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Auf der Suche nach den Familien-Wurzeln - Genealogentag in Dresden

Ahnenforschung Auf der Suche nach den Familien-Wurzeln - Genealogentag in Dresden

Immer mehr Menschen wollen wissen, woher sie kommen. Der Deutsche Genealogentag in Dresden bringt routinierte Forscher und wissbegierige Anfänger zusammen.

Martina Wermes von der Deutschen Zentralstelle für Genealogie blättert im Staatsarchiv in Leipzig (Sachsen) in historischen Kirchenbüchern. Das Zentrum verwahrt einen umfangreichen Schatz personen- und familiengeschichtlichen Archivgutes aus dem gesamten deutschen Sprachraum.

Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Dresden. Anno 1430 - was sich liest wie der Titel eines Computerspiels, ist das Jahr der frühesten errechneten Geburt eines Vorfahren im Stammbaum von Sebastian Gemkow. Einen Familienzweig kann der 39-Jährige damit 19 Generationen zurückverfolgen. Wenngleich der Jurist aus Leipzig seit einiger Zeit berufsbedingt in seinem gegenwärtigen Amt als Justizminister Sachsens seine Ahnenforschung zurückstellen musste, ist es für ihn immer wieder ein erhebender Moment, wenn er seiner Familienchronik ein Detail hinfügen kann. „Jedes Mal, wenn man etwas Neues findet, ist das wie ein kleiner Glücksmoment“, gibt der CDU-Politiker zu und rät: „Wenn jemand auf der Suche noch einem Hobby ist, kann ich das aus diesem Grund nur empfehlen.“

Von diesem Freitag an treffen sich in Dresden Hunderte Gleichgesinnte von Gemkow. Bis zum Sonntag findet im World Trade Center der 69. Deutsche Genealogentag statt. Mehr als 700 Anmeldungen von Teilnehmern aus zwölf Ländern liegen den Organisatoren vor. „Das ist unser Schaufenster des Jahres“, sagt Dirk Weissleder, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände (DAGV).

Familienforschung - so geht's los

Genealogie klingt kompliziert - doch zumindest am Anfang ist die Ahnenforschung leicht. Will man einen Stammbaum erstellen, beginnt man bei sich selbst. Als erste Generation folgen dann Mutter und Vater. Danach schließen sich die Großeltern beider Familienzweige an. Im Normalfall stehen dann sieben Personen im Stammbaum. In der Generation von Uropa und Uroma kommen dann schon weitere acht Familienmitglieder hinzu.

Sehr hilfreich ist es, alle Verwandten zu befragen, um so möglichst viele Details zu erfahren. Je weiter die Generationen zurückgehen, um so weniger Fakten sind vorhanden. Wichtig bei der Erstellung eines Stammbaumes sind neben den (Geburts-)Namen auch alle Daten zu Geburten, Hochzeiten, Todesfällen mit den dazugehörigen Orten.

Beste Quellen nach den Verwandten sind die so genannten Personenstandsurkunden. Diese werden von den Standesämtern anhand von Personenstandsregistern ausgestellt. Die Daten sind dort 110 Jahre (Geburt), 80 Jahre (Hochzeit) und 30 Jahre (Tod) abrufbar. In Sachsen gibt es Standesämter seit 1875. Derzeit sind es 222. Alles, was davor liegt, muss über Kirchenbücher erforscht werden.

Sind anfangs die Daten noch recht übersichtlich, sammelt sich im Laufe der Zeit Unmengen an Material. Will man nicht alles mühselig per Hand sortieren und ordnen, helfen Computerprogramme.

Für die Vorträge gebe es nur noch ein kleines Restkartenkontingent, sagt Sprecher Ronny Steinicke. Große Anziehungskraft versprechen sich die Veranstalter vom kostenlosen Einsteigerprogramm, in dem Neulingen und Interessierten Grundlagen der Ahnenforschung vermittelt werden sollen.

Wenn Martina Wermes am Sonntag ihren Vortrag hält, ist das eher etwas für Fortgeschrittene. Die Referentin beim Sächsischen Staatsarchiv spricht „Zur Geschichte der Vereins- und Sammlungsbestände der DZfG in Leipzig“. Die DZfG ist die Deutsche Zentralstelle für Genealogie und befindet sich im Staatsarchiv in Leipzig. Laut sächsischem Innenministerium werden jährlich rund 2100 schriftliche Anfragen mit familiengeschichtlichem Hintergrund an das Staatsarchiv gerichtet. Diese Zahl sei seit vier Jahren konstant.

„25 Prozent aller Benutzer in staatlichen Archiven sind Familienforscher“, sagt Martina Wermes. Sie ist zugleich Vorsitzende der Leipziger Genealogischen Gesellschaft (LGG). Die LGG ist einer von nur zwei Vereinen in Sachsen neben dem Dresdner Verein für Genealogie (DVG). Einen Verband gibt es im Freistaat nicht. Der Leipziger Verein hat etwa 50 Mitglieder. Wie viele Menschen sich in Sachsen mit der Familienforschung befassen, ist nicht bekannt. „Weil sich viele nicht organisieren, tauchen sie nicht in Vereinen auf“, sagt Wermes und schätzt: „Einige Hundert werden es schon sein.“

Nicht viel anders ist die bundesweite Situation. Der DAGV hat 69 Mitgliedsvereine, über die laut Weissleder etwa 22 000 Personen organisiert sind. Es gebe jedoch viele Einzelforscher, daher könnten es viel, viel mehr sein. „Und es werden immer mehr“, betont der Verbandschef. Dies zeige sich an den Anmeldungen für den Genealogentag ebenso wie an den steigenden Zahlen von Forschungsanfragen bei den Vereinen.

„Das Interesse für die Geschichte der eigenen Familie erhält immer größeren Zuspruch“, sagt Weissleder. Zudem hat er festgestellt, dass immer mehr Frauen in der von Männern dominierten Ahnenforscher-Szene erscheinen. „Die Genealogie wird weiblicher“, urteilt der Verbandsvorsitzende. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Genealogen immer älter werden. „Wir brauchen eine Auffrischung“, sagt Martina Wermes.

Mit seinen 39 Jahren drückt Einzelforscher Sebastian Gemkow den Altersschnitt beträchtlich. Ihn habe die Frage umgetrieben, wo er herkomme. Seine Wurzeln hat er überwiegend in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen gefunden. Doch nicht immer ist seine Suche von Erfolg gekrönt. Wenn Kirchenbücher zerstört oder Dokumente verschollen sind, erreicht man einen toten Punkt. „Wenn das passiert, ist es schon eine Enttäuschung. Da bleibt ein großer weißer Fleck“, gibt er zu.

www.genealogentag.de

Von Martin Kloth, dpa

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