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Lokales Baubürgermeister ist für Sachsenbad-Verkauf
Dresden Lokales Baubürgermeister ist für Sachsenbad-Verkauf
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14:44 10.04.2018
Vier Millionen Euro hätte die Sanierung des Sachsenbads 1994 gekostet, sagt Steffen Kirchner vom Denkmalsamt. Heute betragen die Kosten laut einer Studie das Sechsfache. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

 „Das Sachsenbad ist die Seele von Pieschen und Trachau“, sagt Gudrun Arlt. 1948 ist sie das erste Mal dort ins Wasser getaucht – und musste gerettet werden, „weil ich noch gar nicht schwimmen konnte“, wie sie sich erinnert. Nur eine der sentimentalen Erinnerungen, die am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des baufälligen Stadtteilbads im Pieschener Rathaus ausgetauscht wurden. Gegenstand war eigentlich das Nutzungskonzept, das Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) erarbeiten ließ, nachdem mehr als 4000 Interessierte eine Petition zur Rettung des seit 1994 dem Verfall preisgegebenen Bades unterzeichnet hatten. Am Dienstag soll das Konzept an gleicher Stelle vom Ortsbeirat Pieschen diskutiert, später vom Stadtrat beschlossen werden. Das dürfte, gemessen an der Podiumsdiskussion, einigermaßen kontrovers verlaufen.

Wir wollen alle ein Gesundheitsbad

Denn zwar ist man sich über das Ziel weitgehend einig: „Wir wollen alle ein Gesundheitsbad im Sachsenbad Pieschen“, wie Grünen-Ortsbeirat Christian Helms sagt. Diese Idee hatte der Verein „Endlich Wasser ins Sachsenbad“ ins Spiel gebracht. Ihr wird auch im Nutzungskonzept die größte Chance auf Verwirklichung eingeräumt (DNN berichteten). Der Weg dorthin ist jedoch einigermaßen umstritten. Das liegt vor allem an der Frage der Finanzierung der Baukosten, die nach grobem Überschlag jenseits der 20 Millionen Euro liegen dürften.

1994 musste das Sachsenbad schließen. Dabei ist es neben der Springerhalle das einzige Bad mit einer Wassertiefe von 3,50 Meter und tiefer. Das ist vor allem für Lebensretter-Schulungen und Tauchkurse interessant. Quelle: DNN-Archiv im Stadtarchiv Dresden

Angesichts solcher Summen habe die Bäder-GmbH schon abgewunken, sagt Schmidt-Lamontain. Der Neubau eines Bades, noch dazu mit deutlich größerer Wasserfläche, sei für einen Bruchteil dieser Kosten zu bekommen. Auch gebe es „mittel- und langfristig“ keine Aussichten auf Fördermittel in nennenswerter Höhe. Eine Finanzierung allein aus dem städtischen Haushalt sei nicht vorstellbar, fügt der Baubürgermeister an.

Investorensuche bei der Expo Real

Deshalb schlägt er den Verkauf vor. Und das – nachdem die Stadt 24 Jahre lang keinen Investor gefunden hat – in aufwendiger Form. Ein ausgefeiltes Konzept nämlich soll im Oktober bei der Immobilienmesse „Expo Real“ potenziellen Interessenten vorgestellt werden. Als Vorzugsvariante werde dabei ein Gesundheitsbad vorgeschlagen. Fände man dafür keine Investoren, könnte man sich auch andere Vorschläge ansehen, so der Plan.

Daran gibt es heftige Kritik. Nicht nur vom Sachsenbad-Verein, auch von Kulturbürgermeister Annekatrin Klepsch (Linke), die bei der von den Stadtratsgrünen organisierten Diskussion neben Schmidt-Lamontain Platz genommen hat. „Langfristig ist es für die Stadt richtiger, das Gebäude nicht aus der Hand zu geben“, sagt sie. Als architektonischer Solitär im bauhausartig sachlichen Stil sei es unbedingt zu erhalten. Außerdem müsse es als offenes Bad betrieben werden – dafür sei es im einst armen Stadtteil Pieschen gebaut worden.

Vorschläge aus dem Publikum

Für eine Finanzierung aus der Stadtkasse sind im Stadtrat keine Mehrheiten zu bekommen, da sind sich die Grünen-Stadträte Kati Bischoffberger und Torsten Schulze sicher. Aber was ist mit einer Genossenschaft, was mit einer Stiftung, was mit der Übernahme durch eine Stadttochter, etwa der Stesad? Alles Vorschläge aus dem Publikum.

Wenig Raum für Vermietungen

Ingo Müller, Verwalter des nahen Ärztezentrums Mickten, hat da ganz andere Gedanken. Zwar würde das Ärztezentrum von einer nahen Wasserfläche profitieren, könnte gar als Mieter auftreten. Aber: „Neben der Wasserfläche gibt es nur 1000 Quadratmeter für Vermietungen. Ich glaube nicht, dass das genügt, um die Investition zu refinanzieren“, sagt er zum Vorschlag Schmidt-Lamontains. Der will es auf einen Versuch ankommen lassen. „Sonst verfällt das Gebäude weiter.“

Von Uwe Hofmann

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