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Lokales Bahnverbindung von Dresden nach Breslau steht vor dem Aus
Dresden Lokales Bahnverbindung von Dresden nach Breslau steht vor dem Aus
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15:20 05.10.2018
Noch fahren die Züge dreimal täglich direkt von Dresden nach Wrocław. Doch die Strecke steht vor dem Aus. Im Dezember, spätestens aber Ende des nächsten Jahres, könnte für lange Zeit vorerst der letzte durchgehende Zug von der Elbe bis an die Oder rollen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Fast vier Stunden quält sich der Zug zwischen Dresden und Wrocław über die Gleise. Besonders schnell ist das nicht. Doch immerhin gibt es eine direkte Zugverbindung zwischen beiden Partnerstädten. Da­mit könnte nun aber in wenigen Wo­­chen Schluss sein: Dresden wird sehr wahrscheinlich einen weiteren der wenigen verbliebenen internationalen Bahnanschlüsse verlieren.

Seit 2009 pendelt zwischen Dresden und Wrocław dreimal täglich ein als Ex­press deklarierter Nahverkehrszug – ab­gesehen von einer dreivierteljährigen Un­terbrechung im Jahr 2015. Im De­zember läuft jedoch der mit der polnischen Seite geschlossene Vertrag über die Di­rekt­ver­bindung aus. Und bisher, so bestätigt der auf deutscher Seite für die Strecke mit zuständige und in Bautzen ansässige Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon), ge­be es von polnischer Seite keine klaren Signale, das Angebot fortzuführen. „Die Zukunft ist völlig offen“, sagt Zvon-Sprecherin San­dra Trebesius.

Hinter dem drohenden Aus steckt eine durchaus komplexe Gemengelage. Hinter den Kulissen wird einerseits seit Jahren um die Finanzierung des An­gebots ge­­­stritten. Und: Der grenzüberschreitende Schienenstrang ist auch politisch ein heißes Eisen. Selbst wenn sich beide Seiten auf eine Fortführung über Dezember hin­aus einigen würden: Nur ein Jahr später käme definitiv das Aus – weil Deutschland ei­ne schon 2003 in ei­nem Staatsvertrag mit Polen zugesicherte Voraussetzung noch immer nicht erfüllt hat.

Bereits 2015, als die Verbindung schon einmal über mehrere Monate unterbrochen war, war die Finanzierung des An­gebots ein Knackpunkt. Laut einem Be­richt des Internetportals „Gazeta Wroc­ławska“ hänge es auch diesmal am Geld. Demnach sei die polnische Seite nicht be­reit, finanzielle Forderungen der Län­derbahn, die mit dem Verkehr auf der Strecke beauftragt ist, mitzutragen. Sandra Trebesius vom Zvon will das nicht nä­her kommentieren. Sie verweist nur da­rauf, dass es aktuell keine Rückmeldung der polnischen Seite zum künftigen Be­trieb der Verbindung gebe.

Mit dem Zug direkt bis Wrocław – so geht’s

Dreimal täglich pendelt ein aus bis zu drei Dieseltriebwagen zusammengestellter Zug zwischen Dresden-Hauptbahnhof in Wrocław.

Die Züge starten am Dresdner Hauptbahnhof um 6.08, 12.08 und 18.08 Uhr (an einigen Tagen wenige Minuten früher) – umgekehrt ab Wrocław Główny um 6.06, 12.19 und 18.19 Uhr.

Der Zu- und Ausstieg ist unter anderem in Dresden-Mitte, am Neustädter Bahnhof, in Klotzsche, Radeberg und Arnsdorf möglich.

Die Fahrt bis Wrocław dauert in der Regel knapp vier Stunden. In Polen hält der Zug unterwegs an zahlreichen, auch kleineren Stationen.

In den Zügen gibt es eine Toilette. Speisen und Getränke können nicht erworben werden.

Bis Görlitz ist deutsches Zugpersonal an Bord, am Bahnhof der Neißestadt übernehmen die polnischen Kollegen.

Als Ticket bietet sich das Dresden-Wrocław-Spezial der Länderbahn Trilex an. Für die Hin- und Rückfahrt zahlt eine Person 33 Euro, für zwei Reisende werden 69 Euro fällig. Das Spezial-Ticket gibt es zudem für drei (89 Euro), vier (94 Euro) und fünf Personen (99 Euro). Die Rückfahrt muss nicht am selben Tag erfolgen. Der Fahrschein retour ist ab Kauf zwei Wochen gültig. Gekauft werden können die Tickets im Internet – oder direkt am Platz in der Bahn bei den Zugbegleitern.

