Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Astrophysiker befragen den Eiswurm
Dresden Lokales Astrophysiker befragen den Eiswurm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:23 29.06.2017
Das Beschleunigerlabor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf und der TU Dresden im früheren Eislager der Felsenkeller-Brauerei in Dresden ist fast fertig. In der unterirdischen Experimentierstätte wollen in Zukunft Physiker die Vorgänge im Inneren von explodierenden Sternen nachstellen.  Quelle: dpa-Zentralbild
Anzeige
Dresden

 Weil sie wissen wollen, wie Sterne die Grundzutaten des Lebens kochen, haben der kanadische Nobelpreisträger Professor Arthur McDonald und seine sächsischen Forscherkollegen am Mittwoch ein unterirdisches Richtfest gefeiert – eben dort, wo der Legende nach einst ein Drache das Eis von den gelagerten Bierfässer schleckte. „Für mich ist es eine besondere Freude, mit Professor Kai Zuber und den Kollegen der TU Dresden zusammenzuarbeiten“, betonte der Neutrino-Experte.

Beschleuniger im Plauenschen Grund soll Fragen zum Universum beantworten

Denn derzeit entsteht mit einem finanziellen Aufwand von rund drei Millionen Euro tief in den Felshängen des Plauenschen Grundes ein deutschlandweit einzigartiges Labor mit einem Ionenbeschleuniger als Herzstück. Damit wollen die Astrophysiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und der TU Dresden im alten Bierstollen die Vorgänge im Zentrum von jungen, sterbenden und explodierenden Sternen nachstellen. „Sie werden aus der Tiefe eines Bierkellers ins Innere der Sonne schauen – ein interessanter Brückenschlag“, sinnierte fasziniert die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) zum Richtfest.

Die 1991 aufgegebene Felsenkeller-Brauerei mit ihrem „Eiswurmlager“ ist mit Bedacht als Ort für den Beschleuniger gewählt: 45 Meter Felsen werden das Labor vor kosmischer Strahlung gut abschirmen, damit die Messungen nicht verfälscht werden. Weil aber auch Dresdner Fels selbst etwas strahlt, haben Bauarbeiter in den vergangenen Monaten zusätzlich noch mal einen dicken Mauerschlauch in die Stollen gegossen – 40 Zentimeter dick und aus einem besonders strahlungsarmen sächsischen Beton gemacht. Im Dezember 2017 sollen die letzten Geräte installiert sein und das Labor schrittweise in Betrieb gehen.

Die Forscher um Prof. Kai Zuber von der TU Dresden und Dr. Daniel Bemmerer vom HZDR wollen hier nämlich hochpräzise vermessen, was genau passiert, wenn zum Beispiel zwei Helium-Atomkerne nahezu mit Lichttempo zusammenprallen. Einiges wissen die Astrophysiker bereits über diesen Prozess: Er spielt sich meist in älteren Sternen ab, die schon viel von ihren Wasserstoff-Vorräten zu Helium verschmolzen haben. Dann fangen sie nämlich an, das Helium zu Beryllium und anderen Elementen zu verschmelzen, um dem eigenen Energietod zu entgehen. Und in noch älteren Sternen und in Supernovae fusionieren diese vergleichsweise leichten Materalien dann auch zu Kohlenstoff und Sauerstoff – zusammen mit Wasserstoff sind dies die Grundbausteine unseres Lebens.

Seltsamerweise sind gerade diese Elemente besonders häufig im Universum anzutreffen, während andere ganz selten sind. Warum das so ist, wollen die Dresdner Forscher mit dem Eiswurm-Beschleuniger in Zukunft hochpräzise ausmessen. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Anfragen von Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland, die um Arbeitszeit im Dresdner Bierkeller bitten. „Wir rechnen mit einem Run auf die Anlage, wenn sie fertig ist“, orakelte der kaufmännische HZDR-Direktor Prof. Peter Joehnk.

Auch Nobelpreisträger McDonald erhofft sich wichtige wissenschaftliche Beiträge aus dem Eiswurmlager. Denn eine Grundneugier sei doch allen gemein: Wir alle wollen zu gern mehr über unsere Ursprünge wissen, wie das Leben und das Universum entstand – und wie es endet. „Der Felsenkeller-Beschleuniger könnte darauf einige Antworten liefern.“

Von Heiko Weckbrodt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach zwanzig Jahren Förderung stellt das ab Jugendamt Juli 2017 die Finanzierung der „MJA Jumbo“ in der Neustadt ein. Die Treberhilfe Dresden unterstützt mit diesem Projekt wohnungslose und hilfesuchende Jugendliche und junge Erwachsene. Die MJA Jumbo ist ein Projekt, das sich speziell an Hilfsbedürftige in der Neustadt richtet.

29.06.2017

Die Zahl der neuzugewiesenen Asylbewerber in Dresden hat sich auf relativ niedrigem Niveau stabilisiert. Der Freistaat will jetzt die Voraussetzungen schaffen, um Großstädte wie Dresden bei der Unterbringung anerkannter Asylbewerber stärker zu unterstützen. Dafür gibt es Gelder vom Bund.

28.06.2017

Die Landesdirektion Sachsen hat für die Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber in Dresden einen neuen Betreiber benannt. In einem offenen Brief haben Fachleute unterdessen vor einem Ende der therapeutischen Betreuung in den Einrichtungen gewarnt.

28.06.2017
Anzeige