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DNN-Chefredakteur Dirk Birgel blickt auf das Jahr 2012 zurück

DNN-Chefredakteur Dirk Birgel blickt auf das Jahr 2012 zurück

Dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, heute eine DNN in den Händen halten und diese Zeilen lesen können, grenzt an ein Wunder. Bis vor wenigen Tagen war die DNN in Gefahr. Und nicht nur die: Dresden, Deutschland, der ganzen Welt drohte der Untergang.

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Denn das Augenmerk des Jahres war auf das Exponat des Jahres gerichtet, den Maya-Kodex, der in Dresden zu bestaunen ist. So also hat gottlob nicht die DNN die Ente des Jahres fabriziert, sondern das Volk der Inka, oder die Experten, die mit ihren Interpretationen knapp daneben lagen.

Aber ist Dresden damit gerettet? Oder anders gefragt: Ist Dresden noch zu retten? Da haben die Stadtmütter und -väter einen sanierten Haushalt, sind seit mehreren Jahren schuldenfrei und setzen das wieder aufs Spiel. OB Helma Orosz (CDU) hat zwar zur allgemeinen Erleichterung nach ihrer schweren Krankheit das Comeback des Jahres hingelegt, aber leider hat sie seither auch die Spendierhosen des Jahres an. Dass es im Haushalt so eng zu geht, hat nicht nur mit (zu) großen Investitionen zu tun, sondern auch mit der Fehlkalkulation des Jahres. Eine Milliarde Euro wollte Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) vom Woba-Käufer Gagfah. Damit wären alle Wünsche zu erfüllen gewesen - bekommen hat er magere 36 Millionen. Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger des Jahres gelandet, kann man da nur sagen.

Das gilt in gewisser Weise auch für den Rohrkrepierer des Jahres, die Zwingerfestspiele. Hoch gelobt angekündigt, hoch defizitär gescheitert. Zunächst für ein Jahr ausgesetzt, jetzt auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Hohn und Spott inklusive. Der Veranstalter zog die Reißleine. Der Chef des Tourismusvereins Jeffrey Pötzsch trat zurück und steht mit seinen Mitstreitern Angelika Perret und Burkhard Ehlen (VVO) im Abseits des Jahres. Geschäftsführer Ralph Sander geht in Sachen Festspiele nur noch spazieren und hat den Maulkorb des Jahres verpasst bekommen. Und der neue Eigentümer der Zwingerfestspiele Thomas Bohn wird mit diesem Engagement auch nicht zum Investor des Jahres aufsteigen.

Weitaus mehr zu tun hat Bohn natürlich in seiner Funktion als Aufsichtsratschef von Dynamo Dresden. Und zwar mehr als ihm lieb sein dürfte. Nach tollen Jahren mit Aufstieg und Klassenerhalt überwintert die SGD auf dem Relegationsplatz. So war es wenig überraschend, dass der Verein die Notbremse des Jahres zog und Erfolgstrainer Ralf Loose den Stuhl vor die Tür setzte. Das tat der Deutsche Fußball Bund (DFB) zwei Tage später mit den Schwarzgelben und schloss sie nach erneuten Pokalausschreitungen für 2013 aus dem DFB-Pokal aus, der Platzverweis des Jahres. Überhaupt war 2012 kein gutes Jahr für den Dresdner Sport. Die Eislöwen machten hauptsächlich mit dem Dachschaden des Jahres auf sich aufmerksam, die Volleyballdamen avancierten nach einer tollen Saison abermals nur zum Vizekusen des Jahres. Gleichwohl gab es natürlich auch Erfolge wie den Aufstieg der Volleyballherren, der Titans und des HC Elbflorenz. Der Triumph des Jahres freilich war die olympische Goldmedaille im Doppelvierer für die Dresdner Ruderer Karl Schulze und Tim Grohmann.

Nicht weniger triumphal war der Aufstieg des Jahres: Die TU Dresden ist seit diesem Sommer Exzellenzuni. Ein Erfolg, der neben Rektor Hans Müller-Steinhagen viele Väter hat, und der dem Wissenschaftsstandort Dresden Millionen-Investitionen bringen und hoffentlich hochkarätige Forscher an die Elbe ziehen wird. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zeigte sich spendabel und durfte mit den Siegern um die Wette strahlen. Auch er hatte im Vorfeld seinen Teil zum Erfolg beigetragen.

In Tillichs Kabinett hingegen ging es weitgehend geräuschlos zu - was per se kein schlechtes Zeichen ist. Als es um die Terrorzelle NSU ging und um Ermittlungspannen, war es allerdings lange Zeit sehr ruhig in der Staatskanzlei. Man könnte fast von der Sprachlosigkeit des Jahres reden. Deutlich turbulenter war der Abstieg des Jahres. Kultusminister Roland Wöller (CDU) schmiss den Bettel hin, nachdem er sich bei den Etatverhandlungen nicht hatte durchsetzen können. Er war im Streit des Jahres zu sehr auf der Seite der Lehrer, die mehr Geld, mehr Stellen und mehr Altersteilzeit fordern. Wer sächsische Schulen von innen kennt, kommt zu dem Schluss, dass diese Forderungen durchaus nicht maßlos sind.

