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12:48 08.11.2018
Inhaber Jörg Stübing berät seine Kundschaft stilecht im Tweedanzug, passend zum altenglischen Ambiente der Buchhandlung. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Betritt man den Buchladen „Büchers Best“ an der Louisenstraße, kann man förmlich spüren, dass zwischen den Regalen das Kulturgut Buch noch gelebt wird. Der Kultladen in der Neustadt ist dort mittlerweile für viele Bücherliebhaber nicht mehr wegzudenken.

Doch eigentlich war das so gar nicht geplant, weiß Ladeninhaber Jörg Stübing. Mit fast 40 übernimmt er 2002 durch Zufall das damalige Antiquariat „Vielfalt“ und baut es radikal um. „Ich war zu der Zeit auf der Suche nach Selbstentwicklung und vor allem Selbstvervielfältigung“, erinnert sich Stübing. „Mittlerweile ist der Buchladen eine Lebens- und Arbeitsform für mich – ohne könnte ich es mir nicht mehr vorstellen“, erzählt er.

„Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommt – heute bin ich froh darüber“, meint der 54-Jährige schmunzelnd. „Die ersten Jahre war es wirklich mühsam. Ich dachte oft, dass ich die nächsten Rechnungen nicht zahlen kann und aufhören muss“, gesteht er. „Aber ich habe einfach immer stoisch weiter gemacht.“

Mit Erfolg – vergangene Woche erhielt das Geschäft bereits zum dritten Mal den Deutschen Buchhandlungspreis. Mit dieser Auszeichnung werden jedes Jahr kleinere, inhabergeführte Buchhandlungen, die ein vielseitiges literarisches Sortiment und ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, gewürdigt.

Stübing baute den Laden so auf, wie er ihn als Leser gerne gehabt hätte. „Ich wollte eine Mischung aus Wohnzimmercharakter, Kaffeehausatmosphäre und Gastfreundschaft kreieren – einen geschützten Raum vor der schnelllebigen Außenwelt.“ Betritt man die Buchhandlung heute, fällt man quasi in die Bücher hinein – auf 35 Quadratmetern Verkaufsfläche reihen sie sich bis in die letzte Ecke.

Für Stübing hat die kleine Fläche aber auch Vorteile: „Wir können nur das Beste nehmen – für mehr ist einfach kein Platz. Zudem schafft es Intimität: Der Weg zum Buchregal ist kurz, die Nähe zwischen Kunde und Händler umso größer.“ Bei seiner Arbeit steht ihm seit 14 Jahren Ladenkater Myamoto Musashi zur Seite. Der rote Stubentiger lässt sich von der Kundschaft kraulen und hilft gelegentlich bei so mancher Kaufentscheidung.

Jedes einzelne Buch, das in den Regalen schlummert, ist wortwörtlich handverlesen. „Eine private Buchhandlung muss anders sein als ein normaler Laden. Wir führen nicht das Neueste, sondern unzeitgemäße Lieblingstitel. Jedes Buch wird einzeln ausgewählt – man muss schließlich wissen, warum das Exemplar hier steht.“ Zudem sind lokale Autoren und Dresdner Verlage in den Regalen zu finden, denn der Standort in der Neustadt soll sich dort auch widerspiegeln.

Auch Ladenkater Myamoto Musashi kümmert sich um die Kundschaft. Quelle: Anja Schneider

Was einen guten Buchhändler seiner Meinung nach ausmacht? Unter anderem gute Beratung. Das heißt für Stübing aber auch abraten. „Man muss die optimale Passung zwischen Kunde und Buch herstellen – ich nenne es auch die Suche nach dem Augenleuchten“, erklärt der Dresdner. Sogar aus der Ferne wird er oft per Telefon von Kunden nach seiner Meinung gefragt. Falls die persönliche Empfehlung gar nicht dem Geschmack entspricht, könne man das Buch sogar zurückbringen. „Das kam aber erst zweimal vor“, verrät der 54-Jährige.

Aber was passiert, wenn all die kleinen Buchhandlungen nach und nach aussterben? „Das wäre ein Weg von der Vielfalt in die Einfalt“, sinniert Stübing, während er seinen langjährigen Kollegen streichelt. Dieser schnurrt zustimmend.

Von Annafried Schmidt

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