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Lokales Autoren der Lehrer-Petition bewerten Bildungspaket der Staatsregierung
Dresden Lokales Autoren der Lehrer-Petition bewerten Bildungspaket der Staatsregierung
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07:43 20.04.2018
Die Dresdner Gymnasial-Lehrerinnen Manuela Haenelt und Susann Weber gehören zu den Autoren einer Petition zum Bildungssystem in Sachsen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Dresdner Autoren der Lehrer-Petition für Änderungen im sächsischen Schulsystem sehen betrachten das Bildungspaket der Landesregierung als einen „Schritt in die richtige Richtung“. Sie wollen trotzdem an dem für Ende des Monats geplanten Treffen mit Kultusminister Christian Piwarz (CDU) festhalten.

„Wir hoffen, dass sich aus dieser Bereitschaft der von uns und vielen Mitstreitern im Bildungswesen gewünschte Diskurs entwickeln kann“, erklärte Mitinitiatoren Susann Weber, Lehrerin an einem Dresdner Gymnasium, gegenüber DNN.

Sachsen legt Milliarden-Programm auf

Im Wettbewerb um Lehrer auf dem hart umkämpften deutschen Lehrerarbeitsmarkt will Sachsen in die Offensive gehen. Neulehrer sollen künftig verbeamtet werden, Rückkehrer können ihren Beamtenstatus behalten und Grundschullehrer würden besser bezahlt als in den meisten anderen Bundesländern.

Auch viele Jahre im sächsischen Schuldienst tätige Lehrkräfte sollen finanzielle Vergünstigungen bekommen, außerdem werden Aufstiegsmöglichkeiten für einen Teil der Lehrkräfte geschaffen. Gleichzeitig sind Maßnahmen zur Entlastung der Lehrer vorgesehen. Dazu hatte die Staatsregierung ein Handlungsprogramm in Höhe von über 1,7 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre vorgelegt.

Die Petition fordert eine Neuausrichtung der Bildungspolitik, damit die Anliegen der Schüler, Lehrer und Eltern in Sachsen erste Priorität erhalten. Die Aktion bei openpetition läuft nach einer Verlängerung noch bis 15. März. Bislang wird sie von mehr als 6300 Menschen unterstützt.

Praxis wird Wirkung der Anreize zeigen

Die Verbeamtung als Mittel, junge Kolleginnen und Kollegen zu halten oder für Sachsen zurück zu gewinnen, hatte sich bereits im Vorfeld der Einigung der Staatsregierung am vergangenen Freitag abgezeichnet. „Wichtig ist nun, die Ausgleichszahlungen für die angestellten Lehrer so ausfallen zu lassen, dass diese sich ebenso gerecht behandelt fühlen“, erklärte Weber. Positiv zu bewerten sei die Gleichstellung der DDR-Abschlüsse und die Bezahlung der Grundschullehrkräfte. Dies gelte auch für das Prämienprogramm und die vorgesehenen Möglichkeiten des „Aufstiegs“.

Die Intention, Engagement der Lehrkräfte wertzuschätzen leuchte ein. „Interessant ist dann die Umsetzung. Wer entscheidet über herausragendes Engagement? Wie wird dieses gemessen und dokumentiert? Die Praxis wird es zeigen, ob derlei monetäre Anreizsysteme – allein – ausreichen“, sagte Weber.

Schockiert über Pläne zur Stundenkürzung

Schockiert habe die Lehrerschaft der Plan, die Stundentafel einzukürzen. Kunst, Musik, Sport und die zweite Fremdsprache seien gerade Fächer, die eine Entlastung des Schulalltags gewährleisten. Entlastung deshalb, weil sie zu den sehr kognitiv ausgerichteten Fächern ein wichtiges Gegengewicht schaffen. Weber: „Diesen Ausgleich einzukürzen wäre in unserer digitalisierten Welt sträflich.“

Der Aufschrei von Eltern und Lehrkräfte, Verbänden und Krankenkassen hat nach Webers Ansicht sofort dazu geführt, dass die Regierung zurück ruderte und den Vorschlag in dieser Weise nun nicht umsetzen will. Alarmierend findet Weber dabei, dass die Idee überhaupt auf den Tisch gekommen sei.

Diskurs mit der Basis bleibt im Fokus

„Das zeigt uns, dass ein Diskurs mit der „Basis“ in jedem Fall sinnvoll bleibt“, erklärte Weber. Die Petitionsautoren würden weiterhin einen regelmäßigen Austausch unter Kolleginnen und Kollegen verschiedener Schularten anstreben, um Ideen, Konzepte und Visionen weiterzutragen. Der Auftakt dafür könnte tatsächlich ein „Bildungsforum“ sein, das die Petenten mit Beteiligung des Kultusministers anstreben.

„Es geht uns immer noch um das, was im Kontext von Bildung primär sein sollte: das Miteinander zu stärken, den Menschen im Blick zu haben, der heranreift und welcher nach besten Möglichkeiten begleitet werden soll.“ Die monetären Anreize seien auf den Weg gebracht – die Hardware vorhanden – nun heiße es zu hoffen, dass die Einstellungszahlen der Lehrkräfte wieder anschwellen.

Es darf nicht bei ersten Schritten bleiben

Weber stellte jedoch klar: „Es darf aber in unseren Augen nicht dabei bleiben, sondern die Bedingungen in den Schulen müssen verbessert werden.“

Visionen konzeptioneller Art – Entschlackung der Lehrpläne, längeres gemeinsames Lernen, Abspecken der Stundentafel zugunsten intensiverer Lern- und Übungszeiten in der Schule und anderes – müssten diskutiert und auf den Weg gebracht werden, damit das sächsische Schulsystem auf der Höhe der Zeit bleibe. „Langfristig halten wir auch an der Reduzierung der Pflichtstunden fest und sind davon überzeugt, dass kleinere Klassen sinnvoll sind.“ Klassenlehrer, Mentoren, Tutoren sollten Abminderungsstunden in angemessenem Umfang erhalten. „Geld allein ist nunmal nicht die Lösung.“

Die Petitionsautoren seien daher für jede der 6300 Stimmen dankbar und würden „diesen Rückenwind Ende März mit ins Ministerium tragen“. Dann ist ein Gespräch mit dem Minister geplant. Dass sich Piwarz „Zeit nimmt, mit Menschen aus der Praxis ins Gespräch zu kommen, ist ein positives Signal“.

Von Ingolf Pleil

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