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Lokales Bundespräsident ehrt THW-Mitarbeiter aus Dresden für sein Engagement
Dresden Lokales Bundespräsident ehrt THW-Mitarbeiter aus Dresden für sein Engagement
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15:00 04.09.2018
Stefan Heinrich posiert vor einem Gerätekraftwagen des THW. Der 38-Jährige steht auf der Gästeliste des Bürgerfestes, für das Sachsen in diesem Jahr das Partnerland. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht darin laut Staatskanzlei eine Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit im Freistaat. Quelle: Foto: Junes Semmoudi
Dresden

Er müsste das eigentlich nicht tun. Er müsste nicht bis vier Uhr morgens Hochleistungspumpen aufbauen und mit seinen Kameraden den Brand in einer Kohlegrube löschen. Als Familienvater hat Stefan Heinrich schließlich auch andere Verpflichtungen. Doch er macht es trotzdem – um zu helfen.

Für seine Opferbereitschaft und sein ehrenamtliches Engagement wird Stefan Heinrich nun geehrt. Als einer von vier Dresdnern ist der stellvertretende Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerks (THW) Radebeul beim Bürgerfest des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD) eingeladen. Die Festivität findet am 7. und 8. September im Schloss Bellevue statt und soll bürgerschaftliches Engagement in den Fokus rücken.

„Das ehrt mich schon sehr“, sagt Heinrich, den Arm lässig an den THW-Gerätekraftwagen angelehnt. „Es fühlt sich gut an, wenn die viele Arbeit der letzten Jahre anerkannt wird.“

Seit knapp zehn Jahren ist der 38-Jährige beim THW-Ortsverband Radebeul, der rund 80 Mitglieder zählt. Heinrich beteiligt sich an Einsätzen zum Katastrophenschutz, auch über die deutschen Grenzen hinaus. In der Expertendatenbank für THW-Auslandseinsätze ist er als IT-Techniker und Experte für Hochleistungspumpen gelistet.

Zu Heinrichs Hauptaufgaben auf Auslandsmissionen gehört das sogenannte „Capacity Building“. Dabei werden staatliche Katastrophenschutz-Einheiten in Ländern mit einer schwächeren Infrastruktur aufgebaut. „Wir greifen den Menschen unter die Arme, die sich selbst nicht helfen können“, erklärt Heinrich. „In Sachen Flutschutz zum Beispiel hängen viele Länder hinterher. Um aufzuholen, braucht es Manpower und vor allem technisches Know-How.“ Beides bringen die THW-Hilfskräfte mit.

Der stellvertretende Ortsbeauftragte nahm in der Vergangenheit bereits an Missionen der Europäischen Union in Lettland, Kroatien, Mazedonien und Irland teil. Im vergangen Jahr flog Heinrich außerdem in die Türkei, um eine Trainingsmission des Technischen Hilfswerks zu leiten. Und auch bevor er vom Bundespräsidenten im Schloss Bellevue empfangen wird, steigt der Ehrenamtler noch einmal in den Flieger. Ziel seiner Reise ist diesmal Tunis. „Denn nicht nur die Dresdner, sondern auch die Menschen in Nordafrika haben Probleme mit Hochwasser. In Tunesien wurden bereits Hochleistungspumpen aufgebaut, und unser achtköpfiges THW-Team soll nun die Führungskräfte einweisen“, erklärt Heinrich den Reisegrund.

Wie sehr die Arbeit der ehrenamtlichen THW-Hilfskräfte wertgeschätzt wird, lässt sich oft an den Reaktionen der Menschen bemessen. Heinrich erzählt vom Sommer 2013, als der Elbpegel in Dresden binnen weniger Tage auf knapp neun Meter anschwoll und nicht nur an den Kräften der THW-Mitarbeiter zehrte. Unvergessen bleibt für den Ehrenamtler eine ältere Dame, die den Kameraden des Technischen Hilfswerks spontan einen frischgebackenen Apfelkuchen bauftischte. „Aber auch im Ausland sind wir immer sehr willkommen. In der Türkei beispielsweise. Dort hat uns der Chef des örtlichen Katastrophenschutzes jeden Tag zum Tee eingeladen“, berichtet der engagierte Helfer.

Leider bringen ihm längst nicht alle so viel Dankbarkeit entgegen. Als Heinrich und seine Kameraden im Jahr 2015 die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge an der Hamburger Straße errichteten, stießen sie auf harsche Kritik der Anwohner. „Einige fragten, ob wir uns denn nicht schämen würden, eine Asylunterkunft zu bauen“, erinnert sich Heinrich. „Das gibt einem schon zu denken. Die Frage konnten wir allerdings ganz klar verneinen. Wir helfen jedem – egal ob es ein Flüchtling ist oder ein Bürger aus Dresden.“

Wenn er nicht gerade große Pumpen oder Flüchtlingseinrichtungen aufbaut, arbeitet Stefan Heinrich übrigens als Softwareentwickler für ein mittelständisches Unternehmen in Dresden. „Die ehrenamtliche Tätigkeit ist wirklich ein guter Ausgleich zum Job“, findet er. „Beim THW sitzt man nicht nur am Rechner, sondern kann selbst Hand anlegen und seine Scheuklappen weiten.“

Dass ein Familienmensch wie er genug Freiraum für eine ehrenamtliche Tätigkeit findet, ist für Heinrich reine Einstellungssache: „Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich einfach. Die aktivsten Mitarbeiter im Technischen Hilfswerk sind meistens diejenigen, die auch im Job am meisten Zeit investieren. Eigentlich sollte es deutlich mehr Menschen geben, die sich ehrenamtlich engagieren – denn es gibt letztendlich immer einen Weg, das Arbeitsleben mit dem Ehrenamt zu kombinieren.“

Von Junes Semmoudi

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