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Bean & Beluga-Chef Hermann verhandelt mit zwei Interessenten

Gläubiger haben Vertrauen in Dresdner Sternekoch Bean & Beluga-Chef Hermann verhandelt mit zwei Interessenten

Bei der insolventen Bean & Beluga GmbH des Dresdner Sternekochs Stefan Hermann laufen die Geschäfte weiter. Darauf hat sich am Mittwoch die Versammlung der Gläubiger geeinigt. Gut für Hermann, der gerade mit zwei potenziellen Geldgebern verhandelt.

Stefan Hermann

Quelle: Anja Schneider

Dresden . „Business as usual“ - alles läuft weiter wie bisher bei der seit April insolventen „Bean & Beluga“ GmbH von Sternekoch Stefan Hermann. Das ist erklärter Wille der Gläubiger, die sich am Mittwochvormittag im Amtsgericht Dresden getroffen hatten, um über den Fortgang der Dinge abzustimmen. Ergebnis: Die Eigenverwaltung bleibt bestehen, der Sachwalter bleibt im Amt, die endgültige Entscheidung, ob am Ende die Firmengüter doch verkauft oder übertragen werden müssen, wird auf 2018 verschoben.

Alle Lieferanten weiter an Bord

„Alle Lieferanten und Mitarbeiter sind an Bord geblieben, die Gläubiger sind sich einig, dass das Geschäft mit dem Zugpferd Stefan Hermann erfolgreich sein kann“,  so Sachwalter Ralf Hage. Die Forderungen an Hermanns Unternehmen belaufen sich geschätzt auf rund 1,3 Millionen Euro. Unter den 128 Gläubigern, die Geld haben wollen, stehen einige mehrfach in den Büchern. Man sei dabei, die Ansprüche zu prüfen, erklärt Hage.

Hermanns Unternehmen war ausgerechnet im zehnten Jahr seines Bestehens zahlungsunfähig geworden, als für sein saisonabhängiges Geschäft eine Zwischenfinanzierung ausblieb und er seinen rund 100 Mitarbeitern (rund 60 fest angestellt) keine Löhne mehr zahlen konnte. Grund: sein Hauptfinanzier war ausgestiegen.

Geschäft bringt wieder Geld

Seit April läuft das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung mit dem erfahrenen Restrukturierungsexperten Bruno M. Kübler an der Seite. „Die Zahlen fürs Gesamtjahr 2016 waren schwarz, und die Idee, unter anderem die Aktivitäten am Konzertplatz Weißer Hirsch auszuweiten, tragen in der umsatzschwachen Zeit Früchte“ - kommentiert der Anwalt die Anstrengungen des Sternekochs. Hermann kann aus dem laufenden Geschäft seine Mitarbeiter seit Anfang Juni wieder selber bezahlen. Vorher gab es Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur.

Zwei Szenarien denkbar

Gegenwärtig verhandelt Hermann mit zwei Interessenten aus Deutschland, ein dritter war kürzlich abgesprungen. „Ohne Geldgeber lässt sich so ein Geschäft nicht stemmen“, erklärt Kübler und entwirft die möglichen zwei Szenarien für die nahe und die ferne Zukunft. Zum einen strebt der Verwalter ebenso wie die Gläubiger ein Insolvenzplanverfahren an. Bei dem bliebe Hermanns aktuelle GmbH bestehen, alles liefe weiter wie bisher, ein neuer Geldgeber stünde für Saisonlücken und Investitionen bereit. In welchem Umfang Stefan Hermann dann noch am Unternehmen beteiligt ist oder ob er gar angestellt wird, ist noch völlig offen. Letzteres gilt auch für die Alternative: Alles muss zu Geld gemacht werden. Doch dabei geht es noch lange nicht um die Aufgabe des Geschäfts, sondern um eine Übertragung aller Firmenwerte auf ein neues Unternehmen. Für diesen aufwändigen Schritt könnten Steuergründe sprechen, aber auch der potenzielle Geldgeber und die Gläubiger entscheiden mit Blick auf den Ertrag darüber, wie am Ende verfahren wird.

„Ich will das wieder auf die Reihe bekommen“

Stefan Hermann präsentierte sich am Mittwoch deutlich unaufgeregter als im Frühjahr: „Ich gehe etwas routinierter mit der Sache um. Anfangs war ich tagelang frustriert, wenn mal jemand eine härtere Tonart angeschlagen hat. Bei allem ist mir wichtig, dass ich ohne Scham in den Spiegel schauen kann. Ich will für alles geradestehen und versuchen, das wieder auf die Reihe zu bekommen“, sagte er gestern.

Mehr Aktionen am Weißen Hirsch

„Bean & Beluga“ ist in Dresden breit aufgestellt. Neben dem Gourmetrestaurant betreibt die GmbH das „William“ im Schauspielhaus, ist zuständig für das Catering der Semperoper einschließlich des Opernballs (die Verträge stehen), es gibt einen Feinkostladen, eine Kochschule und eine Weinbar. Die Aktivitäten am Konzertplatz Weißer Hirsch, wo Hermann mit Ausschank und Catering aktiv ist, hat der Unternehmer schon 2017 erfolgreich ausgeweitet, um die übliche Saisondelle in der Ferienzeit auszugleichen. Namen wie Max Giesinger erwiesen sich als Zugpferde. „Für 2018 laufen die Verhandlungen mit Konzertveranstaltern bereits“, erklärt Hermann. Als weitere Geldeinnahmequelle  weitet der Sternekoch sein Angebot für Hochzeiten und andere Familienfeiern aus – das habe „sich schon in diesem Jahr bezahlt gemacht“.

Barbara Stock

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