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Lokales Arbeiten von Annedore Dietze sind in der Städtischen Galerie Dresden und in der Galerie Margareta Friesen zu sehen
Dresden Lokales Arbeiten von Annedore Dietze sind in der Städtischen Galerie Dresden und in der Galerie Margareta Friesen zu sehen
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20:30 09.09.2015
Annedore Dietze, Kanute I, 2012. Quelle: Jens Scheffler

Letzteres trifft auch auf Annedore Dietze zu, die die aktuelle Ausstellung bestreitet. Allerdings liegt ihr Studium schon einige Zeit zurück. Sie absolvierte dieses von 1991 bis 1996, war bis 1998 Meisterschülerin von Ralf Kerbach, schloss anschließend ein Masterstudium am Chelsea College of Art and Design in London an. Die in Berlin und Dresden lebende, gebürtige Bischofswerdaerin lehrte auch 2007 - 2009 und 2011 an "ihrer" Hochschule. So ist es eigentlich hohe Zeit - 2003 waren Arbeiten von ihr in der Galerie Adlergasse zu sehen -, ihre gereifte Kunst erneut und in diesem Rahmen in Dresden zu zeigen.

Mancher erinnert sich vielleicht noch an ihre bereits bemerkenswerte Diplomarbeit: Dietzes Bilder zeigten teils zähnefletschende Hunde in Originalgröße. In den folgenden Jahren, die ihr auch verschiedene Ehrungen einbrachten - Stipendien wie das für die Villa Serpentara in Olevano 2010 sowie Preise wie den Bautzener Kunstpreis für Malerei (1997), den Max-Ernst-Preis der Stadt Brühl (1998), den Wilhelm-Morgner-Preis (2010) -, gehörte häufig, aber nicht nur, dem menschlichen Körper ihre Aufmerksamkeit, wobei dieser eher in Ausnahmesituationen und in extremer Nahsicht zum Motiv wurde: Bilder vermittelten die Nähe zu kämpfenden Boxern oder Sumo-Ringern, aber auch zu Pferden beim Rennen und erlegtem Wild. Andere zeigten Tattoos in Nahsicht und Müll. Plastesäcke und anderes gaben das Motiv für neuartige Stillleben.

Die aktuelle Dresdner Ausstellung steht unter dem Motto "Kanuten". Generell geht es der Künstlerin allerdings kaum um die sportliche Disziplin beziehungsweise ihre Ausübung als solche. Dietze interessiert die Bewegung der kraftvollen Körper, noch mehr die malerischen Probleme, die sich für sie daraus ergeben - das Bewegungsspiel, in diesem Fall das aufspritzende Wasser, die Andeutung der Kleidung. Beim Malen ergeben sich immer wieder neue malerische Perspektiven zu einem Thema, woraus sich das serielle Herangehen ergibt. Bei einem Galeriegespräch wies sie darauf hin, dass sich beim Malen für sie immer neue Fragen ergeben, die eine aus der anderen erwächst. So ist auch zu erklären, dass etwa die zur "Kanuten"-Serie gehörenden Werke ganz unterschiedliche Stimmungen ausstrahlen, die besonders über die Farbe, aber auch die mehr oder weniger deutliche Prägnanz der Figur beziehungsweise unterschiedliche Bildperspektiven zustande kommen.

Die Werke der Künstlerin zeigen sich ausgesprochen malerisch, geprägt von feiner Farbabstimmung. Und wenn auch Fotografien, oft aus Zeitschriften, das Anregungsmaterial der Künstlerin sind, eine vergleichsweise fotografische Oberflächengestaltung ist ihr genauso fremd wie die nur minimal-verfremdete Übersetzung der Vorlage in Malerei. So entfällt auch jegliche Übertragung der Vorlagen auf die Leinwand. Sie formt das Gesehene nach ihren Absichten um, arbeitet daran, korrigiert, mitunter mit Kohle. Es entstehen sich überlagernde feine malerische Schichten, die die Ausstrahlung dieser Bilder erst ermöglichen, die den Betrachter anhaltend darauf schauen lässt, weit entfernt mit einem Blick erfassbar zu sein. Und bei allem behalten sie auch ihr Geheimnis.

Dieses liegt vor allem darin, dass - gleich, welchem Sujet sich die Künstlerin widmet, dieses wohl nur die Oberfläche hergibt. Hinter allem steht das Existenzielle, die Existenz des Menschen. Deutlich spürbar ist das in der aktuellen Ausstellung - besonders an einem fast schwarz in schwarz beziehungsweise dunkelgrau gehaltenem Bild, in dem sich der Körper nur noch schemenhaft abhebt, einige Lichtpunkte den Blick anziehen (auch hier fällt die feine malerische Qualität auf). Man stellt sich fast zwangsläufig die Frage, ob dieser "Kanute" sich behaupten oder untergehen wird. Ist hier die Verletzlichkeit fast "greifbar", ist andererseits auf anderen Bildern auch denkbar, dass die "Kanuten" in der Lage und bereit sind, andere zu verletzen - vielleicht getrieben von dem Willen, siegreich zu sein. So weisen auch diese Bilder auf eine allgemeine Dialektik menschlicher Existenz: die Verletzlichkeit und die Fähigkeit zum Verletzen, damit auch Gewalt auszuüben und Opfer von Gewalt zu werden.

Die "Kanuten" sind derzeit nicht die einzigen Werke der Künstlerin in Dresden. Die Galerie Margareta Friesen zeigt Malerei und Zeichnungen von ihr - in der Ausstellung "Diana, Goddess of Nature", die sich der künstlerischen Reflektion der Jagd widmet. Annedore Dietzes Arbeiten werden hier mit Video, Fotografie und Malerei von Erik Schmidt (geb. 1968 in Herford) vereint. Schmidt ist in großen internationalen Sammlungen vertreten, etwa der Rubell Family Collection in Miami und der Ovitz Family Collection in Los Angeles. 2004 wurde eine Werkschau Schmidts unter dem Titel "Hunting Grounds" im MARTa Herford gezeigt.

Städtische Galerie: bis 11. November, Di-Do, Sa/So 10 bis 18 Uhr, Fr bis 20 Uhr,

Künstlergespräch: 9. November, 16.30 Uhr

www.staedtische-galerie-dresden.de

Galerie Margareta Friesen, Basteistraße 3, bis 30. November, Di-Do, 14 bis 19 Uhr

www.galerie-friesen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.10.2012

Lisa Werner-Art

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