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Lokales Fernsehturm: Berlin macht den Weg für Dresden frei
Dresden Lokales Fernsehturm: Berlin macht den Weg für Dresden frei
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20:18 08.11.2018
Der Nebel lichtet sich, die Sanierung des Fernsehturms nimmt konkrete Formen an. Quelle: picture alliance / dpa
Dresden

Der Weg für die Sanierung des Fernsehturms ist frei: Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat am Donnerstag entschieden, fast 13 Millionen Euro im Rahmen der Denkmalförderung bereitzustellen. Mit dieser Summe will sich der Bund an den Kosten der für die Wiedereröffnung des Fernsehturmes notwendigen Baumaßnahmen beteiligen. Der frühere sächsische Wirtschaftsminister und jetzige Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk (SPD) hatte sich maßgeblich für die Gelder eingesetzt.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und der Geschäftsführer der Deutschen Funkturm GmbH, Bruno Jacobfeuerborn, begrüßten die Entscheidung, die die einmalige Chance biete, die seit 1991 geschlossenen Publikumsbereiche des Fernsehturms wieder zugänglich zu machen.

„Der Fernsehturm liegt den Dresdnern sehr am Herzen. Deshalb freue ich mich, dass es gelungen ist, Geld vom Bund zu akquirieren. Für seinen Einsatz dafür möchte ich Thomas Jurk danken. Die Chance für eine Wiedereröffnung der einst so beliebten Aussichtsplattform und des Restaurants für die Dresdner und ihre Gäste war noch nie so gut wie jetzt. Wir sollten sie beherzt ergreifen. Daher wird auch der Freistaat das Projekt unterstützen“, kündigte Kretschmer an. Der Freistaat müsste wie auch die Landeshauptstadt Dresden mehr als sechs Millionen Euro zur Sanierung beisteuern.

„Mit dieser Finanzierungsoption gibt es die berechtigte Hoffnung, sich auf eine Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturmes zu freuen“, erklärte Hilbert. Es liege noch ein gutes Stück Arbeit vor der Stadt, so der OB. „Aber wir sind dem Ziel deutlich näher.“ Eine Machbarkeitsstudie und ein Betreiberkonzept würden auf dem Tisch liegen. Mit dem Rückenwind aus Berlin könnte die Verwaltung zielorientiert weiterarbeiten. „Es gibt eine Perspektive für den Dresdner Fernsehturm und das freut mich als Dresdner ganz besonders.“

Jacobfeuerborn bezeichnete den Fernsehturm als bedeutendes Wahrzeichen für Dresden. „Wir freuen uns, gemeinsam mit der Stadt, dem Freistaat und dem Bund an der Wiedereröffnung für die Öffentlichkeit zu arbeiten.“ Damit die Deutsche Funkturm die Fördermittel des Bundes beantragen kann, muss ein mit allen Seiten abgestimmter Kostenplan vorlegen. Auf der Sitzung der Lenkungsgruppe „Fernsehturm“ sollen am 19. November im Rathaus die aktuellen Konzepte auf der Basis der Finanzierungsoption erörtert und geprüft werden.

„Endlich: Die Sendepause für Besucher auf dem Dresdner Fernsehturm wird bald vorbei sein“, erklärte Jurk. 18 Jahre nach der Schließung komme die Landeshauptstadt dem Ziel näher, den beliebten Fernsehturm als Ausflugsziel für Einheimische und Touristen wieder zugänglich zu machen.

„Hier bietet sich eine historische Chance, unseren Fernsehturm zu sanieren und wieder zu öffnen. Es öffnet sich eine Tür, durch die die Stadt jetzt gehen muss, bevor sie sich wieder schließt“, erklärte Holger Zastrow, Vorsitzender der Fraktion FDP/Freie Bürger. Die Landeshauptstadt solle ihren Teil zur Sanierung beitragen und die Eigenmittel für die Sanierung in den Haushalt einstellen.

„Es wäre wunderbar, wenn der Fernsehturm aus seinem Dornröschenschlaf erweckt werden könnte. 75 Prozent der Dresdnerinnen und Dresdner sprechen sich dafür aus, den Fernsehturm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daraus ergibt sich ein Auftrag für den Stadtrat und den Oberbürgermeister“, erklärte Linke-Fraktionsvorsitzender André Schollbach. SPD-Fraktionsvorsitzende Dana Frohwieser erinnerte daran, dass ein schlüssiges Betreiberkonzept vorliegen müsse. „Wir können uns einen Fernsehturm mit dauerhaften Zuschüssen der Stadt nicht vorstellen.“

Für die Grünen erklärte Stadtrat Wolfgang Deppe, Mitglied in der Lenkungsgruppe, dass der Fernsehturm im aktuellen Haushalt keine Priorität habe. „Für uns sind zunächst Fragen der Förderung des Radverkehrs, die Radverkehrssicherheit und sozialer Wohnungsbau wichtiger.“ Die Frage der deutlichen Zunahme des Autoverkehrs bei einer Wiedereröffnung des Turmes sei ungeklärt. „Der Fernsehturm darf kein dauerhaftes Zuschussgeschäft werden“, so Deppe.

„Ich bin überrascht und zugleich irritiert. Wir kennen weder das Betreiberkonzept noch die Überlegungen, wie die Stadtverwaltung den in Rede stehenden städtischen Anteil in Millionenhöhe finanzieren will“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Jan Donhauser. Er forderte die Verwaltung auf, die Karten unverzüglich auf den Tisch zu legen. Erst dann seien eine fundierte Bewertung und eine seriöse Positionierung möglich.

Eberhard Mittag, Vorsitzender des Fernsehturm e.V., begrüßte das „positive Signal“ aus Berlin. „Endlich werden Nägel mit Köpfen gemacht. Ich sehe den Fernsehturm als einendes Element für die Dresdner Bürgerschaft.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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