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„Baukultur lässt sich nicht erzwingen“

Baupolitiker Thomas Löser (Bündnis 90/Die Grünen) zur Dresdner Architekturdebatte „Baukultur lässt sich nicht erzwingen“

„Zugekistet“ und „zugegraut“ werde Dresden, schreiben Architekturkritiker in einem offenen Brief. Noch nie habe die Baukultur so sehr gelitten wie jetzt. Baupolitiker Thomas Löser (Bündnis 90/Die Grünen) kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Symbiose aus Neu und Alt: der Neumarkt.
 

Quelle: Ralf Hirschberger

Dresden.  Die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) und die Initiative StadtbilDD malen schwarz: Noch nie war die Baukultur so schlimm wie jetzt, schreiben die Vorstände in einem offenen Brief. Auslöser für die Vorwürfe: die Pläne für ein Hotel an der Marienbrücke. Thomas Löser ist Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat und gleichzeitig engagierter Baupolitiker. Die DNN fragten Löser, wie er das Baugeschehen in Dresden und die Vorwürfe bewertet.

Frage: Ist die Baukultur in Dresden wirklich auf den Hund gekommen? Ist es so schlimm wie noch nie in der Stadtgeschichte?

Thomas Löser: Ich finde es sehr gut, wenn sich Bürger in die Debatte um die Baukultur einbringen. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) hat sich große Verdienste zur Baukultur und zum Anspruch an Bauen erworben. Die GHND ist Teil dieser Stadt, aber sie ist nicht die gesamte Stadtgesellschaft. Die Schärfe des Vorwurfs hat mich überrascht. Über die Frage des Hotels an der Marienbrücke kann man reden. Das ist aber ein Einzelthema. Daraus abzuleiten, dass die Baukultur so schlecht ist wie noch nie, halte ich für nicht angemessen.

Was hat sich denn mit der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit geändert?

Wir haben den Gestaltungsbeirat eingeführt. Das Gremium ist mit Experten besetzt, auch unter Beteiligung der GHND. Die Stadtrats-Kooperation hat eine Menge an Wettbewerben durchgesetzt. Palais Riesch, Quartier VII/1 am Neumarkt, der Palaisplatz oder die Bebauung am Postplatz sind nur einige Beispiele. CDU und FDP haben diese Wettbewerbe früher abgelehnt, weil sie Investoren vertreiben würden. Die Folgen davon sehen wir jetzt auf der Wilsdruffer Straße mit der aus meiner Sicht architektonisch völlig misslungenen Erweiterung der Altmarkt-Galerie.

Die Initiativen kritisieren die mangelnde Einbeziehung der Öffentlichkeit. Können Sie das nachvollziehen?

Es gibt die Dresdner Debatte zum Thema Bauen und die gesetzlichen Möglichkeiten der Beteiligung. Wichtig ist, dass die Verwaltung jetzt weitere Instrumente der Beteiligung entwickelt.

Warum tagt der Beirat nichtöffentlich?

Wir haben gefordert, dass der Gestaltungsbeirat das nächste Mal teilweise öffentlich tagt, auch um zu erklären, was er für Kompetenzen hat und welche Projekte verbessert wurden. Der Vorhabenträger muss seine Pläne allerdings auch bewerten lassen.

Wie kann die Öffentlichkeit in die Debatten um Stadtentwicklung einbezogen werden?

Ich verspreche mir sehr viel vom Sächsischen Zentrum für Baukultur, das im Juni im Kulturpalast eröffnet wird. Hier sind alle Akteure aufgerufen, die Diskussion über Baukultur zu führen.

Aber am Ende wird dann doch „zugekistet“ und „zugegraut“, wie die Initiativen schreiben. Ist der Gestaltungsbeirat ein zahnloser Tiger?

Der Beirat legt keine Entwürfe vor. Er schaut auf die Projekte und gibt Hinweise. Es gibt Vorhaben, die nicht verbessert werden können, weil der Investor nicht mitzieht. Baukultur lässt sich nicht erzwingen. Aber wir können ein Klima schaffen, in dem Investoren hohe Ansprüche umsetzen wollen. Am Neumarkt ist das gelungen.

Warum entstehen trotz aller Anstrengungen auch „graue Kisten“?

Es ist so viel Geld wie noch nie da, der Entwicklungsdruck ist enorm. Das Problem sind nicht die großen Projekte, auf die ist der Fokus gerichtet. Kritisch sind die mittleren Vorhaben in schönen städtebaulichen Situationen, wo es darum geht, so viel Gewinn wie möglich abzusaugen. Wir haben bei allen Projekten den Anspruch an Baukultur und nicht nur am Neumarkt. Ich leide auch unter grauen Kisten, die gibt es ja. Ich sehe auch den Widerspruch zwischen der Forderung nach günstigen Mieten und gleichzeitig nach hochwertigem Bauen. Wir sprechen von einem langfristigen Prozess. Das Klima ändert sich nicht innerhalb weniger Tage oder Monate.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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