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Lokales Besucher können hinter die Kulissen der Schauburg blicken
Dresden Lokales Besucher können hinter die Kulissen der Schauburg blicken
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15:07 20.06.2018
Braune Wände, rote Sessel – so kannten Kinobesucher den größten Saal der Schauburg. Jetzt hat der Sergio-Leone-Saal mit der Sanierung einiges an Eleganz dazugewonnen. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

„Same but different, um es thematisch passend mit dem Filmtitel des Dramas von Detlev Buck aus dem Jahr 2009 auszudrücken. Oder um es vereinfacht zu sagen: Eigentlich bleibt alles beim alten und wird doch irgendwie anders. Seit 1927 gehört die Schauburg als Programmkino zu den Wahrzeichen der Dresdner Neustadt. Daran hat sich nichts geändert, wohl aber an der Ausgestaltung des Kinos. Im Rhythmus von rund 25 Jahren erlebte die Schauburg an der Königsbrücker Straße mehrere Grundlegende Umbrüche. Und der nächste ist nun fast abgeschlossen.

Am 23. und 24. Juni öffnen in Dresden und der Umgebung viele Neubauten oder Gebäude, die aufwendig saniert wurden, ihre Pforten.

Zwei neue Kinosäle, einer auf dem Dach und einer unter dem Hof, sollen noch mehr Besuchern Platz bieten. Die existierenden drei Säle wurden im vergangenen Jahr generalüberholt. Der ehemals in grau gehaltene Fritz-Lang-Saal erstrahlt nun in hellem grün mit schwarzen Sitzen. Dazu haben die Kinobesucher jetzt mehr Beinfreiheit, denn die Sitzreihen wurden mit größerem Abstand zueinander aufgestellt. Das gilt auch für den kleinen Andrei-Tarkoswki-Saal, der in grün-blau gestaltet ist und die Zugangstür gewechselt hat. Statt die Fluchttreppe zu verstecken, wurde die historische Wendeltreppe offen inszeniert.

Architekt Hendrik Neumann und Schauburg-Geschäftsführer Stefan Ostertag (v.l.) auf der Baustelle im Dach. Quelle: Dietrich Flechtner

Auch am Herzstück der Schauburg, dem historischen „Sergio-Leone-Saale“ wurde gewerkelt. „An der Decke konnte der historische Kammzug-Putz erhalten werden“, sagt Alf Furkert, Präsident der sächsischen Architektenkammer. Die Verputzungstechnik aus den 1910er Jahren, wie der Architekt Martin Pietsch sie an der Kinodecke anwandte, ist selten geworden. Statt braun sind die Wände nun festlich rot. Dafür sind die ehemals samtroten Stühle grauen Sitzen gewichen. Zu Beginn der Bauarbeiten wurden die Kinosessel für einen symbolischen Preis von zehn Euro an Interessierte vergeben. Mittlerweile finden sich die Sessel in Dresdner Kneipen oder in privaten Wohnungen. „Einige sind an die Ostsee oder bis nach Österreich gegangen“, berichtet Stefan Ostertag, Geschäftsführer der Nickelodeon Filmtheater GmbH, die das Kino in der Äußeren Neustadt betreibt.

Ein neuer Saal wurde der Schauburg auf das Dach gesetzt. Benannt nach dem Erbauer des Programmkinos wird der „Arnulf-Huyras-Saal“ 155 Kinobesuchern Platz bieten. Von außen ist das neue Dach mit Metallstreben verkleidet, die an flatternde Filmstreifen erinnern sollen. Schweift der Blick über die Kreuzung von Bischofsweg und Königsbrücker Straße, bringt das nun erhöhte Dach der Schauburg sie zurück ins Gleichgewicht mit den umliegenden hohen Bauten.

Die Abstände zwischen den Sitzreihen wurden auch im kleinsten Saal der Schauburg vergrößert. Quelle: Dietrich Flechtner

Noch graben Bagger im Hof der Schauburg. Bis zur offiziellen Fertigstellung im September diesen Jahres soll hier unterirdisch der neue Charlie-Chaplin-Saal entstehen. Insgesamt bietet die Schauburg dann rund 800 Gästen Sitzplätze. Wie viel investiert wurde, bleibt ein Geheimnis. „Ein niedriger siebenstelliger Betrag“, sagt Ostertag. Viel davon ist dahin geflossen, wo es die Besucher nur im Ernstfall spüren. „Die Arbeiten am Brandschutz und am Fundamt sind aufwendiger ausgefallen, als erwartet“, berichtet Hendrik Neumann, der ausführende Architekt des Projekts.

Der Tag der Architektur steht dieses Jahr unter dem Motto: „Architektur bleibt“. Passend bietet die Schauburg Führungen durch ihre von Wandlungen innerhalb ihrer beständigen Mauern geprägte Geschichte an. Mitte der 1970er war es beispielsweise möglich, von der Bar im Erdgeschoss durch großflächige Verglasungen auf die Leinwand im damals noch einzigen Kinosaal der Schauburg zu blicken. Erst 1994 wurde der große Saal, der fast 1000 Besuchern Platz bot, in drei Säle geteilt. Mit der aktuellen Sanierung solle das Kino modernen Standards angepasst werden, sagt Ostertag. Die Schauburg hat so viele Überformungen erlebt, da sei es schwierig altes wieder aufzunehmen, berichtet der Architekt Neumann. Mit den Grüntönen in den Sälen soll auf die große Farbigkeit in der Lounge des Filmtheaters angespielt werden, die nun dezenter daherkommt. Die umgestalteten Säle sind bereits für Publikum geöffnet. Doch noch ist keine Kino-Saison in Dresden. „Alle Neustädter Kinos ächzen unter der WM und dem Stadtteilfest BRN“, berichtet der Schauburg-Betreiber. Er ist sich sicher, dass die Besucherzahlen im Herbst stimmen werden.

Die Anzahl der Veranstaltungen des Tags der Architektur sind in Dresden dieses Jahr „dramatisch zurückgegangen“, sagt der Vorsitzende der Kammergruppe Dresden von der Sächsischen Architektenkammer, Benjamin Grill. Nur rund halb so viele Architekten präsentieren dieses Jahr zum Aktionstag ihre Bauwerke. Grill führt das auf die gute Auslastung der Dresdner Architekten zurück. Auch wenn Leipzig und Dresden bevölkerungsmäßig ähnlich große Städte sind, hat die Dresdner Architektenkammer mit 3000 Mitgliedern fast doppelt so viele wie die Messestadt. In Leipzig ist die Anzahl der Veranstaltungen in etwa gleichgeblieben, in Chemnitz sei sie sogar gestiegen, berichtet Grill. „In Dresden gibt es besonders hitzige Debatten um Baukultur“, sagt der Kammervorstand. „Der Tag der Architektur ist daher ein wichtiger Beitrag, um die Akzeptanz von zeitgenössischem Bauen zu fördern“.

Das diesjährige Motto „Architektur bleibt“ steht im Zeichen des Europäischen Kulturerbejahres (ECHY). Architektur soll als gemeinschaftliches, verbindendes und fortdauerndes Erbe einer europäischen Kultur gesehen werden. Genau das verdeutliche die Schauburg, sagt Kammerpräsident Furkert. „Filmtechnik wandelt sich, Architektur bleibt“.

Die Schauburg, Königsbrücker Straße 55, bietet am 24. Juni um 11 und um 13 Uhr kostenlose und fachkundige Führungen durch die bereits sanierten Teile und die zwei sich gerade im Bau befindenden Kinosäle an.

Von Tomke Giedigkeit

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