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Lokales Buchsbaumzünsler wird zur Gefahr für historische Parkanlagen
Dresden Lokales Buchsbaumzünsler wird zur Gefahr für historische Parkanlagen
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15:45 14.08.2017
Von dieser Buchsbaumhecke sind nur noch wenige grüne Blättchen übrig.  Quelle: Catrin Steinbach
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Dresden

Ein ganzes Einweckglas voller grüner Raupen mit schwarzen Streifen und Punkten sowie schwarzem Kopf hat Hellmut Hummig aus der kleinen Buchsbaumhecke abgesammelt, die das Grab seiner Schwiegereltern auf dem Friedhof in Radebeul-Ost begrenzt. Immer, wenn er gießen kommt, kontrolliert er den Buchs erneut. Doch ob er die Pflanzen damit retten kann, steht in den Sternen.

Kahl gefressener Buchs. Quelle: Catrin Steinbach

Denn die Raupen haben ganze Arbeit geleistet. Nur wenige grüne Blättchen der immergrünen Gehölze, die die Raupen mit einem Gespinst durchwoben haben, sind übrig. Auch noch nicht verholzte Triebe sind angefressen. Zudem sind auch in einigen Buchsbäumen auf anderen Gräbern Raupen bzw. Gespinste zu sehen. Und wenn dort nicht auch gehandelt wird, bleibt der Kampf gegen die Schädlinge wohl erfolglos.

Seit etwa zehn Jahren ist der Buchsbaumzünsler in Deutschland auf dem Vormarsch. Bei dem Insekt handelt es sich um einen weißen Schmetterling mit unterschiedlich breitem braunen Saum. Eigentlich ist er in Ostasien zu Hause, wurde aber Anfang des 21. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt. Vermutlich durch den internationalen Handel mit Baumschulware, heißt es in diversen Veröffentlichungen. Der gefräßige Nachwuchs des Schmetterlings, der bei für ihn optimalen Bedingungen in einer Saison bis zu vier Generationen hervorbringt, kann durchaus auch große Buchsbäume zum Absterben bringen, wenn gegen den Befall nichts unternommen wird. Zudem macht das Buchsbaumtriebsterben – verursacht durch einen Pilz – besagten Gehölzen zu schaffen.

„Zurzeit tritt der Schädling verstärkt im westlichen Rheinland auf. Bisher wurde er nur im südlichen Baden-Württemberg und in der Schweiz gesichtet“, zitierte unsere Zeitung im September 2008 den Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfahlen. „Vor sechs Jahren tauchte der Buchsbaumzünsler erstmals in der Mannheimer Gegend auf“, sagt Marko Weissbach. „Jetzt ist der Schädling auch in Dresden angekommen“, so der Landschaftsarchitekt, der in Mannheim, in Chemnitz und in Dresden ein Büro hat. Er stellte Zünslerraupen zum Beispiel in einem Kleingarten am Wilden Mann fest. Auch bei einem Spaziergang an den Dresdner Elbhang-Schlössern sei er fündig geworden.

Die Raupen des Buchsbaumzünslers entwickeln einen großen Appetit. Quelle: Catrin Steinbach

„Viele Gartenbesitzer sind verzweifelt und haben Buchs schon aus ihrem Garten verbannt“, weiß Knut Strothmann, Referent in der Abteilung Gartenbau des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Dort sehe man sich laut Strothmann „seit drei, vier Jahren“ mit dem Thema konfrontiert. Die Entwicklung „ist dramatisch“. Wenn Buchs aus privaten Gärten verschwinde sei das traurig, das viel größere Problem jedoch hätten vor allem barocke Parks und Gärten, in denen Buchs aus gartengestalterischer und denkmalpflegerischer Sicht nicht wegzudenken ist.

„Bis jetzt ist der Buchsbaumzünsler in unseren Anlagen zum Glück noch nicht aufgetaucht“, so Frithjof Pitzschel, Bereichsleiter Gärten der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH. Er setzt darauf, dass seine Gärtner einen Befall rechtzeitig erkennen und gegensteuern. Zugleich ist Pitzschel klar, dass es schwer ist, den Zünsler zu bekämpfen. „Wir haben keinen Plan B“, sagt er. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sichte gerade Pflanzen, die Buchs eventuell ersetzen könnten, so Strothmann.

Doch wie bekämpft man nun den Buchsbaumzünsler? „Am besten Buchs regelmäßig kontrollieren“, so Strothmann. Weil die Raupen im unteren Bereich und im Inneren der Gehölze mit ihrem Zerstörungswerk beginnen, sollte man die Zweige auseinanderbiegen und genau nachsehen. Denn „wenn äußerlich abgefressene Blätter zu sehen sind, ist der Schaden schon immens“, erklärt der Pillnitzer Experte.

Am besten Raupen absammeln, mit einem starken Sauger die Pflanzen absaugen oder mit einem Hochdruckreiniger abspritzen und die Raupen aufsammeln und entsorgen. Man kann auch ein systemisches Insektizid gegen beißende Insekten einsetzen. Aber das muss man im März/April und im Juli mehrmals spritzen, erklärt Strothmann. Doch den Einsatz solcher Gifte sollte man sich gründlichst überlegen. Denn sie schaden anderen Nützlingen. Und wer will in seinem Garten schon ständig mit Gift hantieren?

Strothmann rät, wenn, dann lieber zu einem im Handel erhältlichen biologischen Spritzmittel zu greifen. Des Weiteren sei im Herbst ein Buchsrückschnitt zu empfehlen, weil die Falter ihre Eier vor allem an der Unterseite der äußeren Blätter der Gehölze ablegen. Zudem schneidet man im Geäst die Kokons, in denen der Buchsbaumzünsler eingesponnen überwintert, aus.

Von Catrin Steinbach

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