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Lokales Blobel-Architekt kontert GHND-Kritik
Dresden Lokales Blobel-Architekt kontert GHND-Kritik
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08:00 12.03.2017
So will Günter Blobel am Neumarkt bauen. Quelle: Andreas Hummel
Dresden

Harmoniebedürftig sollten Bauherren am Neumarkt nicht sein. Sobald sie Entwürfe ihres Vorhabens veröffentlichen, schlägt ihnen Kritik entgegen, meist geschürt von der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND). Dem Nürnberger Projektentwickler KIB mit seinem modernen Moritz-Haus ist es so ergangen, der USD-Gruppe mit dem Quartier VI ebenso wie der CG Gruppe mit Quartier III/2. Nun steht auch Nobelpreisträger Günter Blobel im Fokus der GHND-Kritik.

Blobel nennt eine kleine Teilfläche im Quartier VI sein Eigen, auf der er das Kaufhaus „Au petit Bazar“ rekonstruieren will. Acht Wohnungen und eine Galerie für moderne Kunst im Erdgeschoss sollen entstehen, erklärt der Dresdner Architekt Michael Kaiser als Vertreter des Bauherren. Die Investitionssumme beträgt rund acht Millionen Euro, gegenwärtig wird die Baugrube ausgehoben. Im Frühjahr 2019 soll das Gebäude fertiggestellt werden, so Kaiser.

Das 1851 von Heinrich Hermann Bothen errichtete„Au petit Bazar“ prägte laut GHND-Vorstand Torsten Kulke mit seinen klassizistischen Formen die ansonsten barocke Platzfront zum Neumarkt. „Der aktuelle Entwurf nimmt darauf zwar Bezug, vom aktuellen Ergebnis sind wir indes enttäuscht“, erklärt Kulke. Hauptkritikpunkte: Die Gestaltung des Daches als großflächiges Flachdach. „Das ist nach dem städtebaulich-gestalterischen Konzept für den Neumarkt unzulässig“, so der GHND-Vorstand. Dass die Schaufensterfront im ersten Obergeschoss gegenüber dem historischen Vorbild verkleinert werden soll, trifft ebenso die Kritik der GHND.

Konfliktscheu ist Architekt Kaiser ganz gewiss nicht, und so erklärt er unumwunden: „Dresden muss sich bewusst werden, dass der Neumarkt grundsätzlich modernes Bauen bedeutet, egal ob im historischen oder im zeitgenössischen Architekturverständnis. Kritisch wird es immer dann, wenn Fundamentalisten ihre unerfüllbaren Träume einer wiedererstehenden Barockstadt durchdrücken wollen.“

Starke Worte, die Kaiser mit fachlichen Argumenten untersetzen will. Sein Entwurf weise mitnichten ein Flachdach auf, sondern eine begehbare Dachterrasse. Die von der GHND postulierte Flachdach-Regel sei eine „ahistorische Wunschvorstellung“, deren bauliche Erfüllung nicht angezeigt sei. Das Johanneum weise genauso ein Flachdach auf wie Teile des Zwingers oder das historische Dinglingerhaus in der Frauenstraße.

Der Beweggrund für Professor Blobel, den historischen Vorgängerbau zu modifizieren, sei ehrbar, meint Kaiser: „Der damalige Bau hatte nach Auffassung des Bauherren deutliche Schwächen in den Proportionen. Die Vorgaben des heutigen Bauherren führen zur Überwindung der damaligen Mängel“, so der Architekt. So bestehe Blobel darauf, das gesamte Gebäude in nur einem Baustil zu errichten, um einem Stilmix vorzubeugen. „Und zwar genau in dem Stil, den der damalige Architekt Bothen für den Neumarkt entwickelt hat. Insofern ist das Gebäude eine Hommage an die für Dresden so wichtige Semperzeit“, erklärt der Architekt.

Zum Einsatz werde auch die damalige Bauweise kommen, verspricht Kaiser. Statt mehrschichtiger Betonwände, wie überall am Neumarkt, würden die Außenwände wie zu Bothens und Sempers Zeiten als 60 Zentimeter dicke Ziegelwände errichtet. „Auch bei den Ausbaudetails der geplanten Kunstgalerie sowie der Wohnungen werden die hohen historischen Maßstäbe angewendet“, verspricht der Architekt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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