Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Ausgeknallt: Dresden grenzt Zahl der Feuerwerke ein
Dresden Lokales Ausgeknallt: Dresden grenzt Zahl der Feuerwerke ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:46 12.07.2018
Bunte und laute Feuerspiele soll es in Dresden künftig deutlich weniger geben. Quelle: dpa
Dresden

Schluss mit der Knallerei: Lange Zeit galt Dresden als Pyro-Haupstadt – jetzt will die Verwaltung mit neuen Vorschriften die Anzahl der Feuerwerke drastisch reduzieren. Bereits ab 1. August tritt eine neue Verwaltungsvorschrift in Kraft, die das Abbrennen von Feuerwerken deutlich eindämpfen soll. Dass es die Stadt künftig weniger krachen lassen will, sorgt derweil aber auf politischer Bühne für neuen Zündstoff.

Allein im vergangenen Jahr hat es in Dresden 232 angemeldete Feuerwerke gegeben. In 132 Fällen handelte es sich um so genannte Kleinfeuerwerke, die bis dato jedermann anmelden und dann auch abbrennen konnte. Hinzu kommen 100 Anzeigen für professionelle Pyroshows – die so genannten Mittel- und Großfeuerwerke, die zumeist bei Feierlichkeiten von Profis auf die Beine gestellt werden.

Wer zuerst kommt, knallt zuerst.

Doch das beinah tagtägliche Geknalle stieß nicht überall auf ein wohlwollendes Echo: „Insbesondere die Mittel- und Großfeuerwerke haben immer wieder zu Beschwerden wegen des damit verbundenen Lärms geführt“, sagt Dresdens Erster Bürgermeister Detlef Sittel (CDU). Auch in den sozialen Netzwerken hatten sich um das allabendliche Geknalle am Himmel hitzige Debatten entzündet. Die Stadtratsfraktion der Grünen hatte vor wenigen Wochen sogar einen Antrag für weniger Pyro auf den Weg gebracht.

Tatsächlich gab es bisher faktisch keine Eingrenzungen bei den professionellen Feuerwerken. Das ändert sich nun ab August. Die neuen Spielregeln sehen vor, dass nur noch zwei Feuerwerke je Monat und Ortsamtsgebiet möglich sind. Und: Es müssen jeweils fünf Tage zwischen diesen Feuerwerken liegen. Gibt es für ein Gebiet mehrere Anmeldungen, gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt – oder in diesem Fall: knallt zuerst. Zudem schauen die Rathausmitarbeiter auf die Bedeutung des Anlasses und die Anzahl der bis dahin durch den Anmelder bereits gezündeten Feuerwerke.

Die Stadtverwaltung hofft, so die Anzahl professionellen Feuerwerke und den damit verbundenen Krach senken zu können. „Mit der Neuregelung soll die Lärmbelästigung durch große Feuerwerke reduziert werden“, sagt Detlef Sittel. Allerdings sind auch Ausnahmen drin – nämlich immer dann, „wenn ein besonderes öffentliches Interesse besteht.“ Da­zu zählen aus Sicht der Stadtverwaltung beispielsweise das Dresdner Stadtfest, das Dixieland-Festival, der Semperopernball oder das zentrale Silvesterfeuerwerk.

Reaktionen fallen unterschiedlich aus

Der Trend aus den Vorjahren hatte sich bei den professionellen Feuerwerken dieses Jahr nahtlos fortgesetzt. Den 100 Mittel- und Großfeuerwerken aus dem Vorjahr stehen im ersten Halbjahr 2018 bereits 49 Anmeldungen gegenüber. Deutlich zurückgegangen ist indes die Anzahl der Kleinfeuerwerke. Denn schon Ende des vergangenen Jahres waren die Hürden höher geschraubt wurden.

Wer außerhalb Silvester zündeln will, braucht seitdem eine schriftliche Einwilligung des Grundstückeigentümers oder des Flächenverwalters. In den ersten sechs Monaten verließen deshalb nur noch 26 Genehmigungen für Kleinfeuerwerke die Schreibtische der Mitarbeiter im Ordnungsamt. Und es könnten nun noch weniger werden. Denn wenn der Laie jetzt zu Raketen und Böllern greift, braucht er dafür ab 1. August einen besonderen Anlass. Dazu gehören etwa Hochzeiten, runde Ehe- sowie Vereins- und Firmenjubiläen ab 25 Jahre oder runde Geburtstage ab 50 Jahre.

So dürfen’s die Dresdner privat knallen lassen

Kleinfeuerwerke sind grundsätzlich bei der Stadtverwaltung zu beantragen. Eine Ausnahme besteht nur zu Silvester. Dann darf jeder im Alter über 18 Jahre in Dresden Böller und Raketen zünden.

Für die Beantragung musste bisher ein „begründeter Anlass“ vorliegen, damit die Abteilung für Sicherheitsangelegenheiten nach Prüfung des Einzelfalls ihr okay gibt. Ab 1. August muss es dann schon ein „besonderer Anlass“ sein – beispielsweise ein rundes Fir­menjubi­läum oder eine Hochzeit.

