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Lokales Auf der Zielgeraden: 160 Verhandlungstage „Infinus“
Dresden Lokales Auf der Zielgeraden: 160 Verhandlungstage „Infinus“
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08:01 09.06.2018
Volle Anklagebank im Landgericht: Im Infinus-Prozess plädierte gestern die Staatsanwaltschaft und forderte mehrjährige Haftstrafen. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Einer der wohl längsten Wirtschaftsstrafprozesse in Deutschland geht zu Ende – ein wahrer Mammutprozess. Im Fall „Infinus“ wird schon so lange verhandelt, dass man zum einem fast vergessen hat, dass da noch eine Verhandlung läuft und zum anderen ganz überrascht ist, das man da nun doch plötzlich zu Stuhle kommen will. Am 16. November 2015 begann die Verhandlung gegen sechs ehemalige Manager des Finanzdienstleisters – zweieinhalb Jahre später wurde am Freitag mit den Plädoyers begonnen. Über vier Stunden dauerte der Schlussvortrag von Oberstaatsanwalt Arnulf Berner. Er forderte mehrjährige Haftstrafen für die Angeklagten, die mit einer Art Schneeballsystem 20 000 Anleger um mindestens 150 Millionen erleichtert haben sollen. Zum Prozessauftakt kursierten Zahlen von rund 50 000 geprellten Anlegern und fast einer Milliarde Euro Schaden.

Schnittige Yachten, teure Uhren, edle Pelze, Gemälde, Gold

Wie auch immer, es geht um viel Geld – entsprechend groß ist auch das Aufgebot: sechs Angeklagte, zwölf Verteidiger, drei Staatsanwälte, die Große Wirtschaftsstrafkammer mit drei Berufsrichtern, zwei Schöffen sowie je einem Ergänzungsrichter und Ergänzungsschöffen. Dazu über 700 Seiten Anklageschrift, 600 Ermittlungsordner, endlose Zeugenlisten.

Klar, dass es da viel Gesprächsbedarf gibt. 160 Verhandlungstage lang wurde argumentiert, ein Antrag jagte den nächsten, zuweilen flogen die Fetzen. Es geht ja für die Angeklagten um viel, sollten sich die Betrugsvorwürfe bestätigen – wovon die Staatsanwaltschaft ausgeht. Ein bandenmäßiges Vorgehen sah sie indes nicht. „Sie haben sich nicht zusammengetan, um Straftaten zu begehen“, so Berner. Das ergab sich bei den Geschäften.

Die liefen anfangs gut, die Anleger wurden auch bedient. Auch die Chefetage bediente sich – und zwar reichlich. Schnittige Yachten, teure Uhren, edle Pelze, Gemälde, Gold – all dies wurde bei Durchsuchungen sichergestellt.

Doch es wurde immer schwieriger, die Renditen, mit denen man Anleger lockte, auch zu erwirtschaften. Das endete im besagten Schneeballsystem – firsches Geld füllte wachsende Löcher. Das funktionierte eine Zeit, bis im November 2013 das LKA anrückte.

Auslöser für die Razzia war ein Hinweis der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die sechs Manager wurden festgenommen – einer, Jens P., nach einem Teilgeständnis auf freien Fuß gesetzt. Über zwei Jahre saßen die anderen in U-Haft, bis nach langen Auswertungen und Ermittlungen Jörg B., Rudolf O., Jens P., Kewan K., Siegfried B. und Andreas K. der Prozess gemacht wurde, die sich mehr oder weniger zu den Vorfällen einließen. Ab kommender Woche plädiert die Verteidigung. Ein Urteil könnte im Juli folgen.

Von Monika Löffler

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