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Bunte Dresdner Lichter in der grauen DDR

Neon-Müller Bunte Dresdner Lichter in der grauen DDR

Frank R. Müller, 40 Jahre lang Chef der Neon-Müller Dresden GmbH, feiert heute seinen 80. Geburtstag. Wenn man so weit geht, ihn als Legende zu bezeichnen, sollte man Gründe dafür nennen können. 80 zu werden ist bestenfalls ein Anlass.

Diese prickelnde Werbung für Margonwasser von Neon-Müller an der Budapester Straße/Ecke Reitbahnstraße wurde unter Denkmalschutz gestellt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Frank R. Müller, 40 Jahre lang Chef der Neon-Müller Dresden GmbH, feiert heute seinen 80. Geburtstag. Wenn man so weit geht, ihn als Legende zu bezeichnen, sollte man Gründe dafür nennen können. 80 zu werden ist bestenfalls ein Anlass. Doch die gleiche Zahl an Jahren stand auch für das Bestehen seiner vom Vater übernommenen Firma für Lichtwerbeanlagen in Dresden, die damit deutschlandweit die einzige ihrer Art ist, die es so lange im gleichen Familienbesitz gegeben hat. Vor fast zehn Jahren wurde sie von langjährigen Mitarbeitern übernommen und arbeitet noch immer erfolgreich als „nmd-Licht am Bau“. Die Leuchtwerbung ist inzwischen nur noch ein Teil des Geschäftes und in dem Kürzel „nmd“ klingt das ehemalige Neon-Müller Dresden noch nach.

Apropos Name: Sein erfolgreiches Widersetzen gegen eine Verstaatlichung in den 1970er Jahren führte oft zu kuriosen Entstellungen oder einfach zum Weglassen des Firmennamens. Letzteres z.B. für die spektakuläre Montage per Hubschrauber einer Großwerbung für sowjetische Pkw auf einem Hochhaus am Wiener Platz (damals Leninplatz). Auch die leuchtenden Schriftzüge „Der Sozialismus siegt“ am Pirnaischen Platz oder „Es lebe die deutsch-sowjetische Freundschaft“ am Rathaus standen untypisch für einen privaten Unternehmer. Der neutrale Name „Neonanlagenbau Dresden“ wurde im vorauseilenden Gehorsam selbst eingeführt. Aber anstelle „Frank Müller“ dahinter erschien schon mal in der Presse versehentlich – oder aus Gewohnheit – ein „VEB“ davor. In der Imagebroschüre zur Wiedereröffnung der Semperoper stand sogar gleich „VEB Neon-Müller“.

Solche Fakes setzen sich sogar fort bis in unsere Tage: Eine leider schlecht recherchierte Ausstellung des Stadtmuseums 2015/16 zum Thema Licht würdigte durchaus die besondere Buntheit der Dresdner Lichter in der grauen DDR – aber es wurde dafür der leider völlig frei erfundene Firmenname „VEB Leuchtreklamebau Dresden“ eingesetzt.

Die Freude, dass Dresden in diesem Punkt tatsächlich bunter als vergleichbare Städte im Osten war, hatten wir fast ausschließlich den Lichtanlagen der Neon-Müllers zu verdanken. „Dresden grüßt seine Gäste“ im Wechsel mit Blumen und Schmetterlingen auf einem Hochhaus im Stadtzentrum leuchten zu lassen, war nicht alltäglich im Sozialismus. Die prickelnde Margonwasser-Werbung wurde sogar in unserem Jahrhundert unter Denkmalschutz gestellt – obwohl der Zeitgeschmack inzwischen leuchtende Großanlagen quasi auf den Index gesetzt hat.

Ein letzter Satz noch aus dem Technik-Insidermilieu. Frank Müller ist nicht nur als Unternehmer zu würdigen, der eine Firma erfolgreich durch und aus dem Sozialismus heraus manövriert hat. Er hat als Diplomingenieur für Elektro- und Lichttechnik in seinem eigentlich handwerklich arbeitenden Betrieb auch ingenieurtechnische Maßstäbe gesetzt.

Herzliche Glückwünsche und beste Gesundheit zum 80. Geburtstag!

* Unser Gastautor Gunter Winkler war Vorsitzender des Dresdner VDE-Arbeitskreises Lichttechnik, Bezirksgruppe Dresden der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft LiTG.

Ein letzter Satz noch aus dem Technik-Insidermilieu. Frank Müller ist nicht nur als Unternehmer zu würdigen, der eine Firma erfolgreich durch und aus dem Sozialismus heraus manövriert hat. Er hat als Diplomingenieur für Elektro- und Lichttechnik in seinem eigentlich handwerklich arbeitenden Betrieb auch ingenieurtechnische Maßstäbe gesetzt.

Herzliche Glückwünsche und beste Gesundheit zum 80. Geburtstag!

Von Gunter Winkler

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