Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Aus den Regalen des Dresdner Stadtarchivs: Eine alte Rezeptur für Heilmittel
Dresden Lokales Aus den Regalen des Dresdner Stadtarchivs: Eine alte Rezeptur für Heilmittel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:02 15.05.2018
Handgeschriebenes Rezept aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Herstellung eines Heilmittels. Quelle: Quelle: Stadtarchiv Dresden, 16.2.25, Familiennachlass Schmidtgen und Werner, Nr. 13.
Dresden

Wir haben die Mitarbeiter des Dresdner Stadtarchivs gebeten, aus den 40 Regalkilometern an Beständen ihre Lieblingsstücke auszugraben. Diese stellen wir nun in loser Folge vor. Heute: Was vor knapp 200 Jahren in ein Lebenselixier gehörte. Von Johannes Wendt.

Ein Elixier zur Verlängerung des Lebens ist gewiss einer der sehnsüchtigsten Wünsche seit Menschengedenken. Im Stadtarchiv Dresden befindet sich tatsächlich ein vermeintliches Rezept hierfür. Es stammt aus dem Nachlass der Familien Schmidtgen und Werner und wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts handschriftlich verfasst.

Neben dem Rezept für das Elixier finden sich in dem im Jahre 1926 übernommenen Bestand weitere Anleitungen für die Herstellung verschiedener Heilmittel, etwa für einen Tee zur Blutreinigung, für ein „blaues Kalg Wasser“ zur Behandlung von Augenentzündungen und für Brandsalben. Nur drei Tropfen des Lebenselixiers am Morgen und sieben bis acht Tropfen am Abend mit Wein, Tee oder Brühe eingenommen, sollen das Leben auf wundersame Weise verlängern. Insgesamt werden acht besondere Zutaten zur Herstellung benötigt.

Handgeschriebenes Rezept aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Herstellung eines Heilmittels . Quelle: Stadtarchiv Dresden, 16.2.25, Familiennachlass Schmidtgen und Werner, Nr. 13.

Dazu gehört Aloe socotrina, eine Pflanzenart aus der Gattung der Aloen, von der zwei Lot, also etwa zwei volle Löffel, erforderlich sind. Außerdem wird ein Quentchen, das heißt etwa ein Viertel oder Fünftel eines Lots, von der Zitwerwurzel gebraucht, die auch als Weiße Curcuma bekannt ist und aus der Familie der Ingwergewächse entstammt.

Des Weiteren ist die gleiche Menge Enzian, „bester“ Safran, Rhabarber, Lärchenschwamm sowie Wachholder Latwerge notwendig, letzteres ist eine eingedickte Saft-Honig-Zubereitung. Und nicht zuletzt muss venezianischer Theriak bereitgehalten werden, der bereits in der Antike ein Antidot zur Behandlung von Vergiftungen bezeichnete. Diese Kräutermixtur galt im Mittelalter sogar als universelles Wunderheilmittel, wobei der Theriak aus Venedig sensationelle Berümtheit erlangte.

Zur Herstellung des Elixiers müssen zunächst die trockenen Zutaten pulverisiert, gesiebt und zusammen mit der Latwerge, dem Theriak und einem halben Maß eines guten Kornbranntweines in eine Flasche „von grobartigem Glas“ gefüllt werden. Diese wird mit einem durchlöcherten Pergament verschlossen, vierzehn Tage in den Schatten gestellt und täglich zweimal geschüttelt. Danach ist das Substrat durch ein reines Leinentuch zu filtrieren, wieder zu vermischen und in eine „wohlzugemachte“ Flasche zu füllen. Durch den täglichen Gebrauch soll das fertige Elixier Kräfte mobilisieren und die Lebensgeister wecken, außerdem die Sinne schärfen sowie Nervenzittern und Rheumaschmerzen lindern.

Im Übrigen sollen „alle andre Medicamente“ durch die Einnahme des Heilmittels für lange Zeit obsolet werden. Zur spezifischen Behandlung von Übelkeit sei ein Esslöffel, bei Koliken seien drei Esslöffel mit der vierfachen Menge an Branntwein einzunehmen. Bei Zahnschmerzen wiederum sollten einfach ein paar Tropfen auf Baumwolle aufgetragen und diese in den „hohlen Zahn“ gedrückt werden. Das Mittel würde ohne Schmerzen wirken, allerdings dürfe man dazu kein Obst oder Salat essen und keine Milch trinken.

Achtung: Die hier vorgestellte Rezeptur ist lediglich eine Wiedergabe der archivischen Überlieferung. Es handelt sich nicht um eine Herstellungs- und Gebrauchsanweisung. Die Anwendung erfolgt auf eigene Gefahr, eine Haftung ist ausgeschlossen.

Von Johannes Wendt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am 19. Juni wird in Dresden wieder bunt gegessen und getrunken. Jeder, egal welcher Herkunft, darf kommen und sein Lieblingsessen mitbringen.

15.05.2018

Am Freitag geht der Streit zwischen dem Pegida-Förderverein und der Organisation Mission Lifeline in eine weitere Runde. Vor dem Oberlandesgericht Dresden geht es einmal mehr um die Bezeichnung „Schlepperorganisation“.

15.05.2018

Drogenhandel, Abgabe von Drogen an Minderjährige, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, sexuelle Nötigung, versuchter sexueller Missbrauch – die Anklage gegen den 36-jährigen Toni G. hat es in sich. Insgesamt geht es um knapp 150 Tatvorwürfe.

15.05.2018