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Lokales Bau des Kraftwerks Mitte in Dresden ist geschafft
Dresden Lokales Bau des Kraftwerks Mitte in Dresden ist geschafft
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08:51 15.10.2016
Hartmut Beyer, Axel Walther, André Reuter und Florian Brandenburg. Im Hintergrund das Kraftwerk Mitte.  Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 
 

„Der Bau ist jetzt fertig“, sagt Axel Walther und es klingt, als könnte er es selbst noch nicht ganz glauben. Am gestrigen Freitag hat der Geschäftsführer der KID – Kommunale Immobilien Dresden GmbH von der Bauaufsicht der Stadt die Betriebserlaubnis für das Kraftwerk Mitte erhalten. Seit mehr als zwei Jahren hielt das Projekt Walther in Atem. Und von Anfang an stand alles unter enormem Zeitdruck.

Als der Stadtrat am 11. Juli 2013 beschloss, das städtische Tochterunternehmen KID soll den Auftrag für den Umbau des alten Kraftwerks Mitte zur Spielstätte für das Theater Junge Generation (tjg) und die Staatsoperette Dresden an die Züblin AG vergeben, da existiert der Stadtableger noch gar nicht richtig – die Landesdirektion muss der Gründung erst noch zustimmen. Im September kann die KID die Verträge mit dem Baukonzern unterzeichnen und damit gleichzeitig ein seinerzeit deutschlandweit noch seltenes Verfahren umsetzen. Im „wettbewerblichen Dialog“ betreiben die Partner ein Projekt, für das der Finanzrahmen von 91 Millionen Euro (plus neun Millionen für Ausstattung) genauso eng ist wie das Zeitkorsett. Beides ist schier unumstößlich, die Stadt hat nicht mehr Geld und muss bis Dezember 2016 unbedingt fertig sein, um Zusagen an die Mitarbeiter der Staatsoperette für eine neue Spielstätte einzuhalten.

Für das Dialogverfahren muss sich ein Bauunternehmer mit einem Architekturbüro zusammentun. „Dann haben sie bei Entwürfen nicht nur eine Kostenschätzung eines Architekten, sondern einen verbindichen Preis eines Bauunternehmers“, beschreibt Walther einen der Vorteile. Planung und Bau sind beim Kulturkraftwerk in einer Hand. Details oder Änderungswünsche der künftigen Nutzer können auf kurzem Weg geklärt werden.

„Kommunikation und Transparenz waren das Entscheidende“, hebt Hartmut Beyer hervor, der heute noch für Züblin als Berater tätig ist. Dabei gab es jede Menge Vorbehalte: Stadtverwaltung, Fördermittelgeber, Architektenkammer, Bauindustrieverband – Walther kann da eine lange Liste aufmachen. Inzwischen macht das Verfahren Schule, Ende des Monats kommen Vertreter aus München nach Dresden. Auch in der bayrischen Landeshauptstadt ist ein Theaterneubau geplant. „Ich würde es immer wieder so machen“, sagt Walther und empfiehlt es auch jeder anderen Kommune bei ähnlich komplexen Projekten.

Trotzdem beschlichen Walther gelegentlich Zweifel, ob der Zeitplan zu halten ist. Mehrere Monate Bauverzug saßen den Partnern ständig im Nacken, weil bei den Erdarbeiten zu Beginn unerwartet gigantische Fundamente des früheren Kesselhauses zutage traten.

Züblin-Projektleiter André Reuter spricht zwar von „enormem Zeitdruck“, gezweifelt habe er aber nie. 153 Lieferanten und Baufirmen hatte Züblin für das Projekt gebunden. Zwei Drittel aus Sachsen und 40 Prozent aus Dresden, erläutert Beyer. In Spitzenzeiten waren bis zu 250 Handwerker auf der Baustelle aktiv. „Unser Ablaufplan hatte 5000 Positionen, wir wussten immer genau, wo wir stehen“, verrät Reuter die Basis seiner Zuversicht. Beim Geld war es ähnlich. Wenn irgendetwas teurer wurde, musste an anderer Stelle gespart werden. Letztlich würden die für die Leistungen von Züblin und andere Arbeiten insgesamt geplanten 100 Millionen Euro vielleicht um rund drei Millionen überschritten, prognostiziert Walther. „Da kann man schon von einem eingehaltenen Budget reden“, meint er. Mit KID-Prokurist Florian Brandenburg sowie den Züblin-Vertretern Reuter und Beyer bildete er die sogenannte „Vierergruppe“, die ständig im Kontakt stand und alle Probleme auf kurzem Weg in die Hand nahm. Züblin und KID hatten auch eine Clearingstelle vereinbart, um Streitigkeiten vor Gericht zu vermeiden – gebraucht wurde sie bislang nicht.

Inzwischen können die Theater ihre neuen Spielstätten in Besitz nehmen. Im Außenbereich gibt es noch einiges zu tun. Die Betriebserlaubnis gestattet tjg und Operette die Nutzung aller Bühnen. Die Zulassung für Publikum fehlt noch. Fluchtwege dürfen natürlich nicht draußen auf einer Baustelle enden, erläutert Walther. Doch bis 5. November soll auch das bewältigt werden, damit die Bauaufsicht den Publikumsverkehr genehmigt. Am 16. Dezember steigt die große Festveranstaltung zur Eröffnung von tjg und Staatsoperette. „Dann werden wir auch feiern“, meint Walther. „Jetzt kann ich noch gar nicht richtig locker lassen, das dauert noch ein bisschen.“

Von Ingolf Pleil

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