Maßlos hingegen fanden die Wutbürger des Jahres die Eintrittspläne für den Pillnitzer Schlosspark. Manchmal sind zwei Euro ein größerer Aufreger als Millionen, die zum Fenster hinaus geschmissen werden. Wobei man hierfür in Dresden wenige Beispiele findet - sieht man mal von der Centrumgalerie ab, dem Flop des Jahres. Auf dem Feld der Kommunalpolitik ist zwar wie gesagt zu viel auf einmal gewollt, aber die Prioritäten stimmen. Geld für 1700 neue Kitaplätze sind die

Z ukunftsinvestition des Jahres. Und auch ein neuer Konzertsaal für die Philharmonie muss her. Dass sollte endlich auch der Prozesshansel des Jahres, Kulturpalast-Architekt Wolfgang Hänsch einsehen. Nur mit der Einsicht ist das so eine Sache. Womit wir beim Trauerspiel des Jahres wären, dem Aus für die Laubegaster Werft nach über 150 Jahren. Sie zu retten hätte einer gewissen Weitsicht bedurft. Aber die konnte oder wollte der Totengräber des Jahres Sebastian Meyer-Stork nicht an den Tag legen. Der Chef der Weißen Flotte wird seine Schiffe künftig in Sachsen-Anhalt reparieren lassen müssen. Dass Meyer-Stork nicht zum Retter des Jahres aufstieg, lag auch daran, dass weder Finanzminister Georg Unland (CDU) noch die Stadt einen Finger rührten.

Aber manchmal muss man es eben allein machen wie der Manager des Jahres, Andreas Sperl. Seine Elbeflugzeugwerke standen vor wenigen Jahren vor ähnlich großen Problemen wie die Werft, aber Sperl konnte das Ruder herumreißen. Neue Aufträge, neue Geschäftsfelder und dann noch der Deal des Jahres, das Joint Venture mit der ST Aerospace aus Singapur. Mit den Partnern aus Fernost wollen die Dresdner das millionenschwere Umbaugeschäft mit der Airbus A330-Familie stemmen und übernehmen obendrein Wartungsaufträge der Asiaten. Chapeau!

Das gilt auch für die städtische Tourismuschefin Bettina Bunge. Jahr für Jahr Rekordzahlen. Das Geschäft mit den Gästen ist der Boom des Jahres. Russen und vor allem Tschechen fluten mittlerweile regelmäßig die Stadt und lassen vor allem den Einzelhandel jubeln. Es wäre deshalb mehr als recht und billig, wenn alle Profiteure sich angemessen an einer Tourismusabgabe beteiligen würden. Auch Frau Bunge kann nicht ohne Geld werben. Beim Einzelhandel ist noch das Bubenstück des Jahres zu erwähnen. Elbepark-Besitzer Kurt Krieger hat seine Shopping-Stadt einfach mehr erweitert als erlaubt. Dass hindert den Janus des Jahres aber nicht, sich mit den kleinen Händlern im Umkreis zu solidarisieren und gegen die Ansiedlung von Globus in der Leipziger Vorstadt zu Felde zu ziehen.

Zieht man einen Strich unter das Jahr 2012, dann war es wohl ein Jahr mit Licht und Schatten. Nirgends wird das so deutlich wie an der Semperoper, die mit dem Tod ihrer Intendantin Ulrike Hessler den Verlust des Jahres zu beklagen hatte. Was weit über die Oper hinaus gilt. Gleichzeitig ist mit Christian Thielemann aber der

Gewinn des Jahres m Haus. Man muss nicht der Prophet des Jahres sein, um der Staatskapelle mit ihm als Chefdirigenten eine glänzende Perspektive zu bescheinigen - und Dresden außergewöhnliche Opernabende.

Weniger rosig sieht die Zukunft für die Städtischen Krankenhäuser aus, die Intensivpatienten des Jahres. Nachdem der Bürgerentscheid als Unsinn des Jahres eine Fusion fürs erste verhindert hat, dürfte es schwer werden, im hart umkämpften Gesundheitsmarkt zu bestehen. Noch düsterer ist es um das Haus Wettin bestellt. Nach dem Tod des Markgrafen erlebte das amüsierte Publikum die Erbrempelei des Jahres zwischen den Prinzen Rüdiger, der gerne wollte, und Alexander, der darf, aber sich ins ferne Mexiko verkrümelt hat. Was letztlich total egal ist. Die zeitgenössischen Wettiner werden ehe nur als Fußnoten des Jahres in die Geschichte eingehen. Ganz im Gegensatz zum Heiligen Nepomuk, der bis zum Weltuntergang die Karlsbrücke zieren wird. Dass ihm diese Ehre auf der Waldschlößchenbrücke verwehrt bleibt, dürfte der Märtyrer verkraften. Denn bei allem Respekt: Wir haben genug Brückenheilige in Dresden. Und so steht am Ende der Wunsch des Jahres: Mögen die Abgüsse von St. Jan, St. Arnold und St. Georg die Brücke krönen.

Ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr wünscht

Ihr Dirk Birgel

d.birgel@dnn.de

www.twitter.com/CRDNN

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