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Lokales Ausstieg aus der Kohle vor 2050 unrealistisch
Dresden Lokales Ausstieg aus der Kohle vor 2050 unrealistisch
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15:50 17.10.2017
Eine Abschaltung der Braunkohlekraftwerke vor 2050 ist für den Christdemokraten Lars Rohwer unrealistisch. Quelle: dpa
Dresden

„Ich kann mit den Grünen im Dresdner Stadtrat trefflich darüber diskutieren, ob der Wohnraum in Dresden überteuert ist“, sagt Lars Rohwer, energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, „aber mit den selben Grünen komme ich nicht in die Diskussion darüber, dass die Mieter von preiswerten kommunalen Wohnungen ihr eingespartes Geld beim Strompreis wieder verlieren.“ Eine Mietpreisbremse sei eine handelsübliche politische Forderung geworden und werde auch in Kreisen der Grünen als unverzichtbar für Dresden angesehen. „Aber wie wäre es denn mit einer Strompreisbremse?“, fragt Rohwer.

Wer über die Energiepolitik der Zukunft spreche, dürfe weder den Strompreis noch die Speicherkapazitäten für Strom ausblenden. Genau das aber habe der Physiker und Grünen-Landtagsabgeordnete Gerd Lippold bei seinem Konzept getan, so Rohwer. Lippold forderte einen deutschlandweiten Ausbau der Gaskraftwerke und Investitionen in die Speicherung von Strom. Dresden könne dabei mit seiner hohen Dichte an Forschungseinrichtungen zu einem Kompetenzzentrum der Energiewende werden (DNN berichteten).

Beim Thema Speicherung ist Rohwer mit Lippold prinzipiell einer Meinung. Es müsse gelingen, den an heißen Sommertagen von Solaranlagen produzierten Strom, der nicht benötigt werde, zu speichern. Aber, hebt der CDU-Politiker den Zeigefinger: „Wir besitzen zwar umfangreiche Reservekapazitäten, doch reichen diese kaum aus, bei einer kalten Dunkelflaute über einen einzigen Werktag zu kommen.“ Gemeint sind kalte, bedeckte, windstille Wintertage, an denen Photovoltaik und Windkraftanlagen nichts liefern. Diese Wetterlagen könnten bis zu zwei Wochen andauern.„Das sollen wir so lange mit Öl oder Gas kompensieren und uns von Importen und Importeuren abhängig machen?“, fragt Rohwer. „Obwohl wir mit der Braunkohle einen einheimischen Energieträger zur Verfügung haben?“

Wer flächendeckend Gaskraftwerke errichten wolle, müsse dem Endverbraucher auch reinen Wein einschenken und erklären, dass der Strompreis noch einmal zehn Cent pro Kilowattstunde teurer wird. „Aber schon jetzt zahlen die Deutschen zehn Cent mehr als die anderen Einwohner der EU. Wer soll erklären, dass man ihnen noch tiefer in die Tasche greift? Den Strompreis weiter steigen zu lassen, ist überhaupt nicht vertretbar.“ Lippold hatte davon gesprochen, Anreize für Investitionen in Gaskraftwerke zu schaffen. „Anreize sind das Geld des Steuerzahlers und der Stromkunden“, stellt Rohwer nüchtern fest.

Wenn 2022 die Atomkraftwerke vom Netz gehen, müssten erneuerbare Energien, Gaskraftwerke, aber eben auch Kohlekraftwerke den Verlust ausgleichen. „Es ist angesichts wachsender Elektromobilität unrealistisch, den Stromverbrauch zu senken. Genauso unrealistisch ist es, die hochgesteckten Klimaschutzziele einzuhalten“, erklärt Rohwer mit entwaffnender Offenheit. „In diese Diskussion müssen wir endlich eintreten“, fordert der CDU-Politiker. Zum gegenwärtigen Stand der Technik sei es nicht möglich, auf die Verstromung von Kohle zu verzichten.

Ähnlich hatte sich der Dresdner Physiker Sigismund Kobe gegenüber DNN geäußert, und Rohwer sieht vor 2050 keine Möglichkeiten für einen Kohleausstieg. „Natürlich muss der Ausstieg kommen. Aber erst dann, wenn die Wissenschaft so weit ist und wir über kostengünstige Speichermöglichkeiten verfügen.“

Etwas, so Rohwer, könne die Politik schon jetzt tun: Pumpspeicherwerke wie das in Niederwartha müssten wieder zu einem Geschäftsmodell werden, damit sie nicht aussterben. „Es reicht nicht, sie von den Netzentgelten zu befreien. Hier muss der Politik in Berlin etwas einfallen. Sonst gehen die Pumpspeicherwerke Stück für Stück vom Netz.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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