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Lokales Hund überfahren: Cottbuser Jurist als Rüpelradler in Dresden verurteilt
Dresden Lokales Hund überfahren: Cottbuser Jurist als Rüpelradler in Dresden verurteilt
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15:49 10.04.2019
Seine Dresdner Kollegin verurteilte den Brandenburger zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 140 Euro. Quelle: Peter Steffen/dpa
Dresden

Manchmal fragt man sich wirklich: Geht’s noch? Da brettert ein Radfahrer über einen gemeinsamen Fuß-und Radweg, überholt mit Affenzahn viel zu nah eine Fußgängergruppe, weicht nicht aus, überfährt einen Hund, verletzt dessen Frauchen, reagiert nicht auf Rufe, rast weiter und beschimpft andere Radfahrer, die ihn stoppen.

Und ist noch beleidigt, wenn ihm ein Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort ins Haus flattert. Er will einen Freispruch, was anderes akzeptiert er nicht.

Wie bewegt man sich als Fußgänger „unregulär“?

Pikant: Der Mann ist Richter. Sein Verteidiger tat sich am Dienstag im Amtsgericht ziemlich schwer, dies anzugeben. „Er ist Richter, aber nicht in Sachsen.“ Der Angeklagte selbst war nicht erschienen.

Es war alles ganz anders, ließ Andreas D. seinen Anwalt erklären. Er habe geklingelt und gerufen, bevor er die Gruppe überholte. Die Frau habe sich dann plötzlich und „unregulär“ zur Seite bewegt.

Von dem Zusammenstoß habe er nichts bemerkt, weil er durchgerüttelt wurde, als er zum Ausweichen über den Randstreifen fuhr. Und wegen des Fahrtwindes habe er auch keine Rufe gehört.

Zeugin meint: „Das muss er gemerkt haben“

Die Zeugen erzählten etwas völlig anderes. Der Angeklagte sei mit seinem Rad über den Oberkiesweg an der Waldschlößchenbrücke Richtung Innenstadt gerast.

Von einem Klingeln hat keiner etwas gehört. „Er war sehr rasant unterwegs und hat nicht auf die Fußgänger geachtet, dabei hätte er an ihnen vorbei fahren können. Dann hat er den Hund überfahren, das muss er gemerkt haben“, erklärte ein junges Mädchen, das die Sache beobachtet hatte.

Auch Olga S., die mit ihrer Familie und dem kleinen Chihuahua „Gina“ spazieren ging, hat kein Ausweichen des Radlers bemerkt. „Er schrie: ,Mach den Scheißhund weg!’ und ich ging zur Seite, aber er war so schnell, dass es mein Hund nicht mehr schaffte. Der Mann wich nicht aus, obwohl der Platz da war, er hat auch nicht gebremst.“

Hund mit Leistenbruch, Hundehalterin mit Verbrennungen

Gina wurde überrollt, kam aber mit einem Leistenbruch davon, an dem sie zwar noch laboriert, aber sie hat überlebt. „Der Hund hat vor Schmerz geschrien wie ein Mensch“, erzählte Olga S.

Da sie Gina an der Leine hatte und mitgezerrt wurde, erlitt sie Verbrennungen an Hand und Oberarm. Die Narben sind deutlich sichtbar.

Brandenburger Richter erhält Geld- und „Besinnungsstrafe“

Alle waren danach ziemlich aufgebracht – allen voran der Richter. „Als er merkte, dass wir mit Akzent sprechen, sagte er, dass wir alle abgeschoben werden sollten. Als ich erwähnte, dass ich im Landtag arbeite, sagte er dann, dass er es nicht so gemeint habe“, erzählte der Mann von Olga S. auf dem Gerichtsflur. Mit Ruhm bekleckert hat sich der Richter aus Cottbus da nicht.

Seine Dresdner Kollegin verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 140 Euro – erheblich mehr als der Strafbefehl. Dazu als „Besinnungsstrafe“ einen Monat Fahrverbot.

„Damit er seine Einstellung gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern in Ruhe überdenken kann.“ Mal sehen, ob Andreas D. das Urteil akzeptiert.

Von Monika Löffler

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