Genau geprüft wird zudem der beantragte Abbrennort, also ob sicherheitsrelevante oder naturschutzrechtliche Aspekte dem entgegenstehen. Und: Seit Ende 2017 muss eine schriftliche Genehmigung des Grundstückeigentümers oder des Flächenverwalters dem Antrag beigefügt werden.

Die Zeiten für die privaten Kleinfeuerwerke sind eingegrenzt. Von Sonntag bis Donnerstag darf nur bis jeweils 22 Uhr geknallt werden. Freitags und sonnabends ist das bis 22.30 Uhr erlaubt, im Mai, Juni und Juli sogar bis 23 Uhr.

Jedes Feuerwerk kostet: Bei der Beantragung fallen im Schnitt Gebühren in Höhe von 75 Euro an.

Alle Infos und die Formulare gibt’s im Netz unter www.dresden.de/feuerwerke

Vom Tisch ist der Krach um den Lärm damit noch lange nicht. Die Grünen sehen sich bestätigt, werten die verschärften Regularien „als ersten Erfolg unseres Antrags“. Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe und seine Fraktionskollegen wollen dennoch an ihrem Vorstoß festhalten, der darüber hinaus weitere Einschränkungen vorsieht. So sollen Feuerwerke in eng bebauten Wohnvierteln, aber auch in landschaftlich sensiblen Gebieten wie etwa an der Elbe, generell verboten werden.

Für die CDU geht das eindeutig zu weit – bereits die ab 1. August greifenden Vorschriften sind aus Sicht von Fraktionsvize Peter Krüger überzogen. „In der Sache ist es richtig, die Zahl der Feuerwerke zu regulieren. Die jetzt aufgestellten Regeln sind allerdings völlig lebensfremd und gehen übers Ziel hinaus“, so der Unionsvertreter. "Warum soll eine Firma nach erfolgreichen zehnjährigen Bestehen den kein Feuerwerk mehr zünden dürfen?, fragt Peter Krüger mit Blick auf die Festlegungen der besonderen Anlässe bei Kleinfeuerwerken. Eine „Begrenzung bei der Anzahl der Menge nach dem Windhundprinzip“ hätte aus Sicht der CDU genügt.

Strengere Regeln für Feuerwerke: Unter anderem werden die Anlässe für Kleinfeuerwerke streng abgegrenzt (Hochzeiten, runde Ehejubiläen ab 25 Jahren, runde Geburtstage ab 50, Vereins- und Firmenjubiläen ab 25 Jahren) und Mittel- und Großfeuerwerke auf zweimal pro Monat und Ortsamtsbereich beschränkt. Ist das zielführend?

Sind strengere Regeln für Feuerwerke in Dresden der richtige Weg?

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Strengere Regeln für Feuerwerke: Unter anderem werden die Anlässe für Kleinfeuerwerke streng abgegrenzt (Hochzeiten, runde Ehejubiläen ab 25 Jahren, runde Geburtstage ab 50, Vereins- und Firmenjubiläen ab 25 Jahren) und Mittel- und Großfeuerwerke auf zweimal pro Monat und Ortsamtsbereich beschränkt. Ist das zielführend?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Auch die SPD lehnt den Antrag der Grünen ab. Das Vorgehen der Stadt halten die Sozialdemokraten allerdings für angebracht. „Die Neuregelung der Stadtverwaltung ist maßvoll und wird uns zukünftig hoffentlich von diesbezüglichen Fraktionsanträgen verschonen“, erklärt SPD-Stadtrat Christian Bösl.

Als völlig unnötig bewertet hingegen die FDP die neue Verwaltungsvorschrift und wirft der Rathausspitze vor, noch vor einer Beschlussfassung zum Grünen-Antrag mit den neuen Regeln Tatsachen geschaffen zu haben. Mit ihren Forderungen hätten die Grünen bisher allein auf weiter Flur gestanden, sagt FDP-Stadtrat Jens Genschmar. Im Visier haben die Liberalen vor allem Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne), die sie als treibende Kraft hinter den Einschränkungen ausgemacht haben. Damit habe „sie vorsätzlich gegen die sich klar abzeichnende Stadtratsmehrheit“ gehandelt.

Von Sebastian Kositz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nun ist es amtlich: Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hat dem Stadtrat die Liste der Vorhaben vorgelegt, die mit Mitteln des Förderprogrammes „Brücken in die Zukunft II“ von Bund und Freistaat finanziert werden sollen. Größtes Vorhaben ist mit Gesamtkosten von 34,464 Millionen Euro die Sanierung des Gymnasiums Klotzsche.

12.07.2018

Die Mehrzahl der Dresdner steht nach wie vor hinter der Kulturhauptstadtbewerbung, aber die Begeisterung hat im Vergleich zum Februar 2017 etwas nachgelassen. Das ist das Ergebnis des aktuellen DNN-Barometers, für das 521 repräsentativ ausgewählte Dresdner befragt wurden.

12.07.2018

Gegen das Urteil des Dresdner Landgerichts im Infinus-Prozess wehren sich zwei weitere der insgesamt sechs Angeklagten. Auch die Verteidiger des Unternehmensgründers und früheren -Bosses und des Ex-Chefverkäufers legten nach Angaben eines Gerichtssprechers vom Donnerstag Revision ein.

12.07.2018