Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+
Bundeswehr blockiert Wohnungsbau am Dresdner Jägerpark

Zu hohe Lärmforderung Bundeswehr blockiert Wohnungsbau am Dresdner Jägerpark

1200 Wohnungen könnten im Stadtteil Albertstadt auf Brachflächen entstehen. Könnten, denn die Bundeswehr hat etwas dagegen. Die Armee pocht darauf, Lärm wie ein Industriebetrieb verursachen zu dürfen. Obwohl die Offiziersschule des Heeres eine leise Einrichtung ist.

So könnten die Wohnungen im Jägerpark aussehen.
 

Quelle: Stadt Dresden

Dresden. Investor Kay Tews ist in Vorleistung gegangen. Konkrete Zahlen will er nicht nennen, aber um einen siebenstelligen Betrag handele es sich in jedem Fall, erklärte er auf Anfrage der DNN. Tews will mit seiner Jägerpark Wohnungsbaugesellschaft bis zu 600 Wohnungen im Stadtteil Albertstadt errichten. Das Baufeld ist beräumt, vor wenigen Tagen hat Tews sich um den Schutz von Schlingnattern und Zauneidechsen gekümmert. Der Geschäftsführer will nicht nur Wohnungen bauen, sondern Maßstäbe setzen. Nachhaltig und ökologisch soll es zugehen im Jägerpark.

Doch vor dem Investor türmen sich schier unüberwindliche Hürden auf. „Bei der Bundeswehr ist keine Kompromissbereitschaft zu erkennen“, erklärte jüngst Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) auf Anfrage des SPD-Stadtrats Henning Stahlmann-Fischer. Tews hat ein Problem: Sein Nachbar ist die Offiziersschule des Heeres. Die Bundeswehr pocht für ihre Einrichtung auf einen möglichen Schallpegel von 65 Dezibel zu Tages- und Nachtzeiten.

Das obere gelb markierte Gebiet will Kay Tews bebauen, das untere könnte von der Stadt gestaltet werden.

Das obere gelb markierte Gebiet will Kay Tews bebauen, das untere könnte von der Stadt gestaltet werden.

Quelle:

„Wenn sich die Bundeswehr mit ihren Forderungen durchsetzt, ist Wohnbebauung in dem Gebiet in weiten Teilen nicht möglich“, so der Baubürgermeister. Das betrifft auch die andere große Brachfläche, die sich im Besitz der Landeshauptstadt, der Drewag und privaten Eigentümern befindet. Auch auf diesem Grundstück könnten bis zu 600 Wohnungen entstehen – wenn denn die Bundeswehr mitspielen würde.

Lärmdebatte verhindert Bebauungsplan

Für das Projekt von Tews hat die Stadt bereits einen Bebauungsplan aufgestellt, für die zweite Teilfläche noch nicht. Der Bebauungsplan soll erst offengelegt werden, wenn die Lärmschutzproblematik geklärt ist, teilte Schmidt-Lamontain dem SPD-Stadtrat mit. Eine Einstellung, die die Linken und die Fraktion FDP/Freie Bürger im Stadtrat auf die Palme bringt. „Wir haben einen Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung des nächsten Stadtrats setzen lassen. Wir wollen, dass der Bebauungsplan schnell offengelegt wird und das Stadtplanungsamt mehr Tempo an den Tag legt“, erklärte Tilo Wirtz, baupolitischer Sprecher der Linken. Offene Fragen müssten aktiv geklärt und dürften nicht ausgesessen werden.

In der Sache stimmt Holger Zastrow, Vorsitzender der Fraktion FDP/Freie Bürger, den Linken zu, in der Methodik nicht. „Eine Offenlage bringt gar nichts“, so der Liberale, „wir müssen Druck auf die Bundeswehr aufbauen.“ Wobei Zastrow betont, dass er nicht die Dienststellen vor Ort meint. „Dresden hat eine militärische Tradition und wir sind stolz darauf, Bundeswehr-Standort zu sein. Das Verhältnis zur Offiziersschule ist sehr gut“, betont der FDP-Politiker.

Der Jägerpark könne als Modellbeispiel für die Hürden gelten, denen sich ein Investor in Deutschland gegenübersieht, findet Zastrow. „Da ist jemand, der ein Projekt plant, das Stadtverwaltung wie Politik wollen. Der alle Auflagen erfüllt, die an ihn gestellt werden. Aber nicht einmal das reicht aus. Nein, es kommt noch immer jemand aus der Ecke und meint: Das geht aber nicht“, schüttelt Zastrow den Kopf.

Bundeswehr will sich andere Nutzung offen halten

Von der Offiziersschule des Heeres geht kein übermäßiger Lärm aus, sie ist mit einem Hochschul- und Verwaltungsstandort zu vergleichen. Dennoch will sich die Bundeswehr ein Lärmkontingent sichern, das für Industrieanlagen gilt. Tags und nachts. Begründung: Es sei ja nicht auszuschließen, dass sich die Nutzung des Standortes eines Tages einmal ändern werde.

„Es sind die immer gleichen Bestrebungen, sich für alle Eventualitäten in den nächsten hundert Jahren zu wappnen“, schüttelt Zastrow den Kopf und zieht Parallelen zu Versuchen der Stadtverwaltung, einen zweiten Rettungsweg für Wohnbauten im öffentlichen Verkehrsraum nicht zuzulassen. „Weil dort ja mal Bäume gepflanzt werden könnten.“ Wenn sich die Entwicklung fortsetze, werde Investoren eines Tages der Bau von Ufo-Landeplätzen vorgeschrieben, weil man ja nicht ausschließen könne, dass Marsbewohner eines Tages die Erde besuchen wollen.

„Wir müssen ganz deutlich aussprechen, wer städtebauliche Entwicklung verhindert: Es sind die Bundeswehr und das Bundesverteidigungsministerium, die sich hier querstellen und eine Lösung verhindern.“ Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) müsse handeln und ihre Bürokraten zur Ordnung rufen, so Zastrow. „Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass in der Nähe der Dresdner Heide irgendwann einmal ein Schießplatz zugelassen wird, für den die geforderten Lärmwerte zutreffen.“

Investor hofft auf Einigung

Tews glaubt daran, dass es eine Einigung mit der Bundeswehr geben wird. „Wir befinden uns in Gesprächen. Ich hoffe auf eine vernünftige Lösung und ein vernünftiges Miteinander, auch wenn es im Moment schwierig ist.“ Der Investor hat keinerlei Möglichkeiten, das Verfahren zu beeinflussen. Er hat alle Auflagen erfüllt, alle Dokumente vorgelegt und ist auf schnelles Handeln der Stadtverwaltung angewiesen. Tews hat nicht einmal die Möglichkeit, eine Klage einzureichen.

„Er ist wirklich nicht zu beneiden. Er hat alles getan und kann trotzdem nichts tun“, findet Zastrow. „Die Bundeswehr muss endlich den Schützengraben verlassen. Der Dresdner Norden ist kein Truppenübungsplatz und kein Gefechtsfeld“, meint Wirtz.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.