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Aspirin und Dresden: Die künstliche Salicylsäure wurde zuerst an der Elbe entwickelt

Aspirin und Dresden: Die künstliche Salicylsäure wurde zuerst an der Elbe entwickelt

Die Entwicklung des Schmerzmittels mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure ist nicht nur außerordentlich bewegt, sondern auch eng mit Dresden verbunden.

Auch wenn die Farbenfabriken von Friedr. Bayer & Co. die Acetylsalicylsäure erstmals produziert haben: In Dresden startete die Erprobung verschiedenster Syntheseverfahren bereits knapp zwanzig Jahre früher. Der Chemiker und Lehrstuhlinhaber für reine Chemie am Dresdner Polytechnikum, Prof. Rudolf Schmitt (1830-1898) war es, der 1873 die synthetische Darstellung der Acetylsalicylsäure, kurz ASS-Synthese genannt, auf den Weg brachte und den Grundstein für die Dresdner Salicylsäureproduktion legte.

Salicylfabrik in Radebeul

Noch 1873 richtete der Chemiker und Industrielle Friedrich von Heyden (1838-1926) eine Chemische Fabrik in seiner Villa "Adolpha" auf der Leipziger Straße ein, die sich innerhalb kürzester Zeit auf dem Gebiet der synthetischen Arzneimittel zu einem führenden Unternehmen entwickelte. Der künstlichen Herstellung der Salicylsäure waren Forschungen von Geheimrat Hermann Kolbe (1818-1884) vorausgegangen, die Schmitt optimierte und die schließlich in von Heydens Fabrik zum Einsatz kamen. Der Industrielle gründete 1874 die "Salicylsäurefabrik Dr. von Heyden" in Radebeul, aus der dann später die Chemische Fabrik von Heyden AG wurde. Die künstlich erzeugte Salicylsäure eroberte im Handumdrehen den deutschen Markt, da immer mehr Firmen den Wirkstoff als schmerzlinderndes und fiebersenkendes Heilmittel, aber auch zur Pflege des Körpers, erkannten.

Da aber die industriell hergestellte Salicylsäure erhebliche Nebenwirkungen hatte - sie verursachte Brechreiz und griff in vielen Fällen auch die Schleimhäute an -suchte man nach einer Lösung, den Wirkstoff verträglicher zu machen. Fast zeitgleich arbeitete in Wuppertal-Elberfelde mit Felix Hoffmann (1868-1946) ebenfalls ein Chemiker an der Verbesserung der industriell nutzbaren ASS-Synthese. Beide Forschungsarbeiten kamen unabhängig voneinander, zu der gleichen Lösung, indem sie die bittere Salicylsäure mit Essigsäure zur Acetylsalicylsäure verbanden.

Geburtsstunde von Aspirin

Am 10. August 1897 schlug die Geburtsstunde des Schmerzmittels Aspirin. Dem Bayer-Chemiker Felix Hoffmann gelang an diesem Tag erstmals die ASS-Synthese in chemisch reiner und haltbarer Form. Was er vor 100 Jahren noch nicht ahnte: Er schuf damit den Wirkstoff für das bekannteste und am häufigsten verwendete Medikament der Welt überhaupt. Das vielversprechende Resultat mit der Acetylsalicylsäure veranlasste die Firmenleitung von Bayer & Co. in Wiesdorf (heute Leverkusen), den Wirkstoff in die Produktion aufzunehmen.

Zwei Jahre später begann die Chemische Fabrik von Heyden (später Arzneimittelwerk) mit der großindustriellen Herstellung unter eigenständigem Waren- zeichen. Es wird noch heute unter Fach- leuten darüber gestritten, welches der beiden Unternehmen die therapeutische Wertigkeit des Wirkstoffes zuerst erkannte. Nichtsdestotrotz produzierten sowohl die sächsische Chemische Fabrik als auch die niederrheinische Farbenfabrik Bayer unter den registrierten Warenzeichen Acetylin® (später Acesal®) und Aspirin® (ab 1899) ihre Produkte. Beide Firmen erlangten große Bekanntheit in Deutschland.

Radebeuler verpassen Patentschutz

Während es für beide Verfahren und Handelsnamen zwei unabhängige Lizenzen gab, bemühten sich verschiedene Firmen (u.a. auch Merck, Schering), die die günstigen Aussichten der Salicylsäurefabrikation ebenfalls rasch erkannten, um den Patentschutz. Das Urheberrecht für die ASS-Synthese wurde aber zunächst allen versagt. Die Radebeuler verzichteten gar auf einen solchen Versuch, waren ihnen doch die patentierten Vorarbeiten deutscher Chemiker von 1853, 1859 und 1869 umfassend bekannt.

Aspirin und Acesal vereint am Markt

Da die Bayer AG sowohl die technische Großproduktion als auch den Urheberrechtsschutz sehr ernst nahmen, bemühte man sich in mehrjährigen und aufwändigen Prozessen um die Alleinvertretung. Bekanntlich wurde beiden Firmen das Patent zugesprochen, weshalb sich Aspirin® im Westen und Acesal® im Osten Deutschlands bis in die heutige Zeit als zwei eigenständige Mittel gegen Schmerzen, Fieber und Erkältungen behaupten konnten.

Auch wenn das Schmerzmittel Acesal® heute nicht mehr in Radebeul hergestellt wird, der 100. Geburtstag des Wirkstoffes von Aspirin® ruft in Erinnerung, dass in Dresden vor über 120 Jahren erstmals ein synthetisches Arzneimittel hergestellt wurde.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2013

Andreas René Lux/Archiv/DNN

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