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Lokales Ausländische Wissenschaftler und die Pegida-Hochburg
Dresden Lokales Ausländische Wissenschaftler und die Pegida-Hochburg
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15:07 18.11.2015
Seit über einem Jahr versammelt sich fast jeden Montag Pegida in Dresden. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

„Ich schäme mich dafür, was jeden Montagabend hier passiert“, sagt Hans Müller-Steinhagen, Rektor der Technischen Universität Dresden. Auch Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) konstatierte bereits einen „enormen Imageschaden“ durch fremdenfeindliche Ausschreitungen und durch die wöchentlichen Demonstrationen der Pegida weit über die Grenzen Dresdens hinaus. Doch immerhin rund 1.000 ausländische Wissenschaftler arbeiten in Sachsen und sorgen so für das, was einen Forschungs- und Wissenschaftsstandort ausmacht: Internationalität. Natürlich haben die Akademiker einen anderen Status als die Flüchtlinge, die jetzt zu Tausenden auch nach Sachsen kommen. Und überhaupt sei die Welt der Wissenschaft ein anderes Universum - da sind sich viele Gäste beim ersten parlamentarischen Abend für ausländische Wissenschaftler im Sächsischen Landtag einig. „Und wenn man nur auf seine Forschung konzentriert ist, bekommt man sowieso nicht viel nebenher mit“, sagt Tammam Bakeer, Diplomingenieur für Bauingenieurswesen an der Technischen Universität Dresden.

Seltsame Blicke in Bussen und Bahnen oder auf der Straße kennen aber auch viele der über 100 Wissenschaftler aus Uruguay, Kamerun, Iran, China, Russland und vielen anderen Nationen, die am Dienstagabend in den Landtag nach Dresden gekommen sind. Auch der Deutsch-Syrer Bakeer würde privat lieber in einer anderen Stadt leben. „In Hamburg oder Stuttgart, wo es internationaler zugeht und die Leute an Menschen, die anders aussehen, schon gewöhnt sind.“

Forschung ist international

Der sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth (CDU) will genau dieser Abwanderung entgegensteuern. „Unsere Alarmsignale sind an“, sagt er. Auch deshalb habe er die Wissenschaftler zusammen mit Parlamentspräsident Matthias Rößler in den Landtag eingeladen. Der Abend soll nicht nur Wertschätzung ausdrücken, nicht nur ein Forum für Austausch und Anregungen bieten, sondern auch die fehlende Lobby in Sachsen ersetzen. „Wenn wir heute über Migration reden, so überlagert das sogenannte Flüchtlingsthema alles andere. Das halte ich nicht für richtig, geraten dadurch doch wichtige gesellschaftliche Bereiche aus dem Blick.“ Mackenroth überlegt bereits, entsprechende Abende auch für andere Gruppen zu veranstalten, ausländische Ärzte beispielsweise.

Der für die Wissenschaftler ist eine Premiere, erdacht vor einem halben Jahr zusammen mit TU-Rektor Müller-Steinhagen. Dresden brauche als Wissenschaftsstadt mehr Ausländer, denn Forschung sei vor allem eines: international, sagt dieser. Deshalb sei der Abend gut, ein positives Signal. „Wenn die Politik in den Sächsischen Landtag einlädt, dann ist es ein sehr starkes“, ergänzt Müller-Steinhagen.

Spürbare Veränderungen durch die fremdenfeindlichen Demonstrationen gebe es bisher zumindest bei den Einschreibungen ausländischer Studenten an der TU Dresden noch nicht. In diesem Wintersemester seien mit 1500 ausländischen Studierenden so viele immatrikuliert worden wie noch nie seit der Wende. Die Auswirkungen dürften langfristiger sein. Ein Reputationsverlust, so Müller Steinhagen, sei jedenfalls schon jetzt da. Und tatsächlich, auch wenn der Abend auf viel Zustimmung stößt und einige Wissenschaftler andeuten, in Sachsen bleiben zu wollen, sehen andere ihre Zukunft woanders.

So freut sich Bakeer über die Möglichkeit, mit anderen ausländischen Wissenschaftlern in Kontakt zu kommen. Doch wenn er nach seinem bevorstehenden Forschungsjahr in den USA nach Deutschland zurückkehrt, will er in ein anderes Bundesland ziehen - ein „internationaleres“, wie er es nennt. Bei den Lösungsansätzen für das Problem sind sich die Wissenschaftler einig: Sachsen braucht mehr Offenheit - und mehr Ausländer. Denn diese seien schließlich, so Mackenroth, „das bunte Salz in der sächsischen Wissenschaftssuppe“. Und eben nicht nur dort.

Von Clara Neubert, dpa

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