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Lokales Archäologen erforschen altes Verteidigungssystem
Dresden Lokales Archäologen erforschen altes Verteidigungssystem
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16:40 13.04.2018
Der freigelegte Teil der Stadtmauer an der Wallstraße. Das Bauwerk ist zwei Meter dick. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Sie ist reichlich zwei Meter dick und erstreckt sich beinahe über das gesamte 4000 Quadratmeter große Baufeld an der Wallstraße, auf dem der Investor Baywobau Dresden gerade Grundsteinlegung gefeiert hat. Die Rede ist von einem Teil der Befestigungsmauer aus der Zeit der Renaissance, die einmal sternförmig die Innenstadt umschlossen hat.

Archäologen sind noch bis Mitte Juni vor Ort

Noch bis Mitte Juni erforschen Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie hier auf der letzten unbebauten Fläche des Terrains das alte Verteidigungssystem. Zwischen den schon dokumentierten Bastionen Saturn (Richtung Postplatz) und Merkur (Richtung Dippoldiswalder Platz) zeigt dieser Abschnitt nicht nur sehr gut die mächtige Dimension der Mauer, sondern lässt auch den einstigen Wall und die Fläche des schützenden Wassergrabens erahnen.

Acht Meter in die Tiefe

Thomas Westphalen, Abteilungsleiter Archäologie im Landesamt, zeigt sich begeistert: „Das ist der größte sichtbare Teil der Stadtbefestigung außer am Zwinger und an der Brühlschen Terrasse.“

An der Wallstraße haben sich die Archäologen in den Untergrund gegraben und einen Teil der Dresdner Stadtmauer freigelegt.

Grabungsleiterin Susanne Schöne und ihre vier Mitarbeiter haben sich für diesen Fund bis zu acht Meter tief in die Baugrube begeben und setzen sich hoher Staubbelastung aus. Denn bevor die Festungsmauer freigelegt werden konnte, war eine eineinhalb Meter dicke Betonplatte zu beseitigen.

Von erster Markthalle Dresdens ist nicht mehr viel übrig

Auf ihr stand die 1893 eröffnete, 1945 zerstörte und schließlich 1951 abgerissene Markthalle. Alles, was an dieser Stelle noch an Dresdens erste Markthalle erinnert, ist ein riesiger Haufen geschredderten Betons. Gefunden wurden von dem langgestreckten Bauwerk aber bei Grabungen auf dem Nachbargrundstück bereits ein paar alte Preisschilder und Sandstein-Köpfe von der Fassade.

Festungsanlage war vier Kilometer lang

Jetzt richtet sich das Interesse hauptsächlich auf die Festungsanlage. Kurfürst Moritz hatte das System im 16. Jahrhundert nach niederländisch-italienischem Vorbild komplett neu errichten lassen. Auf vier Kilometern Länge (heute der Bereich Postplatz, Zwinger, Brühlsche Terrasse, Hasenberg, Rathausplatz, Dr.-Külz-Ring, Dippoldiswalder Platz) wurde die Stadt durch den etwa zwölf Meter hohen Wall und die massive Mauer geschützt.

Graben konnte einst geflutet werden

Dazu konnte im Falle eines Angriffs der mehr als 25 Meter breite Graben geflutet werden. Anfang des 19. Jahrhunderts hatten die Befestigungen ausgedient und hier am Antonsplatz entstand die Markthalle.

Einige Rätsel noch nicht entschlüsselt

Zurzeit hat die ausgegrabene Mauer noch nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben. So ragen „Nasen“ nach innen in den Wall, über deren Bedeutung die Archäologen rätseln, wie Schöne erklärt.

Öffentlich sichtbar bleibt Festungsbauwerk nicht

Auch der Nutzen eines Schachts ebenda wird noch ergründet. Zu sehen bekommt die Öffentlichkeit dieses Stück Festungsbauwerk künftig nicht. Es wird eingehaust und bleibt somit wenigstens im Verborgenen erhalten. Nachdem die Archäologen alles vermessen, fotografiert und dokumentiert haben, entsteht unter dem neuen Wohn- und Geschäftshaus eine zweigeschossige Tiefgarage.

Vorstellbar wäre auch die offene Ansicht dieses Stücks Stadtgeschichte gewesen und etwas Wasser oder Grün - sozusagen als eine Art Mini-Schwester des einstigen Schürmann-Plans. Aber so lange erst Bebauungspläne stehen und dann gegraben wird, bleibt sichtbarer Erhalt schwer durchführbar.

Von Genia Bleier

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