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Bio-Bauernhof und Anbauflächen von Ines Franz in Gohlis standen eine Woche lang unter Wasser

Bio-Bauernhof und Anbauflächen von Ines Franz in Gohlis standen eine Woche lang unter Wasser

Der Bio-Bauernhof Ines Franz aus Gohlis ist in Dresden ein Begriff, beliefert zahlreiche Bioläden mit frischem Gemüse. Die Elbe hat nicht nur den alten Dreiseithof unter Wasser gesetzt, in dem die 45-jährige Inhaberin mit ihrer Familie wohnt, sondern auch sämtliche Anbauflächen.

In diesem Jahr wird sie nichts mehr verkaufen können - aber Geld aus den Spenden der DNN-Leser wird hier helfen.

Frage: Wie geht es Ihnen?

Ines Franz: Sagen wir mal so: Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Die Umstände sind gerade nicht so toll, aber ich versuche, das Beste draus zu machen. Klar gibt es immer mal paar Stunden, wo man gar keine Lust mehr hat. Aber ich glaube, ich bin so ein Stehaufmännchen-Typ.

Was hat das Hochwasser bei Ihnen angerichtet?

Wir bauen ja Bio-Gemüse an und beliefern normalerweise wöchentlich zweimal sämtliche Dresdner Bioläden. Unsere Anbauflächen sind komplett überflutet gewesen. Wir haben insgesamt sieben Hektar Fläche. Alles stand zwei bis zweieinhalb Meter unter Wasser - nicht nur drei Tage wie 2002, sondern fast eine ganze Woche lang.

Sie wohnen auch in Gohlis. Sind Sie in den kritischen Tagen dort geblieben?

Nein, wir sind freiwillig gegangen. Unser 1860 erbauter Dreiseithof mit den vier Wohnungen und der Scheune stand anderthalb Meter im Wasser, so dass auch das Erdgeschoss überflutet war. Beim Hochwasser vor elf Jahren waren es zwei Meter.

Waren Sie diesmal besser gewappnet als damals?

Auf jeden Fall. Wir hatten Zeit, alles in Sicherheit zu bringen, was irgendwie zu tragen oder wegzufahren ging.

Konnten Sie etwas retten von dem angebauten Gemüse? Und was ist mit dem Boden? Ist er jetzt verseucht?

Es ist nichts mehr da, nur noch Erde. Am Montag sind Bodenproben genommen worden. Ich gehe davon aus, dass sich keine Schadstoffe in der Erde angesammelt haben. 2002 war die Situation kritischer wegen des vielen Öls, das aus den Tanks ausgelaufen war.

Welche Arbeiten stehen jetzt an?

Das Problem ist, dass es immer noch Schlammpfützen gibt auf dem Acker, so dass wir mit dem Traktor noch nicht drauf fahren können. Das dauert noch ein Weilchen. Jetzt haben wir angefangen, angeschwemmten Müll und altes Holz von den Wiesen abzusammeln.

Erfahren Sie eine ähnlich hohe Hilfsbereitschaft wie vor elf Jahren?

Da muss man unterscheiden. Von Amts wegen hat man sich 2002 mehr um uns gekümmert. Ich kann mich erinnern, dass damals sofort ein Berater da war. Diesmal gab es lediglich einen Anruf eines Mitarbeiters vom Umweltamt, der kurz die Schadenshöhe abgefragt hat. Seitdem habe ich nichts mehr gehört. Ich habe mehrmals vergeblich versucht, Kontakt aufzunehmen mit der Behörde. Keiner konnte mir sagen, wer genau für mich zuständig ist und ob Förderprogramme in Sicht sind.

Und sonst?

Verwandte und Freunde packen mit an. Und viele Kunden haben angefragt, wie sie helfen können. Auch über die DNN-Spendenaktion bekommen wir Geld. Allen ein großes Dankeschön!

Wie hoch war der Schaden vor elf Jahren, mit welchem Verlust rechnen Sie diesmal?

320 000 Euro waren es damals. Diesmal ist natürlich das Inventar verschont geblieben. Der Schaden durch den Ernteausfall beträgt 100 000 Euro. Das ist deutlich mehr als vor elf Jahren. Unsere Anbaufläche ist jetzt dreimal so groß. Wir haben nur im April und Mai das erste Gemüse verkaufen können, ein bisschen Salat und Kohlrabi. Jetzt wächst nichts mehr bis zum nächsten Frühjahr.

Was haben Sie anders gemacht seit der Flut 2002?

Wir haben im Erdgeschoss alles gefliest und dort, wo es ging, auf Putz verzichtet. Und ich habe versucht, im Erdgeschoss alles so einzurichten, dass es weggetragen werden kann. Wir haben die 30 Stunden Vorwarnzeit genutzt, um die ganze Nacht hindurch zu räumen. Es war klar, bei sieben Meter Wasserstand müssen wir raus aus dem Dorf.

Wann werden Sie wieder öffnen?

Wir können ja erst im Frühjahr wieder etwas anbauen und werden demzufolge im nächsten halben Jahr nichts verkaufen können. Ich habe meine Mitarbeiter erst einmal in Kurzarbeit schicken müssen. Die Zeit bis zum Frühjahr werden wir nutzen, um Putz abzuklopfen und hier alles neu zu streichen.

Haben Sie eine solche zweite Flut für möglich gehalten?

Ich habe 2002 gesagt, man muss jederzeit damit rechnen. Das war immer in meinem Kopf.

Den Bio-Bauernhof aufzugeben, daran haben Sie nie gedacht?

Nein, wir leben hier schon immer. Außerdem soll die Hochwasserschutzwand in drei Jahren fertig sein. Dann ist wenigstens der Hof geschützt.

Gespräch: Katrin Richter

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.06.2013

Katrin Richter

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