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Lokales Ausbeutung trotz Mindestlohn: Reinigungskraft berichtet über ihre Arbeitsbedingungen in Dresdner Hotel
Dresden Lokales Ausbeutung trotz Mindestlohn: Reinigungskraft berichtet über ihre Arbeitsbedingungen in Dresdner Hotel
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23:33 09.09.2015
Das Zimmermädchen Katrin hat keine guten Gefühle, wenn sie auf das Motel One blickt. Obwohl sie anonym bleiben möchte, liegt es ihr am Herzen, dass die Probleme der Reinigungskräfte öffentlich bekannt werden. Quelle: CAROLA FRITZSCHE

, die in dem Hotel die Zimmer sauber gemacht hatten, die Arbeit zeitweise nieder, weil sie sich unzureichend bezahlt fühlten. Knackpunkt war, dass die Reinigungskräfte eine Norm von 3,5 Zimmern pro Stunde erfüllen sollten, damit sie den damals gültigen Stundenlohn von 7,33 Euro bekamen. Diese Norm sei nach Angaben der Mitarbeiter aber nicht zu schaffen gewesen, weshalb der Verdienst deutlich geringer ausfiel.

Hautnah miterlebt hat die Zustände auch Katrin (Name geändert) aus Dresden. "In Wirklichkeit mussten wir ab August vorigen Jahres nicht nur dreieinhalb, sondern vier Zimmer reinigen", erzählt die Endzwanzigerin. Das sei nicht zu schaffen gewesen, vor allem wenn Doppelzimmer mit dabei waren. Problematisch waren die Vorgaben auch für die Qualität der Reinigung. "Wenn ich pro Doppelzimmer nur 20 Minuten Zeit habe, aber die Chemikalien gemäß unserer Vorschriften mindestens zehn Minuten einwirken müssen, ist es unmöglich, rechtzeitig fertig zu werden", betont Katrin. Interessant war allerdings, dass die Firma Giessel & Co., die mittlerweile ihren Auftrag im Motel One verloren hat, durchaus auch Stundenlohn ohne Vorgaben zahlen konnte. "Als die Tochter der Zimmerdame des Hotels einmal in den Ferien mit uns geputzt hat, wurde sie ganz normal pro Stunde bezahlt, unabhängig davon, wie viele Zimmer sie geschafft hat."

Bei ihren regulären Beschäftigten war die Firma jedoch recht streng. So soll es vorgekommen sein, dass die zwölf Tschechen und vier deutschen Arbeitskräfte immer mal wieder 100 Euro in ihrer Lohntüte vermisst haben und keine Sonn- und Feiertagszuschläge erhielten. Die Schuld sei meist auf den Computer geschoben worden. Dennoch habe sich nichts geändert, so Katrin. Gegenwärtig hätten fünf frühere Mitarbeiter noch Forderungen von bis zu 2000 Euro gegen die Firma, sagt die frühere Reinigungskraft.

Eine andere Sicht auf die Dinge hat der Geschäftsführer von Giessel & Co., Oliver Gießel: "Die Leute haben bei uns immer gutes Geld verdient." 60 Prozent seiner Leute hätten noch im Dezember für 20 Stunden wöchentliche Arbeitszeit zwischen 700 und 1000 Euro brutto im Monat verdient, so Gießel. Ob sie tatsächlich vier Zimmer pro Stunde reinigen mussten, wollte er nicht bestätigen.

Obwohl es so scheint, dass der Mindestlohn für Gebäudereiniger, der seit dem 1. Januar dieses Jahres 7,56 Euro beträgt, durch unrealistische Leistungsvereinbarungen häufig umgangen wird, hält ihn Mirko Hawighorst von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt dennoch für notwendig. "Ohne den Mindestlohn würde es keine Grenze mehr nach unten geben." Denn es begehe jeder Arbeitgeber, der ihn unterschreitet, eine Straftat, was eine gewisse Barriere darstelle.

Von dem Argument, dass die Reinigungsunternehmen durch den Druck der Hotels nicht anders könnten, als ihre Mitarbeiter mit Hungerlöhnen abzuspeisen, hält er nichts: "Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass die Firmen nicht schlecht verdienen. Sie setzen die Mitarbeiter deshalb unter Druck, um die Gewinnmarge weiter zu erhöhen", so Hawighorst. Auch beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga ist das Problem bekannt. Dennoch zeigt man sich ratlos. Das Hotel könne schon aus Datenschutzgründen nicht die Abrechnungen des Reinigungsunternehmens für dessen Mitarbeiter kontrollieren oder Arbeitszeitkontrollen durchführen", betonte Geschäftsführerin Sandra Warden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2013

Stephan Hönigschmid

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