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Briten kaufen Dresdner Fahrradhändler Bike24 – für 112 Millionen Euro

Standorte und Marke bleiben erhalten Briten kaufen Dresdner Fahrradhändler Bike24 – für 112 Millionen Euro

Unter Radsportfans in Dresden gelten die beiden Läden von Bike24 in der Neustadt und Löbtau schon lange als Top-Adressen. Dem englischen Online-Händler Wiggle­ CRC ist das jetzt sogar einen drei­stelligen Millionenbetrag wert.

Im Fahrradladen von Bike24 in Dresden-Neustadt, erst 2015 von „Bikeland“ übernommen, können die Kunden ihre Online-Bestellungen auch direkt vor Ort abholen und ausprobieren.

Quelle: Anja Schneider

Dresden/Portsmouth. Unter Radsportfans in Dresden gelten die beiden Läden von Bike24 in Neustadt und Löbtau schon lange als Top-Adressen: Große ­Auswahl, kompetente Mitarbeiter – und was nicht im Laden ist, wird binnen eines Tages aus dem nahen Zentrallager des angeschlossenen Online-Shops herangeschafft. Dem englischen Online-Händler Wiggle­ CRC ist das jetzt sogar einen drei­stelligen Millionenbetrag wert: Die Briten übernehmen den deutschen ­Kon­kurrenten – und legen dafür laut ­„Sunday Times“ 100 Millionen Pfund auf den Tisch, umgerechnet gut 112 Millionen Euro.

Riverside reicht seine Anteile weiter

Mit Bike24 übernehme Wiggle CRC einen führenden deutschen Anbieter und „viel beachteten und bewunderten Händler“, lobte Wiggle-CRC-Geschäftsführer Will Kernan die neue Dresdner Tochter. Der Zukauf sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum weltweit führendenden Online-Fahrradhändler, er-
klärte sein Aufsichtsratschef McBride. Den in der „Sunday Times“ genannten Kaufpreis wollten aber weder Käufer noch Verkäufer bestätigen. Das könne man nicht kommentieren, hieß es auf Nachfrage beim Verkäufer; der Preis werde nicht offengelegt, beim Käufer.

Bisher gehörte Bike24 dem US-Finanzinvestor Riverside. Der war Anfang 2015 in Dresden eingestiegen – und gibt den Anteil nun nach knapp drei Jahren an die Briten weiter. Schon bei ihrem Einstig hatten die Amerikaner einen stattliche Preis bezahlt: Laut den im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüssen hatten sie damals 41 Millionen Euro mehr bezahlt als das Nettovermögen von Bike24. Und das betrug seinerzeit 16,4 Millionen Euro. Demnach hätte der Kaufpreis bei gut 57 Millionen Euro gelegen. Von den Briten bekommen sie jetzt fast das Doppelte.

Dresdner Firma bleibt erhalten

Viel verändern wollen die neuen Hausherren in Dresden nicht: Bike24 soll in der Gruppe als eigenständige Tochter fortgeführt werden, hieß es. „Die Marke und Belegschaft von Bike24 bleiben erhalten und werden von Wiggle CRC weiter unterstützt“, versprach Kernan. Auch die bisherige Geschäftsführung soll an Bord bleiben – einschließlich des von Riverside eingesetzten Finanzchefs.

Gründer erfreut über neuen Besitzer

Bike24 war 2002 in Dresden gegründet worden und hat sich vor allem als Online-Händler rund ums Fahrrad einen Namen gemacht. Die beiden Gründer Lars Witt und Andrés Martin-Birner sind nach wie vor als Geschäftsführer an Bord. „Mit Wiggle CRC haben wir einen Partner gefunden, der unsere ambitionierten Wachstumspläne unterstützt und zugleich Marke und Kultur von Bike24 schützen wird“, erklärte Martin-Birner. „Wir freuen uns darauf, die Kräfte mit Wiggle CRC zu bündeln.“

Mehr als 300 Mitarbeiter hat seine Firma inzwischen in Dresden beschäftigt. Sie setzten zuletzt 84,5 Millionen Euro um, machten dabei operativ mehr als 10 Millionen Euro Gewinn. Damit sind die Dresdner deutlich profitabler als der neue Hausherr: Wiggle CRC kam zuletzt auf umgerechnet acht Millionen Euro Gewinn – bei 320 Millionen Euro Umsatz.

Gewinne vor allem im Internet

Geld verdient Bike24 vor allem im Internet. Die beiden Läden in Dresden, jeder rund 700 Quadratmeter groß, fungieren eher als Aushängeschilder. Den einen­ hatte Bike24 erst 2015 vom Betreiber „Bikeland“ übernommen. Mehr als 95 Prozent des Umsatzes entfällt auf den Online-Shop, dessen Herz im Ortsteil Seidnitz schlägt: Dort hat Bike24 seit 2014 eine ehemalige Großhandelshalle angemietet und auf gut 20 000 Quadratmetern sein Zentrallager errichtet. 95 000 Artikel sind vorrätig, 700 000 Pakete verlassen pro Jahr das Lager.

Geliefert wird in die ganze Welt

Geliefert wird in die ganze Welt, das Gros des Absatzes entfällt aber auf Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Damit, so hieß in England, gebe es kaum Überschneidungen mit dem neuen Partner. Wiggle CRC ist vor allem in Großbritannien und Irland aktiv. Mit dem Gang nach Deutschland werde man nun zum europaweiten Anbieter. Beobachter sehen das auch als Maßnahme mit Blick auf den Brexit. Mit Bike24 sichern sich die Briten auch nach dem EU-Austritt Zugange zum EU-Markt.

Bike24 habe sich in den Jahren unter Riverside prächtig entwickelt, hieß es bei dem bisherigen Eigner. „Es war eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit“, so Riverside-Parter Michael Weber.

Finanzinvestor hinter Wiggle

Auch hinter dem neuen Eigner von Bike 24 steht als Geldgeber ein Finanzinvestor: Bridepoint. Der hatte den Online-Händler Wiggle – 1999 aus einem Fahrradladen in Portsmouth entstanden – 2011 übernommen. Im vergangenen Jahr erfolgte die Fusion mit dem Konkurrenten Chain Reaction Cycles (CRC) aus Belfast. Seither heißt die Gruppe Wiggle CRC.

Von Frank Johannsen

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