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Lokales Arbeiter bohren 24 Meter tiefe Löcher in Ferdinandplatz
Dresden Lokales Arbeiter bohren 24 Meter tiefe Löcher in Ferdinandplatz
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14:15 18.07.2018
Geräteführer Hubert Tiede entleert einen Bohrkern. Zwei bis drei Tage dauert es, ehe er am Ferdinandplatz in 25 Meter Tiefe vorgedrungen ist. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Zentimeter um Zentimeter bohrt sich das Gestänge in den Untergrund. Es knirscht, es stinkt nach den Abgasen des Bohrgeräts, aber ansonsten geht der Vorgang erstaunlich leise vor sich – gemessen an den vier Tonnen Bohrdruck, die die Maschine maximal leistet. „Dann wollen wir mal rütteln“, hatte zuvor Geräteführer Hubert Tiede die Bohrung angekündigt, die nach zwei bis drei Tagen in 25 Meter Tiefe vordringen soll. Eine von insgesamt 24 Bohrungen, mit denen der Baugrund unter dem Ferdinandplatz untersucht werden soll. „Das wird bis Mitte August dauern“, sagt Jens Lerch. Er ist im Amt für Hochbau und Immobilien für den Verwaltungsneubau zuständig, der ab 2020 auf dem Ferdinandplatz entstehen soll. Der 160 Millionen Euro teure Neubau ist der Grund für die Rotationstrockenbohrungen, von denen einige auch nur bis in zwölf Meter Tiefe gehen.

Gebäude für Rathaus und einen Investor

Die Sondierungen im Untergrund sind der sichtbare Beweis, dass es mit dem Mammutprojekt vorangeht. 36 Aufgabenpakete habe die Verwaltung intern geschnürt, die nun abgearbeitet werden, sagt Baubürgermeister Raoul-Schmidt Lamontain (Grüne). Eines von ihnen beinhaltet zum Beispiel die Zufahrt für die geplante Tiefgarage, die von der St. Petersburger Straße erfolgen soll. Ein anderes den Bebauungsplan, der über das derzeit als Parkfläche mit mehr als 400 Stellplätzen gelegte Gebiet gelegt wird.

Die reichlich 400 Parkplätze auf dem Ferdinandplatz sollen ab Ende 2019 verschwinden. Quelle: Jürgen-M. Schulter

Drei Gebäude sollen entstehen, eines als Anbau an das Karstadt-Warenhaus, das Geschäftsräume und Wohnungen beherbergen wird. „Dafür wollen wir einen Investor finden“, sagt Lerch. In den beiden anderen Häusern sollen Räume für 1600 Verwaltungsmitarbeiter entstehen. Über ihre Gestaltung soll ein sogenannter städtebaulicher Dialog entscheiden – ein Verfahren, bei dem die Dresdner viel mitreden dürfen. Der soll im Herbst beginnen und in etwa im November 2019 mit einem von allen Seiten getragenen Ergebnis abgeschlossen werden, sagt Lerch. Eine Studie sieht einen Hochhausbau, „Hochpunkt“ nennt ihn Schmidt-Lamontain, vis-à-vis zum Rathausturm vor. „Danach können die archäologischen Untersuchungen beginnen“, fügt der Baubürgermeister an.

Parkplätze verschwinden ab Ende 2019

Für alle Parkplatznutzer bedeutet das: Ab dem Herbst 2019 wird es eng. „Wahrscheinlich muss mehr als die Hälfte der Fläche aufgegraben und untersucht werden“, sagt Schmidt-Lamontain. Über das Areal führte einst Dresdens Bankenstraße und deren in der Nachkriegszeit verschüttete Überreste interessierten die Archäologen sehr. „Was einmal aufgegraben ist, bleibt auch aufgegraben“, sagt der Baubürgermeister. Wenn frühestens ab 2020 eine neun Meter tiefe Grube für die zweigeschossige Tiefgarage ausgehoben wird, ist dann ein Teil der Arbeit schon erledigt. Wo sollen die Parkplatznutzer hin? „Es gibt in Dresden genügend Tiefgaragen im Zentrum, die alle nicht ausgelastet sind“, antwortet Schmidt-Lamontain knapp. Derzeit werde noch darüber gesprochen, ob eine der zwei etwa 220 Parkplätze fassenden Ebenen der Tiefgarage für die Allgemeinheit geöffnet werde, fügt Lerch an.

Die Bohrkerne werden in Meterkisten abgelegt. Quelle: Dietrich Flechtner

Bombenfunde immer noch möglich

Der Zeitplan ist einigermaßen ambitioniert und kann noch durch viele Probleme verzögert werden. Blindgänger sind eines davon. Zwar hat in der vergangen Woche eine ergebnislose Kampfmittelsondierung mit einem speziellen Bohrer stattgefunden. Sie hat aber nur die 24 Orte untersucht, an denen Geräteführer Tiede jetzt in die Tiefe geht. Für die Ausgrabungen ab Herbst 2019 bedeutet das: „Neben dem Bagger werden Aufpasser stehen, die auf Fliegerbomben achten müssen“, sagt Schmidt-Lamontain. Und auch weitere Bohrungen werden nötig sein, etwa bevor die Spundwände in den Boden kommen, die die Baugrube sichern. Mit einem Fund sei wie bei jeder Baustelle in der Dresdner Innenstadt zu rechnen. Eine Kartierung, die gefährdete Stellen genauer zeige, gebe es nicht. Zwar hat es in den 1960er Jahren bereits Baugrunduntersuchungen gegeben, die seien jedoch nicht sehr verlässlich, meint Lerch.

Deswegen treibt Geräteführer Tiede seinen Bohrer immer tiefer ins Erdreich. Ans Tageslicht kommen Bohrkerne mit 22 Zentimeter Durchmesser, die er in Meterkisten abliegt. Die ersten zeigen Auffüllungen und Schutt, bis nach etwa 3,70 Metern das eigentlich Erdreich beginnt. Immer wieder nimmt Tiede aus dem Bohrgut Proben, die er in Becher verschraubt und zur genauen Analyse ins Labor schickt.

Tückischer Untergrund

Der hohe Aufwand ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass der Boden unter dem Ferdinandplatz sehr tückisch sein kann. „Hier haben einst Teiche vor den Stadtmauern gelegen“, sagt Lerch. Zu Sanden, die einen guten Baugrund darstellen, kommen dadurch aus ehemaligen Teichgrund entstandene Lehme, die ausgetauscht werden müssen. Deswegen geht es auch so tief in die Erde. „Wir wollen jede Lehmlinse finden“, sagt Lerch, weil solcher Boden auch in der Tiefe einen darüber liegenden Bau destabilisieren kann, wenn er durch Wasseraufnahme aufschwämmt. Außerdem sollen einige Bohrungen bis zum Felsgestein, sogenannten Pläner, vordringen, um den Verlauf des von den Elbhängen zur Elbe fließenden Grundwassers in die Planungen einbeziehen zu können. „Das wollen wir durch den Neubau nicht aufstauen“, sagt Lerch.

Von Uwe Hofmann

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