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Lokales Asyle für junge Dresdner in Not sind überlastet
Dresden Lokales Asyle für junge Dresdner in Not sind überlastet
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20:34 09.09.2015

Mit schuld an der Eskalation sind Crystal-Eltern.

Dabei mussten die Behörden in jüngster Zeit sogar weniger Kinder und Jugendliche in Obhut nehmen als früher - obwohl Babyboom und Zuwanderung anderes hätten erwarten lassen. Waren im Jahr 2011 insgesamt 550 junge Dresdner in derartige Bedrängnis geraten, dass das Jugendamt einschreiten und sie zumindest zeitweise aus ihren Familien herauslösen musste, waren es im Folgejahr nur noch 508. Im Jahr 2013 kamen lediglich 474 Junioren in den Kinder- und Jugendnotdienst (KJND) in Strehlen, in die Mädchenzuflucht oder in "Bereitschaftsfamilien", die kleinere Kinder vorübergehend aufnehmen.

Allerdings ist die Auslastung dieser Asyle stark gestiegen: Im KJND-Haus von 65 (2009) auf 93 Prozent (2013), in der Mädchenzuflucht von 29 auf 75 Prozent und in den Bereitschaftsfamilien sogar von 85 auf 110 Prozent. Denn zwar flüchten nicht mehr ganz so viele Jungen und Mädchen vor Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung aus ihren Familien, können aber dafür nicht mehr so schnell zurück wie früher oder finden nicht rasch genug neue Pflegefamilien. Blieben die Obhut-Kinder im Jahr 2010 durchschnittlich zehn Tage in den Asylen, waren es im vergangenen Jahr bereits 15 Tage - wobei viele sogar wochen- oder monatelang in diesen nur als Übergangslösungen gedachten Zufluchten verweilen.

Das Jugendamt sieht mehrere Gründe: So ziehen sich familiengerichtliche Entscheidungsprozesse inzwischen sehr lange hin, auch gibt es zu wenig geeignete Wohngruppenplätze und Pflegefamilien. Und andererseits gestaltet sich die Rückkehr der Kinder in ihre leiblichen Familien - aus pädagogischer Sicht eigentlich der Königsweg - zunehmend schwierig. So stammt beispielsweise jedes zweite Kind, das von einer Bereitschaftsfamilie vorübergehend in Obhut genommen wird, aus einer Familie, in der die Eltern Drogen nehmen.

Seitdem die billige Synthetikdroge "Crystal" Sachsen überschwemmt, beobachtet der "Allgemeine Soziale Dienst" (ASD) des Jugendamtes dieses Phänomen immer häufiger: Junge Paare, beide kommen aus der Partyszene, beide werfen sich tagtäglich die Modedroge ein - und hören auch nicht auf, wenn das Kind da ist. Crystal führt jedoch bei längerem Konsum zu Empathie-Verlust, zerrüttet die emotionalen Beziehungen, ganz zu schweigen von der Beschaffungsproblematik. In diesen Fällen müssen die Jugendhelfer dann oft erst sehr komplexe Probleme in der Ursprungsfamilie lösen, bevor ein in Obhut genommenes Kind wieder zurückkehren kann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.02.2014

Heiko Weckbrodt

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