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Lokales Bud-Spencer-Film feiert umjubelte Premiere bei den Dresdner Filmnächten
Dresden Lokales Bud-Spencer-Film feiert umjubelte Premiere bei den Dresdner Filmnächten
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10:01 24.07.2017
Regisseur Karl-Martin Pold (l.) mit seinen beiden Darstellern Jorgo Papasoglou und Marcus Zölch (r.) vor der Filmnächte-Kulisse in Dresden.  Quelle: Stephan Lohse
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Dresden

„Es ist ein Denkmal für Bud Spencer“, umschreibt Regisseur Karl-Martin Pold seinen Film, der am 27. Juli in die Kinos kommt. Darin lässt er zwei Vollblutfans, Jorgo Papasoglou und Marcus Zölch, in Richtung Italien aufbrechen. Das Ziel ist klar: Sie wollen ihr Idol Bud Spencer treffen.

„Als Kind war Bud Spencer omnipräsent“, erinnert sich der Mittdreißiger Pold. Er könne heute noch nicht wegschalten, wenn mal wieder ein Film des Duos Spencer/Hill im Fernsehen läuft, schwärmt der Österreicher. So entschloss er sich zum Ende seines Studiums, als Diplomarbeit einen Trailer für einen fiktiven Fanfilm zu drehen.

Doch daraus wurde plötzlich mehr. Denn Fans aus aller Welt sahen den Trailer und fragten, wann der Film denn nun auf die Leinwand komme. Also fing Pold an – unterstützt durch das Geld der Fans - aus einer Diplomarbeit einen richtigen Film zu machen. Monatelang reiste er durch Europa und traf verschiedene Fans. Am Ende ging er mit Papasoglou und Zölch auf die Reise.

„Du bist vollkommen irre“, erinnert sich Zölch an das Angebot. Der Augsburger ist leidenschaftlicher Fan und Sammler. Bud Spencer sei sein „Kindheitsidol schlechthin“. Er selbst verstehe sich ein wenig als „Kulturbeauftragter“ des Bud-Spencer-Universums, erzählt er. Während Zölch sowohl Bud Spencer als auch Terrence Hill mag, hat sein Kompagnon Jorgo Papasoglou eine klare „Bud-Macke“, wie er es nennt. Bud Spencer sei ein „langjähriger sehr guter Freund, ohne dass ich ihn je getroffen hätte“. Ihm gehe es vor allem um die Botschaft der Filme. „Sie machen Spaß, sie machen Freude. Es läuft nie nach Plan, es geht nicht immer gut aus, aber nie schlecht“, beschreibt er es.

Mit minutenlangem Applaus haben die Dresdner am Sonntagabend die Bud-Spencer-Hommage „Sie nannten ihn Spencer“ bedacht. Die Mischung aus Dokumentation und Roadmovie kam bei den Fans an, sehr zur Freude von Regisseur und Darstellern.

Dieses Duo schickte Regisseur Pold im Film in Richtung Italien, beide mit einer sehr persönlichen Geschichte. Zölch halfen die Filme nach einem Genickbruch, wieder lachen zu können. Und Papasoglou hat nie einen Film gesehen. Er ist von Geburt an blind. Ihm halfen die Filme und ihre positive Botschaft mit seiner Behinderung klarzukommen.

Der Film lässt das ungleiche Duo, vom Regisseur als kleine Kopie des Duos Bud Spencer/Terrence Hill inszeniert, im VW-Bus aufbrechen. Von Berlin aus geht es unvorbereitet und völlig naiv über Frankreich in Richtung Italien. „Wir hatten nie ein Skript oder Drehbuch“, beteuert Marcus Zölch. Die Tour sei komplett spontan und ohne Vorgaben abgelaufen. Unterwegs treffen beide auf einstige Weggefährten des großen Bud Spencer, etwa auf Stuntman Riccardo Pizzuti, der in nahezu allen Filmen mitspielte und wirklich immer den berühmten „Dampfhammer“ abbekam, oder das Musikerduo „Oliver Onion“, das den Soundtrack für die meisten Filme komponierte.

Ob und wie beide ihr Ziel erreichen, soll an dieser Stelle nicht aufgelöst werden.

Leider nimmt Regisseur Karl-Martin Pold die Geschichte rund um die beiden Fans manchmal etwas zu wichtig. Die Reise ist nett inszeniert, letztlich aber Fiktion. Zumindest einer der beiden Protagonisten kennt Bud Spencer offenbar bereits seit Jahren persönlich. Zudem wird sich so mancher Zuschauer fragen, warum der Film Terence Hill ausführlich interviewt, sich aber umständlich und ohne Adresse auf die Suche nach dessen engem Freund und Filmpartner machen muss.

Dass der Film trotzdem funktioniert, verdankt er einer zweiten Ebene. Auf dieser nähert sich Pold Bud Spencer dokumentarisch. Zahlreiche Weggefährten und Freunde kommen zu Wort. Der Film streift verschiedene Themen wie Spencers erste Karriere als Olympionike, die Frage, warum die Filme in nahezu jedem Erdteil Fans haben oder ob es nun Kunst war oder nicht. Garniert wird das alles mit unzähligen kleinen Ausschnitten aus den mehr als 40 Filmen.

Hier trifft Pold exakt den Sound der Bud-Spencer-Filme. Das liegt zum einen an der Musik von „Oliver Onion“, bei der nahezu jeder Fan heute noch genau weiß, aus welchem Film und welcher Szene eine Melodie stammt, zum anderen an Thomas Danneberg und Rainer Brandt. Ersterer ist die Synchronstimme von Terence Hill und übernimmt in „Sie nannten ihn Spencer“ die Sprecherrolle. Der andere war Übersetzer der meisten Spencer/Hill-Filme und gilt als derjenige, der den Kult-Streifen erst ihren hierzulande typischen Humor verpasste und auch „Sie nannten ihn Spencer“ den typischen Touch verleiht.

„Es ist ein Film für alle“, sagt Regisseur Pold über seine Geschichte zweier Fans, die ihren Traum verfolgen. In Dresden kam das Ganze schon einmal bestens an. Die Macher hatten ich besonders ins Zeug gelegt. Auf jedem Mitarbeiter-Shirt prangten an diesem Abend Bud-Spencer-Zitate, als besonderen Gag wurden vor dem Film Bohnen mit Speck serviert. Die waren allerdings schnell alle. Offenbar hatten die Dresdner Fans mindestens so viel Appetit wie ihr großes Idol einst.

Bud Spencer

Bud Spencer, gebürtig Carlo Pedersoli, wurde 1929 in Neapel geboren. Bekannt wurde er in zahlreichen Filmen zusammen mit Terence Hill. Der Künstlername leitet sich von seinem Lieblingsbier (Budweiser) und seinem Lieblingsschauspieler (Spencer Tracey) ab.

Bereits vor seiner Schauspielkarriere hatte Spencer ein außergewöhnliches Leben. Er war als Schwimmer zwei Mal bei olympischen Spielen dabei, lebte zeitweise als Unternehmer in Südamerika, studierte Jura, war Komponist und Erfinder.

Bekannt wurde er aber durch die zahlreichen Haudrauf-Komödien zusammen mit Terence Hill ab 1967. 1994 drehten beide ihren letzten gemeinsamen Film.

Mit Veröffentlichung seiner Autobiografie 2011 trat Pedersoli noch einmal ins Rampenlicht. Zu Gesprächsrunden und Autogrammstunden kamen auch in Dresden Tausende Fans. 2016 starb Bud Spencer mit 86 Jahren in Rom.

Von Stephan Lohse

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