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Lokales Architekt Daniel Libeskind sprach zum Semesterauftakt der Volkshochschule Dresden
Dresden Lokales Architekt Daniel Libeskind sprach zum Semesterauftakt der Volkshochschule Dresden
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17:36 09.09.2015
Der Architekt Daniel Libeskind referierte in Dresden über die Sprache von Architektur und Raum. Quelle: Dietrich Flechtner

Zweitens: Der Erfolg des von der Dresdner Volkshochschule veranstalteten Abends ist neben dem Architekten selbst vor allem der Übersetzerin Daniela Oelsner zu verdanken. Ihr gelang es, eine Flut an visionären Sätzen, die in einem ungeheurem Tempo vorgetragen wurden, simultan(!) zu übersetzen. Ohne diese Leistung wären die Ausführungen des Architekten wohl dem Großteil der Besucher verschlossen geblieben, schließt man aus den fast restlos ausgeliehen Übersetzungsgeräten auf deren Notwendigkeit.

Drittens: Selbstverständlich hat Daniel Libeskind als Schöpfer des Militärhistorischen Museums in seiner heutigen architektonischen Ausprägung eine besondere Bindung zu Dresden. Trotzdem ist es wohl nicht selbstverständlich, dass ein derart vielbeschäftigter Architekt "nur" für einen Vortrag der Volkshochschule von New York über den großen Teich fliegt. Er hat es trotzdem getan, sogar seine Frau mitgebracht und beglückte nun an eben diesem lange erwarteten, sogar einmal verlegten Sonntagabend die Gäste im ausverkauften Saal der Musikhochschule.

Eines wird dabei schnell klar. Der jüdische Architekt (und Musiker) Daniel Libeskind ist nicht nur ein euphorischer Mensch, sondern hat ein komplexes Architekturverständnis. Der Bezug zur Vergangenheit, zur Tradition und überhaupt zum Damals spielt in (fast)allen seinen Entwürfen eine große Rolle. Dabei geht es ihm jedoch nicht um eine bloße Rückbesinnung, sondern vielmehr um die Frage, wie sich die Vergangenheit in Gegenwart einfinden kann und ob sie dort überhaupt etwas zu suchen hat. "Wie leben wir weiter ohne Vergangenheit entweder zu ignorieren oder darin zu versinken", sagte Libeskind. Seine Architektur wollen eine Weg finden, der genau zwischen diesen Polen vermittle. Auch aus diesem Grund arbeitet der Architekt oft mit Brüchen, mit klaren unkonventionellen Formen, die er in ein Bauwerk rammt. Besonders anschaulich ist dies wirklich direkt hier in Dresden am Militärhistorischen Museum zu sehen. Ein moderner Keil durchbricht das historische Gebäude, das sich traditionell verhaftet - bis heute - im Besitz der Armee befindet. "Wie kann man einen Betrachter in ein Museum führen, das ihm die Möglichkeit gibt, zu reflektieren", erklärte der Architekt seine Gedankengänge beim Erstellen des Entwurfs. "Wie schaffe ich einen Zugang, um Geschichte zu verstehen?" Der Keil ist für ihn der Bruch der Moderne, die Verkörperung der Grausamkeit des Krieges. Deswegen zeigt die Spitze auch auf das Ostra-Gehege, dorthin, wo das Bombardement Dresdens 1945 begonnen hat.

Doch natürlich ging ist nicht nur um Dresden. Libeskind erläuterte auch seine Entwürfe des Einkaufszentrums "Kö-Bogen" in Düsseldorf, des Luxus-Wohnprojektes "Reflections" in Keppel Bay, Singapur, das Wohnprojekt "Cityline" in Mailand sowie des Modernen Industriemuseums in Wuhan, China und vieler weiterer Projekten. Abschließend stellte er sein Projekt am Ground Zero in New York vor. Im Entwurf enthalten: Ein Museum, das nicht nach oben, sondern nach unten gebaut ist. Wie solle man solchen Ort wieder aufbauen?, fragte Libeskind hypothetisch in die Menge. "Architektur ist eingefrorene Musik", sagte Architekt. Und Musik sei nur mit dem Herzen lesbar. Natürlich hat auch Libeskind schon bereut, war unzufrieden, hat Fehler gemacht. "Architektur ist kein Experiment, sie trägt auch immer ein Risiko in sich", erklärt er auf Nachfrage einer Besucherin. Welche Fehler die seinigen waren, blieb am Sonntag in Dresden jedoch sein Geheimnis.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.10.2014

Katrin Tominski

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