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Lokales Bürgermeister spricht bei Schulfeier von „Absurditäten“ und „Idiotie“
Dresden Lokales Bürgermeister spricht bei Schulfeier von „Absurditäten“ und „Idiotie“
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19:05 14.03.2018
Innen ist der Neubau am Vitzthum-Gymnasium fertig, außen laufen die Bauarbeiten noch bis voraussichtlich Ende April. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Feiertag am Vitzthum-Gymnasium: „Ich bin sehr glücklich darüber“, erklärte Schulleiterin Arnhild Göllner anlässlich der feierlichen Übergabe des Erweiterungsbaus für die Bildungsstätte auf der Paradiesstraße in Zschertnitz. „Nun kann wieder Ruhe und Ordnung in den Schulalltag einziehen“, fügte sie gegenüber DNN hinzu.

Schüler, Lehrer und Eltern haben feierlich den Erweiterungsbau des Vitzthum-Gymnasiums in Besitz genommen. Dabei hatten sie einen besonderen Ehrengast.

Schulgeschichte auf den Kopf gestellt

Innerhalb von kaum 15 Jahren hat sich damit die Geschichte einer Schule völlig auf den Kopf gestellt. Anfang des Jahrtausends droht dem Gymnasium die Schließung, das Kultusministerium wollte schon die Bildung einzelner Klassen untersagen. Doch das Blatt wendete sich. Einwohner- und Schülerzahlen nahmen wieder zu.

2010 weihte die Stadt nach zweijähriger Bauzeit bereits ein neues Hauptgebäude und eine neue Sporthalle ein. Rund 20 Millionen Euro hatte das gekostet. Doch es dauerte nicht lange, da war der Platz schon zu knapp. Der für vier Klassen in jeder Altersstufe konzipierte Komplex platzte aus allen Nähten. Um die Schülerströme aufzunehmen, musste das Gymnasium in den letzten Jahren mehrfach fünf neue Klassen einrichten. Und so wurde für den Neubau nach wenigen Jahren schon ein Anbau fällig.

Seit einem Jahr Bauarbeiten an Erweiterung

Seit Februar 2017 entstand auf dem Schulgelände in Zschertnitz ein zusätzliches Gebäude mit zehn Klassenzimmern, Funktionsbereichen sowie einer Mensa mit rund 150 Sitzplätzen. In dem Erweiterungsbau werden seit den Winterferien die Schüler der Klassenstufen fünf und sechs unterrichtet. Insgesamt lernen inzwischen mehr als 1000 Schüler am Vitzthum-Gymnasium, das nun fünfzügig geführt werden kann. Die Gesamtkosten für die Erweiterung bezifferte die Stadt auf rund 4,5 Millionen Euro.

3,3 Millionen Euro stammen aus dem „wunderbaren“ Programm „Brücken in die Zukunft“ des Freistaates Sachsen, erklärte Hartmut Vorjohann (CDU), der sich als Finanzbürgermeister der Stadt früher noch ganz anders dazu geäußert hatte, weil die Stadt im Zusammenhang mit dem Investitionspaket des Freistaat an anderer Stelle Abstriche in Kauf nehmen muss. Doch jetzt als Bildungsbürgermeister schlägt Vorjohann ohnehin andere Töne an. 2003 habe er in Dresden als Finanzbürgermeister angefangen, damals wurde ihm das alte Vitzthum-Gymnasium noch als eines der marodesten Gebäude vorgeführt. Bis heute sei die gewaltige Sanierungsaufgabe an Dresdner Schulen noch nicht bewältigt.

Vorjohann nimmt sich viel vor

Kürzlich hat der Bildungsbürgermeister Zahlen auf den Tisch gelegt. 1,1 Milliarden müssten in Dresdner Schulen in den nächsten Jahren investiert werden, bekräftigte er am Mittwoch. Vorjohann will den wesentlichen Teil davon in seiner laufenden Amtszeit abarbeiten – „also in knapp sechs Jahren“, sagte er. Erst müssten in der Stadt alle Schulen stehen, dann könne über andere Sachen nachgedacht werden. „Das ständige Reden über andere Ausgaben ist eine Absurdität, eine Idiotie“, fügte er vor den versammelten Kindern, Lehrern sowie Eltern- und Behördenvertretern starke Worte hinzu. Die Förderung des Freistaats sollte möglichst die nächsten zehn Jahre so weiterlaufen. „Das ist purer Selbstzweck“, rief Vorjohann den Kindern zu, „ihr seid die jungen Menschen, die uns später ernähren müssen“.

Grüße von Vitzthum-Nachfahren

Über den Neubau freute sich auch Bolko Graf Vitzthum, der die Glückwünsche der Familie des Namensgebers überbrachte. Und er hatte noch etwas besonderes im Gepäck: das Testament von Rudolph Vitzthum von Apolda, der darin die Einrichtung einer Bildungsanstalt verfügt hatte und 1639 in Dresden gestorben war. Zwei Reproduktionen der überlieferten Schrifft erhielt Schulleiterin Göllner als Geschenk.

Zur Bildungsstätte in Vitzthums Sinne kam es letztlich erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Etwa 50 Jahre später ging das Vitzthum-Gymnasium an die Stadt und im Bombenhagel 1945 unter. Erst 1994 erhielt ein Gymnasium in alten DDR-Gebäuden auf der Paradiesstraße den Namen „Vitzthum-Gymnasium“. Rudolph Vitzthum von Apoldas Grabstein soll in der Busmannkapelle, der Gedenkstätte für die Sophienkirche, wieder aufgestellt werden.

Schüler haben kaum etwas zu kritisieren

Mit einem nicht immer ganz ernst gemeinten Vortrag demonstrierten auch die Schüler ihre Freude über das neue Gebäude, in dem sie aufgrund reichlicher Verwendung von Holzelementen „mit saunaähnlicher Atmosphäre“ empfangen würden. Höhenverstellbare Tische, Monitore in allen Klassenräumen, eine Ampelanzeige für die aktuelle Qualität der Raumluft und vieles mehr hoben sie bei einer Führung für alle interessierten Gäste hervor. Trotz angestrengten Suchens hätten sie kaum etwas zum Kritisieren finden können.

Von Ingolf Pleil

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