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Bibliothek gegen die Intoleranz: Unternehmer sponsert Gymnasium Bürgerwiese moderne Technik

Bibliothek gegen die Intoleranz: Unternehmer sponsert Gymnasium Bürgerwiese moderne Technik

"Das war eine große Überraschung", sagen Anna-Sabine, Daniel, Benjamin und Max. Erst vor wenigen Tagen haben sie erfahren, was in dem Zimmer, in dem die Bücherregale stehen, genau vor sich geht.

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Max Kroschinsky, Anna-Sabine Klose, Daniel Bastidas und Benjamin Klose haben schon einige Ideen für ihre moderne Schulbibliothek. Neben der großen Videowand im Hintergrund und den Tablet-PCs sind ihnen auch Bücher wichtig.

Quelle: Carola Fritzsche

Dass die Schulbibliothek umgebaut wird, hatte sich im Gymnasium Bürgerwiese schnell herumgesprochen. Auch, dass es Tablet-PCs geben würde, die für den Unterricht genutzt werden können, und PCs mit großen Flachbildschirmen. An der Stirnseite des Raumes, gegenüber den Bücherregalen, bilden jetzt vier dieser Bildschirme eine Videowand. Ein bisschen sieht sie aus wie ein Fenster. Und das soll sie auch sein. Ein Fenster in die Welt.

Von hier aus können sich die Gymnasiasten künftig über Skype mit Mitschülern verbinden, die an Schüleraustauschprogrammen in Spanien, Malaysia und den USA teilnehmen. Oder mit wem auch immer. Daniel Bastidas hat da schon eine Idee: "Wir lesen im Deutschunterricht gerade den Roman ,Das Parfüm' von Patrick Süskind. Es wäre doch toll, wenn wir über Skype einmal direkt mit ihm über sein Buch sprechen könnten."

Neben der Videowand prangt ein Spruch: "Weltoffene Menschen, frisches Denken, mutiges Handeln - all das fördert interkulturelle Toleranz für ein friedliches Miteinander." Verfasst hat ihn Manuel Molina, der Chef der Dresdner TSS Group, Deutschlands zweitgrößtem Vertriebsnetzwerk für Reisebüros. Molinas Unternehmen hat Dresdens erste Multimedia-Schulbibliothek mit einer fünfstelligen Summe finanziert. Sie soll den Schülern helfen, die Vielfalt der Kulturen aktiv zu erleben und Vorbehalte abzubauen. Damit das gelingt, will Molina gleichartige Bibliotheken in Spanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA und China finanzieren. Die erste davon wird wohl schon bald in Malaga entstehen. Dort wurde Molina, der in Frankfurt am Main aufgewachsen ist und 1992 nach Dresden kam, geboren. Und von dort hatte er hohen Besuch mitgebracht.

Francisco de la Torre Prados, der Oberbürgermeister von Malaga, zeigte sich beeindruckt vom Enthusiasmus, mit dem die Schüler ihre neue Bibliothek in Besitz nehmen. Für die Eröffnung hatten sie kleine Performance-Einlagen einstudiert. "Ich werde in Malaga einen Raum in einer Schule finden, den wir schnell so wie diesen hier einrichten können", versprach er. Malaga sei nicht nur die Geburtsstadt von Molina, sondern auch die von Pablo Picasso, mit 560 000 Einwohnern etwa so groß wie Dresden, und es stehe wie die sächsische Landeshauptstadt für Kultur, Bildung und Innovation. Deshalb biete sich eine engere Zusammenarbeit an. Darüber habe er auch mit Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) gesprochen.

Mit einem zweisprachigen Vortrag beeindruckte der Zehntklässler Daniel Bastidas nicht nur den spanischen Bürgermeister, sondern auch den Botschafter Spaniens in Deutschland, Juan Pablo Garcia-Berdoy Cerezo. Der hatte für seinen ersten Besuch in Dresden extra zwei Termine abgesagt, lachte herzlich über Daniels Humor, lauschte nachdenklich den ernsten Passagen und bescheinigte am Ende dem Schüler, dass er seht gut Spanisch spreche. Dieses Lob vom Botschafter bekam auch Mathematiklehrerin Grit Ulbricht, die über Skype live mit einer Kollegin im spanischen Murcia sprach.

Schülerzeitungsredakteur Max Kroschinsky nutzte wie einige seiner Mitschüler die seltene Gelegenheit, dem Botschafter Fragen zu stellen. So erfuhren die Anwesenden, dass dieser Jura und Linguistik studiert und sein Land viele Jahre lang auf den Philippinen vertreten hat, dass er noch früher Botschafter in Rumänien war, wo er sogar einen Skype-Account hatte. Den wieder zu aktivieren, meinte er, gäbe es ja jetzt einen Grund.

"Spanisch lernen ab der sechsten Klasse mehr als die Hälfte unserer Schüler", sagt Schulleiter Jens Reichel. Er hatte die ganze Sache gemeinsam mit Molina und der Stadt schon seit längerem vorbereitet. Die neue Bibliothek soll die Projektarbeit an seinem Gymnasium beflügeln. Die Literatur in den Regalen ist jetzt nach Ländern und Regionen sortiert. Viele Bücher stellten Reiseunternehmen kostenlos zur Verfügung. Die Schüler, betont ihr Sprecher Benjamin Klose, wissen neben Tablet-PCs auch Bücher zu schätzen. Schulleiter Reichel wünscht sich, dass sie vor allem mit Menschen in anderen Ländern in Kontakt kommen, damit es keine fremden Länder bleiben. Das sei ein Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit. "Wenn ich meine Schüler montags an der Seite von Pegida sehe", sagt er, "dann habe ich das Ziel meiner Arbeit nicht erreicht." Davor muss er sich wohl nicht fürchten.

"Es gibt ja hier sogar Bücher", freute sich auch Professor Dr. Arend Fleming, der Direktor der Städtischen Bibliotheken. Für die Schüler hatte er eine gute Nachricht. Aus lizenzrechtlichen Gründen dürften die Städtischen Bibliotheken multimediale Inhalte zwar nur an Mitglieder ausleihen. Weil der Stadtrat die kostenfreie Nutzung für Jugendliche beschlossen habe, stehe dem aber nichts im Wege. Es gebe neben Wikipedia auch noch andere interessante Recherchequellen, verriet er. Zum Beispiel Jazzmusik-Datenbanken für den Musikunterricht. Die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Bürgerwiese sieht Fleming als Pilotprojekt. Die Städtischen Bibliotheken wollen solche Projekte auch an anderen Schulen unterstützen, versicherte er.

Manuel Molina, der von Jens Reichel den Schulbibliotheksausweis Nr. 1 überreicht bekam, schaute später am Buffet das eine oder andere Mal auf die Uhr. Er wollte mit Botschafter und Bürgermeister unbedingt noch auf den Striezelmarkt. Beide sollen so viel wie möglich von der Stadt sehen, damit sie ihrem ersten Besuch bald weitere folgen lassen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2014

Holger Grigutsch

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