Weitere Informationen zu Tickets, Fahrzeiten und weitere Bahnverbindungen von Görlitz in Richtung Polen gibt es im Internet: www.laenderbahn.com/trilex

Das weitaus größere Problem ist allerdings ohnehin die politische Dimension. Im Staatsvertrag war einst die Elektrifizierung der kompletten Bahnstrecke zwischen Dresden und Wrocław vereinbart worden. Polen ist dem längst nachgekommen. Die wenigen noch fehlenden Kilometer zwischen Zgorzelec und Wegliniec sollen laut sächsischem Wirtschaftsministerium bis 2019 folgen. Zwischen Dresden und Görlitz ist indes so gut wie noch nichts geschehen. Bis heute ist nicht einmal klar, ob und wann die Elektrifizierung der 100 Kilometer langen Strecke erfolgen wird.

Polen ist derweil jedoch nicht länger bereit, teure und obendrein langsame Dieseltriebwagen unter dem ebenfalls für viel Geld aufgestellten Fahrdraht rollen zu lassen. „Die Züge der polnischen Seite werden ab Ende 2019 voraussichtlich el­ektrisch bis Zgorzelec fahren“, sagt Mar­co Henkel, Sprecher im Wirtschaftsministerium. DresdenWrocław, das wä­re ab dann nur noch mit Umsteigen möglich.

Dass die Strecke auf deutscher Seite noch immer nicht elektrifiziert ist, ist übrigens kein Versäumnis des Freistaats. Zu­ständig dafür ist der Bund. Seit Jahren drängen sächsische Politiker darauf, das Vorhaben endlich umzusetzen. Im Bundesverkehrswegeplan rangiert das Projekt jedoch in der Kategorie „Potenzieller Bedarf“. Klingt gut, be­deutet aber, um im Bild zu bleiben, erst einmal nichts an­deres als Abstellgleis. Sachsen pocht in­des auf die Aufnahme in den „Vordringlichen Be­darf“ – zwingende Voraussetzung, dass der Bund das Vorhaben auch tatsächlich irgendwann einmal an­packt.

In diesen Tagen soll in Berlin genau darüber entschieden werden. Hoffnung ma­­cht zudem das im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgezurrte Programm zur Elektrifizierung regionaler Schienenstrecken, für das derzeit ein Konzept erar­beitet wird. Für den Fall, dass die Strecke von Dresden nach Görlitz bei der jetzigen Prüfung durchfällt, wolle der Freistaat „ein weiteres Mal eindringlich auf die innersächsische als auch grenzüberschreitende Bedeutung hinweisen und die Aufnahme des Projekts in das angekündigte Elektrifizierungsprogramm fordern“, so Marco Henkel.

Der Freistaat verlässt sich allerdings nicht nur auf Berlin. Um das Projekt vor­anzutreiben, hat das Land aus ei­gener Tasche Geld für die Vorplanung bereitgestellt. Bis Mitte 2019 sollen die Ergebnisse vorliegen. Auf Nachfrage der DNN gab das Ministerium erstmals Eckdaten her­aus: Demnach würde die El­ektrifizierung nach groben Schätzungen 420 Millionen Euro kos­ten. Die Fahrtzeit zwischen Dresden und Görlitz ließe sich mit Elektrozügen deutlich verkürzen: Aktuell benötigt der Dieseltriebwagen 80 Minuten – der Elektrozug im besten Fall nur 50 Minuten. Zudem wird mit untersucht, die hinter Ra­deberg nach Kamenz abzweigende Ne­ben­strecke gleich mit zu elektrifizieren.

Und an noch einer anderen Stelle zeigt der Freistaat Eigeninitiative. So haben Land und Bahn vereinbart, in den laufenden Vorplanungen auch eine „vertiefte Planung“ einer Elektrifizierung für den Ab­­­schnitt vom Bahnhof Görlitz über die Neiße hinüber nach Zgorzelec durchzuführen. „Sachsen ist bereit, sich bei der Realisierung dieses Abschnitts finanziell zu engagieren“, so Marco Henkel – damit die elektrischen Züge aus Po­len wenigstens bis Görlitz durchfahren können.

Mit dem Verlust des Wrocław-Zuges blieben Dresden le­diglich zwei direkte, täglich angebotene Bahnverbindungen ins Auslang er­halten. Dazu zählt der Eu­rocity nach Prag und der Zug über Bi­schofswerda und Zittau nach Liberec.

Von Sebastian Kositz

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