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Lokales Bleiglasfenster im Dresdner Robotron-Gebäude sollen erhalten werden
Dresden Lokales Bleiglasfenster im Dresdner Robotron-Gebäude sollen erhalten werden
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08:57 02.03.2016
Die Fenster sollen erhalten werden – doch das ist technisch offenbar nicht machbar.   Quelle: Screenshot
Dresden

 Der Robotron-Investor Immovation könnte sich bei seinem ersten Dresdner Projekt um DDR-Baukultur verdient machen. Das wünscht sich zumindest das Netzwerk ostmodern. Die Initiative aus Denkmalpflegern, Geografen, Historikern, Stadtplanern, Architekten, Künstlern und Politikern fordert den Investor auf, die künstlerisch wertvollen, haushohen Bleiglasfenster im Robotron-Gebäude „Atrium I“ vor der Zerstörung zu bewahren. Der Investor signalisiert durchaus Bereitschaft. Allerdings ist die Rettung technisch zu kompliziert.

Versteckter Kunstschatz im Gebäude-Innern

Das Haus am Georgplatz soll Anfang März abgerissen werden, wie Unternehmenssprecher Michael Sobeck vor einer Woche mitteilte. Der inzwischen entkernte Bürokomplex ist keineswegs nur ein großer Betonklotz mit zwei Innenhöfen. Die damaligen Architekten legten Wert auf eine qualitätvolle Gestaltung und statteten das Gebäude mit bemerkenswerten baubezogenen Kunstwerken aus – schließlich war die frühere DDR-Mikrochip-Schmiede ein Prestigeobjekt. Die Fassaden schmücken weiße, wellenförmige Verblender aus Meißner Keramik, die Giebelwände zieren eigens entwickelte Formsteine der Dresdner Künstler Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht von der PGH „Kunst am Bau“.

Die Bleiglasfenster im Dresdner Robotron-Gebäude sollen erhalten werden.

„Der vielleicht größte Kunst-Schatz verbirgt sich aber im Inneren“, sagt Matthias Hahndorf von ostmodern. „Zu beiden Seiten eines Treppenhauses im mittleren Verbindungsflügel zieht sich über die gesamte Gebäudehöhe von sieben Etagen jeweils ein durchgehendes Mosaik mit abstrakten Formen, bestehend aus farbigen Bleiglasfenstern.“ Die über 20 Meter hohen Kunstwerke entwarf seinerzeit Axel Magdeburg, der leitende Architekt des Robotron-Komplexes. Ausgeführt wurden sie 1970 durch die Künstler Günter Gera und Gerhard Papstein. „Viele Dresdner dürften diese Arbeiten gar nicht kennen, weil sie nur von den beiden Innenhöfen aus sichtbar sind und das Gebäude schon jahrelang nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich war“, so Geograf und Stadtplaner Hahndorf.

Ostmodern ruft Investor zur Erhaltung der Fenster auf

Die gigantischen Bleiglasfenster sind nicht nur wegen ihrer künstlerischen Qualität bedeutend, sondern auch, weil es kaum Vergleichbares gibt. „Ihre Zerstörung würde einen schweren Verlust für das Dresdner Kunstgedächtnis bedeuten, der schlecht zu einer Stadt passen will, welche sich mit dem Label einer ‘Kunst- und Kulturmetropole‘ schmückt“, sagt Hahndorf. Deshalb fordern er und seine Mitstreiter, etwa der Altstädter Linken-Ortsbeirat Marco Dziallas, die Immovation-Unternehmensgruppe auf, diese Zeugnisse des Bauens und Kunstschaffens in der DDR zu erhalten: „Wir appellieren an Sie, diese Werke nicht schreddern zu lassen, sondern sorgfältig zu demontieren und in der zukünftigen Bebauung in würdiger Form wieder sichtbar zu machen.“ Beispiele aus anderen Städten zeigten, dass so etwas technologisch möglich sei, so die Ehrenamtler. Zudem existierten bislang keine Entwürfe für die Neubauten, sodass die Kunstwerke noch ohne Probleme integrierbar seien. „Da es das erste Projekt der Immovation in Dresden ist, könnte das Unternehmen der Dresdner Bevölkerung damit auch ein herausragendes Gastgeschenk stiften“, schätzt Hahndorf ein.

Denkmalamt: Bergung zu kompliziert

Bei Immovation stoßen die engagierten Dresdner mit ihrem Wunsch durchaus auf Wohlwollen: Laut Unternehmenssprecher Michael Sobeck besteht eine Vereinbarung zwischen dem Dresdner Amt für Denkmalschutz und der beauftragten Abbruchfirma Nestler, dass erhaltenswerte Gebäudeteile ausgebaut und gesichert werden. „Es handelt sich dabei um eine freiwillige Sicherung, denn der Robotron-Komplex steht nicht unter Denkmalschutz“, so Sobeck. Es sei wichtig, wertvolle Bauteile zu erhalten, denn auch die DDR-Architektur wie das Robotron-Gebäude sei ein Stück Zeitgeschichte und habe zur Identität vieler Dresdner beigetragen.

Wenn es möglich ist, sollen die Bleiglasfenster erhalten werden, sagt Bauleiter Jörg Klemmt von Nestler. Das Amt habe einen Kunstglaser bestellt, der sie ausbauen sollte, aber das habe bislang „nicht geklappt“. Über weitere Details möchte er sich nicht äußern. Die Stadt sprach am Dienstag davon, dass die Bleiglasfenster „aus technischen Gründen“ nicht geborgen werden können. „Der Ausbau der Fenster hätte sich als derart schwierig und problemreich gestaltet, dass davon abgesehen werden musste“, so die Stadtverwaltung.

Dafür werden andere Teile erhalten. Nach Absprache mit dem Besitzer sollen ein Brüstungselement „Wellenverblender“ aus Meißner Keramik, einzelne Elemente der Betonformsteinwand mit Glaselementen des Nord- und Südgiebels sowie zwei Vertikalachsen der im Hof befindlichen freistehenden Betonformsteinwand geborgen und im Lapidarium der Stadt Dresden eingelagert werden.

Von Tanja Tröger

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