete Rezepte der traditionserpichte Dresdner von Generation zu Generation weitergibt. Dieses Etwas wurde schon 1474 erstmals urkundlich erwähnt, es hat – auweia – Geschichte! Bis heute unvergessen: Kurfürst Augusts Riesenstollen im Lustlager 1730. Beginn einer einzigartigen Riesenstollenstory, die noch heute Jahr um Jahr beim Striezelmarkt fortgeschrieben wird. Stollengeschichte – diese Bürde musste Nadine Wölk schultern – ist Dresdner Kulturgeschichte.

Tradition mit im Boot

Die Malerin trug es mit Fassung. Und tat das einzig Richtige. Sie holte die Tradition ins Boot. Denn Anfang September mal eben Anschauungsware im Supermarkt kaufen, geht bekanntlich nicht. Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller wollte helfen und schickte Nadine Wölk in ihr Dresdner Backhaus, das schon fleißig Striezel für die nahe Saison fertigte. Zwei gab Backhauschef Tino Gierig ab, ein paar Verpackungen legte er obendrauf.

Ok, die Vorlage war da. Was tun? Stollen malen? Kann jeder. Nachbauen? Schwierig. Aber in Zeiten des 3-D-Drucks nicht unmöglich. Die Firma FabLab lieh dem Projekt den Scanner, die Kunstgießerei Ihle half beim Drucken. Und los ging’s mit der Idee, das Gebäck künstlerisch neu zu codieren.

Nichts für den Backofen

Nach zehn Stunden 3-D-Druck in Ihles Firma hatte sich über einem holzgefüllten Kunststoffdrahtgeflecht (Filament) eine ockerfarbene Hülle aufgebaut, reichlich einen Millimeter dick. „Den können sie nicht in den Backofen stecken“ – Kunstgießer Thomas Ihle grinste breit, als er das Objekt dieser Geschichte in die Kamera hielt. Für den Druck hatte er es auf 90 Prozent des Originals skaliert, damit es später in eine der Schachteln passt. Doch deren Inhalt wird man kaum spüren: Das Ergebnis ist federleicht, hat nur noch zehn Prozent des ursprünglichen Gewichts. Als es aus dem Drucker

Für die 22. DNN-Kunstauktion hat sich die Dresdner Künstlerin Nadine Wölk an ein Traditionsobjekt schlechthin gewagt – einen Dresdner Stollen.

kam, sah es aus wie ein bleicher Teigling mit Stoppelbart. Reinbeißfaktor null.

So erreichte der Kunst-Stoff das Atelier von Nadine Wölk in der Friedrichstadt – klein und weit davon entfernt, geschichtsträchtig zu wirken. „Ich will dieses Traditionsding auf eine coole Art brechen, ohne die Historie zu vermöbeln“, gab sich die Künstlerin ambitioniert. Das Ganze ironisch zu verkitschen, irrlichterte nur kurz durch den Raum. „Es soll schon auch Kunst sein. Schon weil mir gefällt, wofür der Stollen sonst noch steht – als Symbol für das eingewickelte Christuskind. Und die Rosinen als Zeichen der Fruchtbarkeit“. Keine Frage: Dieses weihnachtliche Gebäck, bald schon Teil einer Kleinstserie, würde zur Verführung werden - süß und doppelbödig.

Heimeliges Leuchten in der Nacht

Auch seine Verpackung gehört zum Kunstwerk. Mit dem Malbrennkolben hat die 38-Jährige das Innere der Stollenkiste verziert: „Wenn die Box leer ist, soll die trotzdem sagen, was reingehört“. Von dem, was reingehört, hatte Nadine Wölk schon lange vorher klare Vorstellungen. Klar, Puderzucker muss drauf. Zitronat und Rosinen rein. Appetitlich muss es aussehen. Aber eben nicht nur. „Ich habe mir überlegt, dass er im Dunkeln leuchten soll. Vielleicht auch die Kiste, definitiv die aufgeschnittenen Scheiben. Das gibt dann nachts einen totalen 3-D-Effekt.“

Der Effekt ist zauberhaft. Bei Nacht funkelt im Deckel der Kiste rund um den fellmützigen Stollenesser ein Sternenhimmel, und der königliche Kuchen offenbart ein abenteuerliches Leuchten. Unstrittig, dass diese zusätzliche Gabe das Kunst gewordene Dresdner Weihnachtsgebäck adelt. Spannend zu beobachten, wie es sich in Kürze gegen die kalorienreichen Originale behaupten wird.

Von Barbara Stock

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