Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Asylbewerberheim spaltet Laubegast
Dresden Lokales Asylbewerberheim spaltet Laubegast
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:56 13.11.2015
Wortmeldung aus dem Publikum Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Das Publikum in der Staatsoperette war gestern Abend gespalten: Die einen klatschten Beifall, wenn Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke) an die Menschlichkeit der Dresdner appellierte. Die anderen applaudierten Rednern, die vor einem Ansteigen der Kriminalität warnten. Die Stadt hatte zur Einwohner-Informationsveranstaltung zum geplanten Asylbewerberheim im Hotel „Prinz Eugen“ im beschaulichen Stadtteil Laubegast geladen. Einer, der sich mit den Besucherzahlen auskennt, schätzte 350 Gäste – Wolfgang Schaller, als Intendant der Operette Hausherr in Leuben.

Ein Riss ging durch das Publikum, aber Moderator Andreas Tietze von der Landeszentrale für Politische Bildung konnte am Ende konstatieren: Es war eine ruhige Informationsveranstaltung. Ein Redner pro Asyl wurde lautstark zum Aufhören aufgefordert, ansonsten gab es hin und wieder höhnisches Gelächter und bissige Kommentare wie: „Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, als Montag zu Pegida zu gehen.“

In das „Prinz Eugen“ in Laubegast sollen im Dezember 94 Asylbewerber einziehen. Kaufmann präsentierte die Zuweisungsprognosen der Landesdirektion Sachsen für die Dezember- und Januarwochen: 392, 245, 392, 294, 441, 392, 441, 441, 392 und 441. Heißt: Bis Ende Januar muss die Landeshauptstadt Dresden 3871 Asylbewerber unterbringen. Das sind deutlich mehr, als die ersten zehn Monate des Jahres angekommen sind. „Da brauchen wir ja jede Woche drei bis vier Hotels vom Format des ‚Prinz Eugen‘“, sagte eine Frau aus dem Publikum, und Kaufmann erklärte: „Wir müssen diese Menschen unterbringen und wir werden sie unterbringen.“ Die Stadt prüfe dafür sämtliche Optionen und könne keinem Dresdner sagen: „In Ihrem Stadtteil nicht!“

Die Stadt könne sich auch nicht aussuchen, wen sie unterbringen müsse. „Wir bekommen 24 Stunden vor Ankunft der Busse gesagt, wie viele Menschen aus welchen Ländern kommen und wie viele Frauen und Kinder unter ihnen sind“, erklärte die Sozialbürgermeisterin. „Versetzen wir uns doch einmal in die Flüchtlinge hinein“, forderte eine Laubegasterin die Anwesenden auf, „sie erfahren auch erst 24 Stunden vorher, dass sie die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen. Wohin sie kommen, erfahren sie meist nicht.“ Die Frau geht einmal pro Woche in den ehemaligen Praktiker-Baumarkt nach Heidenau und betreut Kinder von Asylbewerbern.

„Hundertprozentige Sicherheit gab es nicht und wird es nicht geben“, entgegnete Kaufmann einem Vater, der sich Sorgen um seine 16-jährige Tochter macht. „Ich habe nur diese eine Tochter. Sie muss auf dem Weg zur Arbeit zweimal an dem Prinz Eugen vorbei“, erklärte er. Es sei falsch, meinte Kaufmann, in Asylbewerbern nur eine Bedrohung zu sehen. Sie erhielt Unterstützung aus dem Publikum: „Warum sollen sich ausgerechnet alle Kriminellen aus Syrien auf den Weg nach Deutschland gemacht haben?“, fragte eine ältere Frau.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Anwohner haben Dienstagabend einmal mehr vor dem Hotel "Prinz Eugen" in Laubegast gegen das geplante Asylbewerberheim protestiert. In dem Gebäude haben nach Angaben der Stadt bereits die ersten Umbauarbeiten begonnen.

04.11.2015

Am Dienstagabend demonstrierten etwa 200 bis 300 Personen gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft „Prinz Eugen“ an der Gustav-Hartmann-Straße in Dresden-Laubegast.

28.10.2015

Das Hotel Prinz Eugen auf der Gustav-Hartmann-Straße in Laubegast wird doch Asylbewerberheim. Das hat am Montagabend der Aufsichtsrat der städtischen Stadtentwicklungsgesellschaft Stesad GmbH mehrheitlich beschlossen.

27.10.2015

Ob Nordseeküste, Großstadt oder Hochgebirge – Deutschland hat viele schöne Seiten. 53 Ansichten inklusive Titelbild davon zeigt der Wochenkalender „Deutschland abgelichtet“. Initiiert hat ihn der in Dresden geborene Fotograf Moritz Kertzscher.

12.11.2015

Schauspieler Wolfgang Stumph (69) ist für seinen Einsatz für Kinder ausgezeichnet worden. Der Arbeiter-Samartier-Bund (ASB) verlieh ihm am Donnerstag in Berlin den mit 10 000 Euro dotierten Annemarie-Renger-Preis.

12.11.2015

Ab dem frühen Sonntagmorgen – 3.30 Uhr – nehmen die Straßenbahnlinien 4 und 6 wieder ihre planmäßigen Fahrten auf. Die Baustelle Wehlener Straße soll im Tagesverlauf dann auch für den Autoverkehr freigegeben werden.

12.11.2015
Anzeige