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Lokales Aufsuchende Sozialarbeit für Flüchtlinge steht auf dem Prüfstand
Dresden Lokales Aufsuchende Sozialarbeit für Flüchtlinge steht auf dem Prüfstand
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09:32 08.01.2018
 In bestimmten Fällen sollen Sozialarbeiter nicht mehr zu den Flüchtlingen nach Hause kommen.  Quelle: Archiv
Dresden

 Für die Sicherheit der in der Flüchtlingssozialarbeit beschäftigten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter will die Sozialverwaltung prüfen, ob in begründeten Fällen vom Prinzip der aufsuchenden Sozialarbeit abgewichen werden kann. Das teilte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) jetzt auf Anfrage von Daniela Walther, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, mit. So müsse die Wahl eines anderen Gesprächsorts eruiert werden, erklärte Hilbert. Das Sozialamt stelle hierfür im Rahmen der Förderung anteilige Mittel bereit.

Ende November 2017 war eine Sozialarbeiterin von einem Asylbewerber in dessen Wohnung vergewaltigt worden (DNN berichteten). In diesem Zusammenhang hatte die CDU mehr Sicherheit für die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gefordert. Bei der aufsuchenden Sozialarbeit werden die Asylbewerber in ihren Wohngemeinschaften oder Wohnungen von Sozialarbeiterinnen oder Sozialarbeitern besucht. „In der Regel erfolgen dienstliche Hausbesuche durch eine Person, es sei denn, es gab bei vorangegangenen Terminen Hinweise auf die Notwendigkeit, zu zweit aufsuchend tätig zu werden“, so Hilbert.

Der OB verwies darauf, dass die Schaffung von Sicherheitsmaßnahmen für das Personal vordergründig eine Aufgabe des Arbeitgebers sei. Die Stadt kooperiert bei der Flüchtlingssozialarbeit mit vier freien Trägern, diese müssten Gefährdungen und Belastungen bei den Tätigkeiten ihres Personals beurteilen. „Das stellt für die Vertragspartner eine grundlegende vertragliche Pflicht dar“, so Hilbert. Die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen, Deeskalationsschulungen und Supervision seien beispielsweise Maßnahmen im Rahmen der Arbeitgeberfürsorgepflicht. „Im Hinblick auf die kooperierenden freien Träger wird in der Landeshauptstadt davon ausgegangen, dass die professionellen, beauftragten Dienste der sozialen Daseinsvorsorge ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend schulen, aufklären und belehren, aber genauso entsprechende Weiterbildungsangebote und Supervisionen anbieten“, so Hilbert.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialamtes würden im Hinblick auf eine präventive Gefahrenabwehr regelmäßig belehrt. Hausbesuche bei bisher unbekannten Klienten oder zu erwartenden Krisen würden immer erst nach kurzer Fallbesprechung und Einschätzung der Gefährdung erfolgen. Im Allgemeinen Sozialen Dienst gebe es bereits seit zehn Jahren Regelungen zur Sicherheit der Beschäftigten im Außendienst, die die Wahrnehmung von Außendiensttätigkeiten nur zu zweit vorsehe. Die Beschäftigten seien mit dienstlichen Mobiltelefonen ausgestattet, so der OB. Im Vorfeld sei durch die jeweilige Vorgesetzte oder den Vorgesetzten eine Gefahrenanalyse vorzunehmen. Dabei könne das Hinzuziehen des Polizeivollzugsdienstes eine Option sein.

Der Caritasverband für Dresden, der über 800 Asylbewerber in Prohlis und Leuben betreut, diskutiert bereits Änderungen in der Sozialarbeit. „Teilweise wohnen vier bis fünf Männer in einer Wohngemeinschaft. Da kann von Datenschutz keine Rede sein“, hatte Annemarie Weigl, Regionalkooridnatorin Flüchtlingssozialarbeit, bereits Ende 2017 erklärt. Es gebe bei den Hausbesuchen extreme Störfaktoren, die bei einem Termin in einer Beratungsstelle nicht auftreten würden. Da könnten Sozialarbeiter und Klient von Angesicht zu Angesicht sprechen, so Weigl. „Wir betreten als Gast eine Wohnung, obwohl wir Sozialarbeit leisten“, nennt die Caritas-Mitarbeiterin ein weiteres Problem der aufsuchenden Sozialarbeit. Schließlich könne es auch effektiver sein, die Klienten an einem neutralen Ort zu beraten. „Wir rechnen mit einer Stunde Hin- und Rückfahrt für einen Hausbesuch.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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