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Bestseller-Autor Michael Nast: „Wir konsumieren Menschen“

Interview Bestseller-Autor Michael Nast: „Wir konsumieren Menschen“

Mit seiner Kolumnensammlung „Generation Beziehungsunfähig“ begeistert Michael Nast seit Monaten hunderttausende Leser und Fans im Internet.Derzeit tourt der Bruder von Jan Nast, Orchesterdirektor der Semperoper, durch Deutschland. Am Donnerstag ist er zu einer Buchlesung im Staatsschauspiel Dresden zu Gast.

Michael Nast traf mit seiner Kolumne den Nerv Tausender Menschen.
 

Quelle: PR

Dresden.  Mit seiner Kolumnensammlung „Generation Beziehungsunfähig“ begeistert Michael Nast seit Monaten hunderttausende Leser und Fans im Internet. Anhand persönlicher Erfahrungen skizziert der 40-Jährige das Bild einer Generation von Menschen, die sich eher selbst verwirklichen will, anstatt sich für eine ernsthafte Bindung zu anderen Menschen zu interessieren. Derzeit tourt der Bruder von Jan Nast, Orchesterdirigent der Semperoper, durch Deutschland. Am Donnerstag ist er zu einer Buchlesung im Staatsschauspiel Dresden zu Gast.

 
 Warum ist ihr aktuelles Buch so erfolgreich?

 Ich habe eine große Resonanz von den Lesern bekommen, tausende Kommentare im Internet und E-Mails. Ich höre sehr oft, dass die Leser sich mit meinen Texten stark identifizieren. Ich habe auch schon gehört, ich hätte aus dem Kopf der Leute direkt abgeschrieben. Ich fasse irgendwie in Worte, was viele da draußen schon lange fühlen. Ich habe auch kein Ratgeberbuch geschrieben und stehe nicht mit dem Zeigefinger vor den Leuten. Es ist eher ein authentisches Abbild des Lebens.

Ihr Buch ist eher eine Momentaufnahme eines bestimmten Problems einer bestimmten Gesellschaftsgruppe. Wer ist diese Gruppe und was ist deren Problem?

Ich hätte selbst nie gedacht, dass diese Gruppe so groß ist. Ich hatte eigentlich nur mein Umfeld im Berliner Innenstadtbereich beschrieben. Plötzlich bekam ich Mails aus allen Gegenden des ganzen Landes. Ich habe mich mittlerweile auch von der Definition ’Generation’ verabschiedet. Mir schreiben Leute im Alter von 15 bis 47... Das Problem dieser Leute ist, dass sie so ’ich-bezogen’ sind. Es sind immer weniger Gefühle im Spiel, weil die Menschen immer weniger bereit sind, sich zu öffnen. Sie haben keinen Bock auf Liebeskummer oder Beziehungsprobleme. Wenn es Probleme gibt, wird sich einfach neu orientiert und die Datingapp auf dem Handy geöffnet.

Gehören Sie selbst zur „Generation Beziehungsunfähig“?

Ich zähle mich da auf jeden Fall mit rein. Meine Texte waren noch nie so nah an mir dran. Früher war ich mehr der Beobachter, doch diesmal ging es ans Eingemachte. Meine Texte hatten während des Schreibens auch eine Art selbsttherapeutische Wirkung für mich.

Sie bieten in ihrem Buch keine Lösungen oder Ratschläge an. Gibt es einen Ausweg für die „Generation Beziehungsunfähig“?

Der Anfang ist sicher die gerade angesprochene Selbstreflexion und Erkenntnis, ’halt, hier läuft etwas schief bei mir...’. Und natürlich gebe ich auch Denkansätze. Jeder muss das selbst für sein Leben entscheiden. Das wichtigste ist sicherlich, dass die Leute wieder Gefühle zulassen und ihre Egos hinten anstellen. ’Wir-Denken’ statt ’Ich-Denken’. Wir konsumieren Menschen mittlerweile wie Produkte. Dating-Apps, die wie Online-Shops funktionieren, helfen dabei.

Glauben Sie persönlich an die „Große Liebe“?

Ich glaube es gibt mehrere davon im Leben.

Warum ist aus ihrem Blog letztlich ein Buch entstanden?

Schlussendlich war das einer dieser Texte, die klüger sind als ihr Autor. Ich habe damals einfach nur aufgeschrieben, was mich zu derzeit beschäftigte. Irgendwann kam der Text zur ’Generation Beziehungsunfähig’, der sich eigentlich gar nicht groß von den anderen unterschied. Und er ist auf einmal eingeschlagen wie eine Bombe... Aus dem Text, Leserbriefen und weiteren Geschichten meines Umfeldes ist dann das Buch entstanden.

Wollten Sie schon immer Autor werden?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin damals schon nur in die Schule gekommen, um Lesen zu lernen . Es war eigentlich schon immer in mir. Als ich dann bei einer Werbeagentur anfing zu arbeiten, hatte ich aber kaum noch Zeit fürs Schreiben. Mit 30 habe ich dann eine Sinnkrise bekomme, eine große Zäsur gemacht und wieder damit angefangen.

Was wollen Sie ihrem Publikum bei den Lesungen mit auf den Weg geben?

Literatur sollte immer Unterhaltung sein und auf der anderen Seite natürlich auch tiefgründige Sachen beleuchten. Die Leute sollen über Anekdoten lachen, aber auch nachdenklich nach Hause gehen.

Was ist das für ein Gefühl, plötzlich in ausverkauften Häusern vor tausenden Leuten zu lesen?

Es ist unwirklich und noch nicht wirklich bei mir angekommen. Von der Stimmung her ist es oftmals so, als würde ich mich mit Kumpels treffen und quatschen.

Wie wichtig sind Ihnen finanzieller und kommerzieller Erfolg?

Wenn man eine Arbeit mit Leidenschaft macht, ist Geld immer das Nebenprodukt. Man sollte keinen Job machen, mit dem Ziel, Geld zu verdienen.

Sie sind gerade viel unterwegs. Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt?

Ich beende jetzt auf jeden Fall die Tour. Eigentlich war nur geplant, vor dem nächsten Roman eine Kolumnensammlung herauszugeben, mehr nicht. Aktuell schreibe ich schon am nächsten Roman s, er soll im Februar 2018 erscheinen. Es handelt eine Mischung aus Berlin- und Gesellschaftsroman. Es verlangt mir alles ab, denn es handelt sich diesmal um echte Literatur. Es wird das qualitätshaltigste, was ich bisher geschrieben habe.

Von sbu

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