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Lokales Beharrlichkeit versetzt Berge
Dresden Lokales Beharrlichkeit versetzt Berge
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15:19 02.12.2018
Träger des Erich-Kästner-Preises 2018: Markus Rindt, Intendant und Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker. Quelle: Foto: Dietrich Flechtner
Dresden

Er habe sich mit seinem Freund und Kollegen lange erfolglos um einen Termin bei der Kulturstiftung der Dresdner Bank bemüht, bekannte am Sonntag Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker. „Dann haben wir Bernhard Freiherr von Loeffelholz im Hotel abgepasst.“ Und abends um 21 Uhr tatsächlich ans Telefon bekommen. „Das macht man eigentlich nicht“, schmunzelte Rindt, „aber es ging ja um eine Förderung für unsere Projekte.“

Beharrlichkeit zahlt sich aus, wenn auch über Umwege: Der dreist Angerufene teilte mit, dass er am nächsten Tag im Zug nach Frankfurt/Main sitze und keine Zeit für die Dresdner Musiker habe. „Doch Sven Helbig ließ nicht locker und erklärte, er fahre mit dem gleichen Zug nach Frankfurt. Er schlug einen Treff im Speisewagen vor.“ Die Kulturstiftung reichte schließlich Fördermittel aus. „Wir konnten unser erstes Konzert überhaupt finanzieren“, erinnerte sich Rindt.

Am Sonntag wurde der Beharrliche und Unermüdliche für sein Engagement vom Presseclub Dresden mit dem Erich-Kästner-Preis geehrt. Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld versetzt Rindt in die Lage, selbst in die Rolle des Mäzens zu schlüpfen: Er spendet die Summe in voller Höhe dem Projekt „Musaik – Grenzenloses Musizieren“, das im September 2017 von den Musikpädagoginnen Luise Börner und Deborah Oehler gegründet wurde. 65 Kinder ab sechs Jahre treffen sich dreimal wöchentlich zum Musizieren. Das Angebot ist kostenlos und richtet sich an Kinder, die aus schwierigen ökonomischen oder familiären Verhältnissen kommen.

Rindt holte Börner im Schloss Albrechtsberg nach vorne und verkündete das neueste Projekt der Dresdner Sinfoniker: Am 14. März werden die Profimusiker gemeinsam mit den Musaik-Kindern im Festspielhaus Hellerau musizieren: Profi und Kind teilen sich jeweils ein Pult zum Auftakt des Tonlagen-Festivals.

„Kunst besitzt die Gabe, die Herzen der Menschen zu berühren“, erklärte Rindt. Kunst könne Türen öffnen, die anderen verschlossen blieben. „Dessen sollten wir uns bewusst sein, auch um Missstände in dieser Welt anzuprangern.“ Er träume von einer Welt, in der jeder Mensch die Möglichkeit besitze, sich frei an jedem Ort aufzuhalten. „Neue Mauern verschärfen die Probleme“, erklärte der Musiker, der sich leidenschaftlich gegen Intoleranz, Rassismus und Nationalismus stellt und sich mit seiner Haltung den Zorn der Mächtigen einhandelt.

Nun steht er in einer Reihe mit Menschen, zu denen er früher ehrfürchtig aufgeblickt hat: Der FDP-Politiker Hans-Dietrich Genscher verkündete dem Botschaftsflüchtling Rindt 1989 in Prag, dass er in die Freiheit ausreisen darf, wo er die brillanten wie mutigen Reden von Richard von Weizsäcker hörte – beide Träger des seit 1994 vergebenen Erich-Kästner-Preises.

Die Laudatio auf Rindt hielt mit Dietmar Bartsch der Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Die Linke. Kunst könne einen gewaltfreien Widerstand gegen die Verfestigung des Denkens leisten, erklärte Bartsch und ermutigte Rindt dazu, seine Ideen konsequent gegen alle Widerstände zu verfolgen.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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