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Bucheisenbahn verbindet Magazin und Leihtheke in der SLUB Dresden

Bucheisenbahn verbindet Magazin und Leihtheke in der SLUB Dresden

24 Tage lang bis zum Weihnachtsabend öffnen die DNN wie bei einem Adventskalender jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Pforten.

24 Tage lang bis zum Weihnachtsabend öffnen die DNN wie bei einem Adventskalender jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Pforten. Diesmal besuchen wir das Magazin der Sächsischen Landes- und Unibibliothek SLUB in Dresden.

Von Anne Ortlepp

Die SLUB am Zelleschen Weg kennt kaum Schlaf. Bis tief in die Nacht hinein brummt die Bibliothek tagtäglich von Studenten, Forschern und Gästen. Im vergangenen Jahr wurde sie über zwei Millionen Mal besucht, 50 000 Nutzer liehen regelmäßig Bücher aus. Die Auswahl ist riesig: Acht Millionen Medien sind hier gebunkert, Bücher, Karten, Zeitschriften, Fotografien und vieles mehr. Doch nur 540 000 Exemplare sind in den Regalen des Freihandbereichs zu finden. Wo also sind die anderen versteckt? Und vor allem: Wie kommen sie zum Nutzer?

Will ein Wissensdurstiger ein Buch ausleihen, sucht er den Titel auf der SLUB-Internetseite. Ist das gewünschte Buch verfügbar, hilft ihm eine Registriernummer, den Band selbstständig zu finden. Manchmal steht dort aber auch: Magazin. Dann muss er auf "Bestellen" klicken - und wenige Stunden später liegt das Buch zur Abholung für ihn bereit. Wie von Geisterhand. Denn von stapelschleppenden Bibliothekaren und bücherwagenschiebenden Aushilfen ist keine Spur.

Nein, um dieses Rätsel zu lösen, muss man abtauchen. In die Untiefen der SLUB, in die Ebene "-2". Dort entfaltet sich eine ganz eigene Welt: das Magazin. Lange enge Gänge voll großer schwerer Regale und darin, dicht an dicht, alte, vergilbte, aber auch nahezu unberührte Bücherrücken. Hier stehen sie, die seltenen, alten oder einfach wenig gebrauchten Bücher. Und hier kommen die Bestellungen an: 700 bis 800 Anfragen werfen die Drucker des Magazins täglich aus. Und das an sieben Tagen die Woche, 24 Stunden lang. Diejenigen, die vor 13 Uhr eintreffen, werden noch bis 16 Uhr bearbeitet. Die anderen sind spätestens am nächsten Tag erledigt. "Besonders am Morgen haben wir hier jede Menge Betrieb. Da fallen noch die Bestellungen vom Vorabend an, das sind dann schon mal 200 Stück auf einen Schlag", sagt Barbara Kunath (56), Leiterin des Magazins.

Vier bis fünf Mitarbeiter sind gleichzeitig am Werk, um die gewünschten Exemplare ausfindig zu machen. "Die Bücher sind numerisch geordnet. Kleine Bücher stehen mit kleinen, große mit großen zusammen. So passen mehr in ein Regal", erklärt Kunath. Und dabei schaffen die langen Rollregale allerhand Platz: 70 000 Stellmeter werden von den Magazinbüchern bedeckt.

Ist der Standort des gesuchten Buches gefunden, müssen die schweren fahrbaren Regale meist noch ein bisschen hin- und hergeschoben werden, um gut ranzukommen. Dazu müssen die überwiegend weiblichen Angestellten an einer Art Kurbel drehen, die an der Stirnseite befestigt ist. "Das ist anstrengende körperliche Arbeit. Zu Spitzenzeiten bin ich immer ziemlich fertig", meint Magazin-Mitarbeiterin Katja Mittag (32). Deshalb dauert eine Schicht auch nur vier Stunden. "Wir wollen unsere Mitarbeiter auch nicht zu lange dem künstlichen Licht und der Klimaanlagenluft aussetzen. Es herrschen hier ja sozusagen Unter-Tage-Bedingungen", sagt Kunath.

Doch nicht nur das Klima erinnert an ein Bergwerk. Denn so wie dort die Kohle transportiert wird, werden hier auch die Bücher befördert: mit einer kleinen Eisenbahn! Die Büchereisenbahn hat Waggons aus Plastik, in die fünf bis zehn Bücher passen. Diese "Gebinde" fahren auf einem Laufband horizontal und vertikal durch schmale Schächte. Mit 0,6 Metern pro Sekunde geht hier im wahrsten Sinne des Wortes richtig die Post ab. 23 verschiedene SLUB-Bahnhöfe können angefahren werden, für die Bücher aus dem Magazin kommen jedoch nur zwei in Frage: der Bahnhof "Ausleihtheke" oder "Selbstabholerregale". Und hier stehen sie schon Schlange, die gestressten Studenten, denen das wahrscheinlich immer noch zu lange dauert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2012

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