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DNN-Adventskalender: Blick in die Gruselbüchse der Fotothek

DNN-Adventskalender: Blick in die Gruselbüchse der Fotothek

Jeder, der sich auch nur ein bisschen für die Dresdner Stadtgeschichte interessiert, bricht in der Deutschen Fotothek garantiert in Staunen aus.

Von Catrin Steinbach

Denn hier lagert ein Schatz, den man nicht mit Gold aufwiegen kann: Bildmaterial, das Dresden in längst vergangenen Tagen zeigt. Anhand von reproduzierten Stichen, Architektur- und Ingenieurzeichnungen, Karten und vor allem Fotos (Originalaufnahmen!) kann man sich ein Bild von der Entwicklung der heutigen sächsischen Landeshauptstadt machen.

Und nicht nur das. Die Fotothek bewahrt zudem bildliche Dokumentationen über Städte und Orte ganz Sachsens sowie Deutschlands überhaupt. Des Weiteren ist sie Bild-Gedächtnis für die Industrie-, Technik-, Architektur-, Kunst- und Kulturgeschichte Deutschlands. "Immer stärker widmen wir uns auch der Fotografiegeschichte, kümmern uns um die Nachlässe von Fotografen", gibt Fotothek-Chef Dr. Jens Bove einen groben Überblick über den Bestand. Über rund 3,3 Millionen Aufnahmen verfügt die Deutsche Fotothek. Und es werden täglich mehr - zwischen 50 000 und 250 000 pro Jahr. "Zunehmend sind es Digitalaufnahmen", weiß Bove. Doch das Gros des Bestandes - knapp drei Millionen - machen noch Negative auf Glasplatten und Filmen aus.

Trotz des Zeitalters der Digitalkamera rechnet der Fotothekchef mit einem weiteren Anstieg von Negativen auf Filmen in seinem Archiv. "Fotografen, die jetzt im Rentenalter sind oder nur noch digital fotografieren, fangen an, sich von ihrem Archiv zu trennen und suchen jemanden, der sich dafür interessiert. Wir wollen ein Ort sein, der solche fotografischen Nachlässe aufnimmt", sagt Bove. Er ist Mitglied des Vereins Netzwerk Fotoarchive. Dieser möchte öffentliche sowie private Institutionen und Initiativen, die Archive und Nachlässe bewahren, vernetzen und die Bestände öffentlich machen.

Gelagert werden die Negative, die im Besitz der Fotothek in Dresden sind, hinter verschlossenen Stahltüren im untersten Geschoss der SLUB (Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek) am Zelleschen Weg. Dr. Jens Bove hat die Türen für uns aufgeschlossen.

Graue Regale stehen rechts und links vom Gang in Reih und Glied. Der größte Teil ist voll. "Den meisten Platz brauchen wir für die Glasnegative, sagt Bove. Das sind nicht nur Negative von Fotografen aus dem vergangenen Jahrhundert wie August Kotzsch (wurde durch seine Loschwitzer Ansichten bekannt) oder den Maler, Restaurator und Pionier der Fotografie Ermenegildo Antonio Donadini. "Bis zum Jahr 2000 haben wir auf Glasplatten auch 60 000 verzerrungsfreie Messbildstereoaufnahmen von der Messbildstelle Dresden übernommen."

Im Negativarchiv herrschen konstant 15 bis 16 Grad Celsius und zwischen 40 und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, um eine lange Lebensdauer des Archivmaterials zu sichern. Nach und nach wird es digitalisiert. Trotzdem gibt es Verluste. Einige Negative befinden sich auf Nitrocellulosefilmen. Das ist ein Trägermaterial, das in die 1950er Jahre, im Osten sogar bis in die 1960er Jahre, verwendet wurde. "Diese Nitrocellulosefilme haben die Eigenschaft, sich irgendwann aufzulösen", seufzt Bove und zeigt uns eine Blechkiste mit braunen, verschmierten Plasteresten. "Das Fatale ist, dass man das nicht so einfach feststellen kann. Man müsste im Grunde jedes Negativ chemisch testen. Und das kostet Geld, das wir nicht haben."

Die Mitarbeiter der Fotothek "filzen" deshalb regelmäßig das Negativarchiv, um erste Anzeichen von Auflösung sofort feststellen zu können. Die Negative werden dann - sofern nicht schon geschehen - schnellstens digitalisiert, um die Aufnahmen für die Nachwelt zu erhalten. Von Auflösung betroffen ist zum Beispiel der fotografische Nachlass von Hildegard Jäckel. Von der "Lichtbildnerin" besitzt die Fotothek Aufnahmen bedeutender Persönlichkeiten aus Bildung und Wissenschaft, Kunst und Kultur in ihrer privaten oder beruflichen Sphäre. Die Jäckelschen Negative (alle mittlerweile digitalisiert und online recherchierbar) lagern jetzt in einer Kühltruhe, um den Verfallsprozess zu verlangsamen. "Aufzuhalten", weiß Bove, "ist er nicht."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.12.2011

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