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Lokales Bildungslücke Heilige Schrift - Im Dresdner Bibelhaus wird über neue Methoden diskutiert
Dresden Lokales Bildungslücke Heilige Schrift - Im Dresdner Bibelhaus wird über neue Methoden diskutiert
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23:08 09.09.2015
Will Gebrauch und Verständnis der Bibel mit Methoden der modernen Pädagogik fördern: Student Ekkehard Weber (30) von der Evangelischen Hochschule Moritzburg zeigt mit seiner Diplomarbeit im Dresdner Bibelhaus, wie die Bibel wieder ins Zentrum "missionarischer Arbeit" rücken soll. Quelle: Dietrich Flechtner

Ende des 19. Jahrhunderts, als die Säkularisierung sich beschleunigte, besonders Arbeiter in Scharen der Kirche den Rücken kehrten, veränderte sie ihr Ziel. Nun wollte sie alles daran setzen, "Gebrauch und Verständnis der Bibel zu fördern".

Daran hält die Bibelgesellschaft bis heute fest. Hatte sie bis 1989 nur innerkirchlich, in den Gemeinden wirken dürfen, kann sie dies seit dem politischen Umbruch ungehindert in der breiteren Öffentlichkeit tun - in ihrem 1992 eröffneten Bibelhaus in Dresden-Blasewitz mit seiner Ausstellung, die 2010 von einer professionellen Agentur noch einmal grundlegend neu gestaltet worden war.

Kommt das, was dort im Bibelhaus angeboten wird, unter heutigen Bedingungen noch an? Oder muss möglicherweise das Konzept verändert werden? Das sind Fragen, die die Mitglieder der Bibelgesellschaft und die Mitarbeiterinnen des Bibelhauses im Blick auf das bevorstehende Jubiläum beschäftigen.

Wissenschaftliche Unterstützung dafür hat sich die Bibelgesellschaft von der Evangelischen Hochschule Moritzburg geholt. Ekkehard Weber aus Zwickau, 30 Jahre alt, hat jetzt sein vierjähriges Studium der Religionspädagogik mit einer Diplomarbeit abgeschlossen, in der er Ausstellung und Führungen im Bibelhaus analysiert und Vorschläge für eine veränderte Konzeption unterbreitet hat.

Das alte Ziel, Gebrauch und Verständnis der Bibel zu fördern, muss nach Ansicht Ekkehard Webers unter den heutigen Bedingungen einer noch viel weiter säkularisierten Gesellschaft neu gedeutet und mit Methoden der modernen Pädagogik gestaltet werden. Er will Ausstellung und Führungen stärker als "missionarische Arbeit" verstanden wissen. Zumal der Anteil Konfessionsloser unter den Besuchern - 2011 waren es mehr als 1200 - besonders hoch sei. Die Mehrheit sind Schulklassen, vor allem 3. bis 5. Klassen, und Konfirmandengruppen. "In einer Klasse hatten 80 Prozent noch nie etwas mit Kirche zu tun", erinnert er sich.

"Es geht meines Erachtens darum, dass Gruppen im Bibelhaus die Bibel erklärt bekommen, die Bibel erleben können und die Bibel als etwas Aktuelles wahrnehmen, wodurch die Bibel ihre missionarische Kraft entfalten kann", stellt Weber in seiner Arbeit fest. Derzeit werde die Heilige Schrift in der 85 Quadratmeter großen Ausstellung im Erdgeschoss aber zu stark als Kulturgut, zu wenig jedoch als etwas Aktuelles vorgestellt - als Glaubensgut. Ziel der Arbeit müsse es deshalb sein, dass "das Evangelium stärker im Zentrum der Arbeit steht und nicht so stark die Historie der Bibel".

Als einen zeitgemäßen Weg schlägt Ekkehard Weber mehr erzählerische Elemente vor. Studenten der Moritzburger Hochschule beispielsweise könnten den jungen Besuchern zu einem Aktionstag ihre Bibelgeschichte erzählen. Oder die auf CDs sprechen, denen man dann an Hörstationen lauscht. Auch Drei-Minuten-Filme könnte es geben, in denen Gemeindeglieder erzählen, welche Bedeutung die Bibel für ihr Leben hat.

Methodisch sollten die jungen Besucher stärker ihren Interessen in der Ausstellung folgen dürfen, schlägt Ekkehard Weber vor. Im Sinne von mehr "Selbstbildung" würde er sie erst einmal mit Arbeitsaufgaben in der Hand auf Erkundung durch die Ausstellung schicken. Dann im gemeinsamen Gespräch ihre Fragen beantworten. Schließlich sie zur vertiefenden Erkundung noch einmal los schicken.

Ob man bei den Führungen, die etwa anderthalb Stunden dauern, schon so tief in biblische Inhalte einsteigen kann? Horst Slesazeck, Vorstandsvorsitzender der SHBG zweifelt. "Wir müssen zunächst Vorurteile beseitigen. Für viele ist es die Erstbegegnung. Da müssen zunächst Elementarkenntnisse vermittelt werden." Bibelhaus-Mitarbeiterin Simona Mielich hat die kuriosesten Erfahrungen mit Unkenntnis und Ressentiments gemacht. Neulich meinte ein Schüler der 4. Klasse während einer Führung, die Bibel sei das Buch mit den absolut meisten Leichen, da spritze das Blut nur so. Vor allem Kinder, die den Ethikunterricht besuchen, betrachteten die Bibel ausschließlich als Buch für Christen. "Sie sollen bei uns aber begreifen, dass es ein Buch für den Alltag ist", betont Simona Mielich. "Dass es jeden berührt, auch diejenigen, die nichts mit Kirche zu tun haben." Die Heilige Schrift soll erst einmal als ein Stück Allgemeinbildung begriffen werden.

Eine kaum geringere Bildungslücke sind Altes und Neues Testament auch innerhalb der evangelischen Kirche in Sachsen. "Unter den meisten Konfirmanden herrscht in punkto Bibel eine große Leere", konstatiert Simona Mielich. Sonderlich lebhaft scheint das Interesse an der Schrift nicht zu sein. "In den vergangenen drei Jahren haben uns erst zwei Mal Gruppen aus Kirchgemeinden besucht." Selbst manche Pfarrer haben noch nie etwas vom Bibelhaus gehört. Tomas Gärtner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.08.2012

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